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PLÖN/Schleswig Holstein Musik-Festival: Kammerkonzert „Ungewöhnliche Begegnungen

SHMF-Kammerkonzert in Plön : KAMMERKONZERT „Ungewöhnliche Begegnungen“. 2.8.2013

Von Horst Schinzel

 Das Schleswig-Holstein Musik Festival – das sich in diesen heißen Sommerwochen ungewöhnlich starker Nachfrage erfreut – gewährt immer wieder auch in Kleinstädten den Musikfreunden Teilhabe an außerordentlichen musikalischen  Ereignissen. So am gestrigen Freitag im holsteinischen Plön, wo das Minguet-Quartett mit dem Solisten Léon Berben am Cembalo in die dortige
Nikolaikirche gekommen war. Und dies mit einem Riga-zentrierten Programm.
Das Baltikum ist in diesem Sommer Länderschwerpunkt des Festivals. Dieser etwas abgelegene Teil hat geschichtlich wie in unseren Tagen einen bedeutenden Anteil an der musikalischen Kultur des Kontinents. Und dies nicht erst mit der „Singenden Revolution“ vor zwei Jahrzehnten, wie dieser Abend deutlich machte.

Das Minguet-Quartett in der Zusammensetzung Ulrich Isfort, Annette Reisinger, Aroa Sorin und Matthias Diener besteht seit 1988 und hat seither bedeutende Erfolge errungen. Es arbeitet mit angesehenen Solisten zusammen. Seine CD-Einspielungen haben große Beachtung gefunden. 2010 erhielt das Quartett den „Echo Klassik“. Der in Rostock tätige Organist und Cembalist Leon Berben ist in den Konzertsälen aller Welt zuhause. Renommierte Musiker also, wie sie nicht alle Tage nach Plön kommen.

Auf ihren Notenpulten lagen Kompositionen mit Bezug zu Riga. Der in Mölln am 17. Januar 1728 geborene und am 14. Juli 1788 in Riga verstorbene Gottfried Müthel war nicht nur der letzte Schüler Bachs, sondern auch 35 Jahre in Riga tätig. Seine Musikschöpfungen – von denen in Plön eine Sonate für Cembalo und ein Konzert für Streicher und Cembalo zu hören waren – zeugen vom Übergang Wagners Siegfried-Idyll in einer Rekonstruktion der Urfassung, erinnerte zudem daran, dass auch dieser große Meister zeitweilig in Riga gewirkt hat.

Das besondere Erlebnis aber die Begegnung mit dem Streichquartett Nr. 1 des 1946 geborenen Peteris Vask. Der Herder-Preisträger hat Widerstand gegen das sowjetische Regime geleistet und erinnert in seiner Musik an die tiefen Wunden, die der lettischen Gesellschaft von diesem zugefügt worden sind. Er behandelt die Streichinstrumente völlig ungewöhnlich und entlockt ihnen recht merkwürdige Töne. Die Musik ist aggressiv, bleibt aber doch im Rahmen des Tonalen. Vask lässt dem Chaos keine Chance. Das Plöner Publikum war – begeistert. Wie es sich von der lästigen Hitze auch in keiner Weise beeindrucken ließ, und die Gäste auch erst nach einer Zugabe aufbrachen: Ein großer Abend.

 

 

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