Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Paisiello: FEDRA / Mayr AMORE NON SOFFRE OPPOSIZIONI

14.11.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

 80071440775010730099036177

Giovanni Paisiello: FEDRA

Giovanni Simone Mayr AMORE NON SOFFRE OPPOSIZIONI 

DYMAMIC 2 CDs
NAXOS 2 CDs

Interessante Opernraritäten, musikalisch nur bedingt empfehlenswert

Beide Neuerscheinungen sind als Weltersteinspielungen deklariert, wobei das in Wahrheit nur auf die Opera giocosa von Mayr zutrifft. Von Paisiellos Fedra gibt es beim Label Andromeda bereits einen Mitschnitt aus dem Jahr 1958 mit Lucille Udovich und dem Orchestra Sinfonica di Milano della RAI unter Angelo Questa.

Ganz grundsätzlich ist anhand der Publikation der Paisiello-Rarität Fedra der Frage nachzugehen, ob Live Mitschnitte nicht nur bei exemplarischer Qualität veröffentlicht werden sollten? Sind zur Rückeroberung vergessenen Opernterrains nicht ausgefeilte Studioproduktionen besser geeignet, Interesse und auch Akzeptanz für Neues zu erwecken. Wie das funktioniert, führen uns ja Labels wie DECCA oder HMF beispielhaft vor. Ich möchte nur auf die jüngst erschienen Rarität Adriano in Siria von Pergolesi mit Franco Fagioli verweisen. Giuseppe di Stefano hat einmal gemeint, Live-Mitschnitte können Studioproduktionen zwar ergänzen, aber nur dann, wenn sie ganz und gar außergewöhnlich (Besetzung, Tagesverfassung der Künstler, etc.) sind. Das ist auch mein Credo. Ich zitiere noch eine berühmte Sängerin, um zu zeigen, was ich meine: Elisabeth Schwarzkopf pries die Arbeit im Studio als Möglichkeit der Bildhauerei oder Malerei, nur eben mit Klang. Beinahe nur im Studio (es gibt Ausnahmen) sind Resultate zu erzielen, die ein Werk klangtechnisch einwandfrei und bar jeder orchestraler oder vokaler Ausrutscher, Huster etc. zu präsentieren vermögen.

Die Initiativen des Theaters Massimo Bellini di Catania, die vergessene Fedra von Paisiello auf den Spielplan zu setzen, ist löblich. Repertoire abseits des Mainstreams auszugraben und aufzuführen, erfordert Ausdauer, künstlerischen und finanziellen Mut und harte Arbeit. So weit, so gut. Aber nicht jedes Ergebnis rechtfertigt, dass die Mikros an sind. Lieblos mitgeschnittene Aufführungen mit fragwürdigen Orchesterleistungen wie jener aus Italien und maximal mittelmäßiger sängerischer Leistungen bereiten beim Anhören kaum Freude.

Giovanni Simone Mayr hat hier im Vergleich sicher die Nase vorne, auch weil diese Komposition aus dem Jahr 1810 origineller und als veritable Komödie à la Rossini direkter zugänglich ist als die doch recht spröde seria Fedra mit ihren ellenlangen Rezitativen. Dirigent Franz Hauk ist ja ein durchaus bekannter und für dieses Repertoire auch bestens geeigneter Dirigent, der sich klugerwiese dafür entschieden hat, das Werk vor der szenischen Premiere im Mai 2011 im Kongregationssaal in Neuburg an der Donau aufzunehmen. Das East-West European Festival Orchestra macht seine Sache dabei durchaus gut. Während sich Franz Hauk bislang vor allem mit den reizvollen Frühwerken des bayerisch-italienischen Opern-Genies Franz Josef Mayr beschäftigt hatte, steht nun eine Weltersteinspielung einer Oper des „reifen“, voll entwickelten Mayr zur Disposition. Die Aufnahme ist an sich tadellos, frisch und lebendig musiziert und voller Elan gesungen. Wenn, ja wenn da nicht die Sängerin der Hauptrolle Elmira/Zefirina aus meiner Sicht vollkommen fehlbesetzt wäre. Mit vibratoloser, gänzlich instrumental geführter obertonarmer Stimme sollte man dieses Repertoire nicht singen, zumal Intonationstrübungen und gerade angesungene Töne in der hohen Lage erheblich stören. Da kann der Rest der Aufführung noch so gut sein, das ist ein echtes Manko. Schade.

Die von vorhinein live akustisch unzulänglich aufgenommene Fedra von Giovanni Paisiello leidet unter dem technisch mediokren Orchester genauso wie unter einer Besetzung (z.B.: Esther Andaloro als Diana), die weder von der Stimmqualität noch vom Gesangsstil her überzeugt. Auch der häufig (6x) eingesetzte Chor des Theaters in Catania ist seiner Aufgabe nicht gewachsen, zu unsauber und vibratoreich entledigt er sich seiner eigentlich vom Komponisten her vorgesehenen dankbaren Aufgabe.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

Diese Seite drucken