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RICHARD WAGNER LIEBTE LUZERN

25.09.2012 | Ausstellungen, KRITIKEN

RICHARD WAGNER LIEBTE LUZERN von Ursula Wiegand

Manche wechseln die Wohnorte wie die Hemden. So Richard Wagner (1813-1883). Mal ist das Musik- und Pumpgenie auf der Flucht vor den Gläubigern, mal vor der Polizei. Als Richard nach dem Maiaufstand von 1849 in Dresden steckbrieflich gesucht wird, flüchtet er nach Zürich.

Im Gepäck hat er die bereits fertige Oper „Lohengrin“, die Franz List in seiner Abwesenheit am 28. August 1850 in Weimar zur Uraufführung bringt. Siegfrieds Tod bis zum 2. Akt, die spätere „Götterdämmerung“, liegt ebenfalls schon vor.

In Zürich arbeitet Richard nun am „Rheingold“ und beendet „Die Walküre“. Auch der Grundstock für „Tristan und Isolde“, seinem Sehnsuchtsdrama, wird hier – nach dem vergeblichen Werben um die verheiratete Mathilde Wesendonck – gelegt.


Luzern, Türme aller Art prägen die Altstadt. Foto: Ursula Wiegand

Von Konzertreisen abgesehen lebt Wagner bis 1858 in Zürich, zunächst noch mit seiner ersten Frau Minna. Ein Ausflug führt die beiden 1850 nach Luzern am Vierwaldstättersee. Die Stadt und die Landschaft faszinieren ihn sofort.


Luzern, Kapellbrücke mit Rathausturm. Foto: Ursula Wiegand

Das versteht sich auf den ersten Blick. Luzern war und ist eine schöne Stadt mit angenehm mildem Klima. Die muntere Reuss teilt sie in die Alt- und die Neustadt. Erstere wirkt nach wie vor so attraktiv wie zu Wagners Zeiten.

Noch immer ist die fast 205 m lange Kapellbrücke (von 1633), flankiert von dem noch älteren früheren Wasserturm, das Wahrzeichen der Stadt. Nach dem Brand von 1993 hat man sie geschwind rekonstruiert und restauriert, die Brandspuren jedoch nicht beseitigt. Auch die berühmten, durch das Feuer zerstörten Bilder sind nicht nachgemalt worden.


Luzerns Kapellbrücke, hinten die Hofkirche. Foto: Ursula Wiegand

Im Hintergrund ragen die gotischen, 69 m hohen spitzen Türme der Hofkirche empor, Der jetzige Renaissancebau, errichtet 1633-1639, ruht auf frühromanischen Fundamenten und war eine Klosterkirche. Das in 760 urkundlich erwähnte „Monasterium Luciaria“ ist die Keimzelle der Stadt.

1851 folgt Richard am Vierwaldstättersee den Spuren von Wilhelm Tell. Weitere Visiten gelten dem Rütli und der Rigi. Wie heutige Besucher fährt er 1859 mit einem Dampfschiff von Luzern nach Weggis, hat unterwegs den 2.132 m hohen Pilatus im Blick. Die 1.798 m messende Rigi bezwingt er zu Pferd und zu Fuß.


Dampfschiff in Weggis mit Blick auf den Pilatus. Foto: Ursula Wiegand

Bei seinen Schiffsfahrten entdeckt Wagner ein hübsches Haus in Hanglage in Luzerns Stadtteil Tribschen. Nach weiteren Wohnortwechseln von Zürich nach Venedig, Paris, Wiesbaden, St. Petersburg, Wien, Stuttgart und München kommt er dort zur Ruhe.

Von 1866 – 1872 lebt er in diesem Haus und äußert sich begeistert. Hier vollendet er „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Siegfried“. Die Miete zahlt sein neuer Fan, König Ludwig II von Bayern. Der nächtigt dort auch mal in einem Zimmerchen, um seinem Idol nahe zu sein.


Luzern, Richard Wagner Museum im Stadtteil Tribschen. Foto: Ursula Wiegand

Heutzutage dient dieses Haus als Richard Wagner Museum und wird mit der Ausstellung „Zu Gast bei Richard Wagner“ zur Fundgrube. (Noch bis 30. November und erneut ab 15. März 2013). Bei gutem Wetter genießen die Besucher draußen Kaffee und Kuchen.


Richard Wagner Museum, Wagner-Büste. Foto: Ursula Wiegand

Drinnen sehen sie Büsten, Bilder und Bühnendekorationen, einen Abguss von Wagners rechter Hand. Vieles erfahren sie über sein Schaffen, Genaueres auch über Cosima (1837-1930), bekanntlich Franz Liszts Tochter und ab 1870 Richards zweite Ehefrau. In der Matthäuskirche wurden dort die beiden getraut.


Richard Wagner Museum, Bild Richard und Cosima Wagner. Foto: Ursula Wiegand

Auf einem Bild blickt sie sitzend zu dem stehenden Gatten auf. Eine raffinierte Darstellung, denn Richard ist 15 cm kleiner als sie. – Die Wagners bilden eine Patchworkfamilie. Die Töchter Blandine und Daniela entstammen Cosimas erster Ehe mit dem Dirigenten Hans von Bülow. Richard, 24 Jahre älter als Cosima, wird Vater von Isolde, Eva und Klein-Siegfried. Gerne tollt er mit den Kids im Garten und denkt sich Spiele für sie aus.

Cosima, die auch fließend Französisch spricht, unterrichtet die Kinder zumeist selbst und zweisprachig. Ihre Erziehung ist streng und nach damaliger Art, so ist es zu lesen. Die Mädchen werden zu Gehorsam und Demut angehalten und sollen stets für Siegfried, den ersehnten „Kronprinzen“, sorgen.


Richard Wagner Museum, Wagners Pantoffel. Foto: Ursula Wiegand

Wie Wagners bestickter Seidenpantoffel zeigt, lebt der Verschwenderische eigentlich auf kleinem Fuß. Volumig wirkt eher seine oft leere Geldbörse. Allerdings fließen während der Luzerner Zeit die Tantiemen schon reichlich. Die Familie beschäftigt zahlreiche Dienstboten. Auch wird gerne mit Gästen getafelt, zu denen neben Franz Liszt und Hans von Bülow auch Friedrich Nietzsche gehört.


Richard Wagner Museum, Cosima Wagners Haubenhut. Foto: Ursula Wiegand

Erhalten sind außerdem Cosimas hübscher dunkelroter Haubenhut sowie Wagners Schreibzeug und sein geblümter Sessel am Fenster.


Richard Wagner Museum, Wagners Original-Sessel. Foto: Ursula Wiegand

Auf dem Erard-Flügel haben er und Franz Liszt die Partitur der „Meistersinger“ gespielt. Ausgebildete Pianisten dürfen nach wie vor darauf musizieren. Vielleicht wählen sie Passagen aus „Siegfried“. Die Notenblätter liegen unter Glas, sind aber eine Kopie.


Richard Wagner Museum, Notenblätter der Oper Siegfried, Kopie. Foto: Ursula Wiegand

Für 2013, Wagners 200. Geburtstag, hat man, wiederum unterstützt von der Stadt Luzern und der Schweizerischen Richard Wagner-Gesellschaft, weiteres in petto, auch für junge Menschen. Von April bis Oktober installiert das Museum Die „Klanginsel Tribschen“ mit Wagner-Klängen draußen und drinnen. Ein Figurentheater bringt vom 17. August bis 28. September „Der fliegende Holländer“ für Kinder ab Fünf.

„Der Ring des Nibelungen“ wird für Kinder und Jugendliche umgeformt zu einem Stück über Macht- und Amtsmissbrauch, über Neid und Hass und die Kraft der Liebe (24.-31. Mai). Für den 6. September plant man eine Luzerner Museumsnacht (ab 18 Uhr) im und vor dem Museum.

Minna wird auch nicht vergessen. „Elend vor Sehnsucht nach Dir!“ stand in einem ihrer Briefe an Richard. Genau so lautet der Titel eines Kammerspiels mit Wagner-Musik am 20. Oktober 2013 um 11 Uhr. Das Stück thematisiert die schwierige Ehe Minnas an der Seite dieses ruhelosen, egoistischen und schließlich treulosen Genies.

Infos: Öffnungszeiten des Museums Di-So 10-12 Uhr und 14-17 Uhr. Eintritt 8 SFr. Weiteres unter www.richard-wagner-museum.ch . Generelle Schweiz-Infos: www.MySwitzerland.com , zu Luzern unter www.luzern.com.

Ursula Wiegand

 

 

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