RAVENNA FESTIVAL/TEATRO ALEGHIERI: OPERA PAESE von Giorgio Battistelli am 3.7.2026

Das Teatro Aleghieri. Foto: Luca Concas
Giorgio Battistelli (geboren 1953) gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Italiens.
Viele seiner Opern wurden am Teatro alla Scala, am Teatro Opera di Roma, am Teatro La Fenice, in Gent, Nancy, Mannheim und Berlin etc. uraufgeführt : Richard III., Le Duc d‘Albe, CO 2, Le Baruffe, Il Teorema di Pasolini, um nur einige zu nennen.
1981 schuf er ein sehr besonderes Werk: Experimentum Mundi für 4 Frauenstimmen, 1 Perkussionisten und 16 Handwerker. Die da waren: Zuckerbäcker, Schuster, Tischler, Scherenschleifer, Fassbinder, Schmiede, Maurer, Steinmetze, usw.usf.

Battistelli und die Handwerker. Foto: Luca Concas
Das originelle und einzigartige Werk war über die Massen erfolgreich und wurde bis heute über 100mal aufgeführt, sogar in Peru und China.
Jetzt hat er für das Ravenna Festival eine erweiterte „freiere“ Version des Experimentums geschaffen: OperaPaese Ravenna.
Der Unterschied: in Ravenna wurden auch noch Keramikerinnen, Schneiderinnen, Restauratorinnen, Mosaizisten, Müller, Spielzeugmacher, Nudelmacherinnen und Piadinateigkneter etc. hinzugefügt.
Dazu traten hier zusätzlich das Kammermusikensemble Icarus und ein zwanzigköpfiger Chor auf.

Der Maestro und die 92jährige Saxophonistin. Foto: Luca Concas
Das Ergebnis konnte sich sehen und hören lassen: denn es wird von Battistelli dabei nicht nur vom Aussterben bedrohten handwerklichen Berufen die Würde zurückgegeben und ein Denkmal gesetzt, nein, OperaPaese ist über diesen verdienstvollen sozialen Aspekt hinaus eine philosophische Reflexion über Ton und Geräusch, Musik und Lärm, zusammengefasst in einer rhythmisch wie timbrisch subtilen und raffinierten Partitur.
Ein unvergessliches Erlebnis !
Robert Quitta, Ravenna
Sigi Brockmann aus Münster erinnert an die Aufführung dieses aufwendigen Werks vor 10 Jahren in Münster:
Theater Münster 9. Februar 2016
Battistelli „Sinfonia da Experimentum Mundi“ Uraufführung der Neufassung mit Orchester
Handwerker erzeugten besonders in früheren Zeiten bei ihrer Arbeit Geräusche, die auch rhythmisch-musikalische Reize ausüben konnten. Als Beispiele von der Opernbühne seien genannt Richard Wagners Hans Sachs mit seiner Tätigkeit als Schuster, Mime und Siegfried als Schmiede oder als letztere sogar rhythmisch ganz scharf die Nibelungen im „Rheingold“ Handwerkszeug als Rhythmusinstrumente verwendet auch der 1953 geborene italienische und Komponist Giorgio Battistelli in seiner “ Sinfonia da Experimentum mundi“ – aber hier sind echte Handwerker bei ihrer täglichen Arbeit auf der Bühne tätig, deshalb wohl auch der Titel, den man in etwa als „Versuch mit den Klängen der Welt“ interpretieren kann. Schmied, Steinmetz, Tischler, Küfer oder Pflasterer erzeugen mit ihren Werkzeugen nicht so exakt wie gelernte Musiker unterschiedliche Rhythmen, auch polyrhythmisch gegeneinander. Dies wird ergänzt durch ein groß besetztes Schlagzeug. Frauenstimmen murmeln zusätzlich geräuschartig. Ein Sprecher beschreibt Handwerkszeug und seine Verwendung durch rhythmisches Lesen aus der „Encyclopédie“ von Diderot und d’Alembert, so einer Art Wikipedia des 18. Jahrhunderts….

