Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

PAOLO FANALE lebt in Sizilien mit Familie (2 Söhne), 5 Hunden und 400 Olivenbäumen

05.10.2018 | Allgemein, Sänger

GESPRÄCH MIT PAOLO FANALE

Xl_avatar
Paolo Fanale. Foto: Agentur

Es ist bereits seine zweite Premiere an der Wiener Staatsoper. Nach dem „Fenton“ in der Falstaff-Produktion unter dem Regisseur Sir John McVicar nun der „Iopas“ in den „Troyens“ unter dem selben Regisseur.   

Der Iopas ist eine äußerst schwierige Rolle, meint der Künstler aus Palermo. Er ist ungefähr so heikel angelegt wie der italienische Sänger im Rosenkavalier, nur dass im Rosenkavalier der Sänger auf die Bühne kommt und loslegen kann, der Iopas ist schon lange zuvor in der Szene anwesend, mit kleineren Einwürfen und erst nach circa zwanzig Minuten des fast Nichtstuns muss er sich präsentieren. Das ist wie von 0 auf 150 in drei Sekunden. Die Schwierigkeit ist nicht das „C“, sondern dass es in Moll geschrieben ist, wie eben auch im Rosenkavalier. Allerdings hat er in der „Wiener Fassung“ etwas mehr zu singen, weil im Gegensatz zu Mailand mehr Striche offen sind. Die ganze Produktion macht den Eindruck eines mächtigen Monumentalfilms. Dass ist für die Länge dieser Oper absolut gut, weil somit keine Langeweile aufkommen wird.

Interessant ist, dass es den Poeten Iopas am Hof der Dido tatsächlich gegeben hat und er von römischen Dichtern, wie beispielsweise Vergil hervorgehoben wurde. Es ist für Paolo Fanale die zweite Rolle in den „Troyens“. Im Mai 2014 sang er bereits den „Hylas“, einen trojanischen Matrosen im Lager in Karthago. Die Situation, nur eine Arie, ist für den Sänger auf der Bühne sehr ähnlich. (siehe Merker Juni 2014 und auch online).

An der Wiener Staatsoper sang Paolo Fanale außerdem noch sehr erfolgreich den „Nemorino“. So hofft er doch auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Haus am Ring, von dem er begeistert ist. Er ist nicht nur von der Liebenswürdigkeit aller Mitarbeiter sehr angetan, besonders beeindruckt ist er von dem jungen und ausgezeichneten Ensemble, das er in diesen Probewochen kennen lernen durfte.

Bildergebnis für paolo fanale
Paolo Fanale. Foto: Wiener Staatsoper

Der junge Palermitaner mit blauen Augen lebt in der Nähe von Palermo auf einem Grundstück am Meer mit junger Familie, zwei kleinen Söhnen. Da er ein großer Tierfreund ist, gehören auch noch fünf kleine Hunde zur Familie. Er liebt das bäuerliche Landleben und die alte Kultur Siziliens, daher geht es nicht ohne vierhundert Olivenbäume.

Er fühlt sich als Tenore lirico – Tenore di grazie, aber ohne Falsett, er singt mit „accuti naturali“. Seine noch sehr junge Karriere begann vor acht Jahren international zu werden. Allerdings mit bereits bemerkenswerten Engagments wie beispielsweise den Tenorpart der Messe in Es–Dur, D 950 unter Claudio Abbado bei den Salzburger Festspielen 2012. Ein weiterer Meilenstein ist natürlich auch „Fenton“ unter James Levin. (Wie der Künstler Levin derzeit behandelt wurde, findet er sehr bedenklich).

Seine große musikalische Liebe gilt natürlich auch Mozart, wobei der Don Ottavio, den er bald wieder in Bologna unter Mariotti singen wird, einen ganz besonders hohen Stellenwert hat. In der nächsten Zeit ist weiterhin viel Mozart am Plan wie „Ferrando“ in „Cosi fan tutte“ in München und London, in Paris dann wieder Donizetti, Nemorino und  im Mai den „Pylades“ in Glucks „Iphigenie en Tauride“.

Zu Rossinis Musik fühlt er sich mit Ausnahme des „Almaviva“ im „Barbiere“ nicht wirklich berufen, viel mehr zu Donizetti und Bellini und natürlich dem französischem Fach. Eine Wunschpartie ist auch der „Lenski“, den er unter Fabio Luisi in Japan verwirklichen kann.

Als ganz junger Künstler – Student gewann er den Concorso Giuseppe di Stefano in Trapani., Dieser legendere Sänger ist ihm stilistisch ein ganz großes Vorbild.

In einem älteren Interview meinte Paolo Fanale, dass der „Otello“ von Verdi heute viel zu schwer besetzt wird, dass somit Verdis zarte Phrasen meist untergehen. Dazu steht er auch noch heute mit seiner Meinung, mit der er wohl nicht allein ist, es sollte doch von einem echten Spinto gesungen werden. Er selbst könnte wohl nur den „Otello von Rossini singen.

So kann man nur ein herzliches Toi, toi, toi für die Premiere wünschen und auf ein baldiges Wiederhören – sehen hoffen

Elena Habermann

 

 

Diese Seite drucken