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„PACE E GUERRA“ – Arias for Bernacchi

20.02.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

Terry Wey

PACE E GUERRA“  – Arias for Bernacchi

TERRY WEY, Countertenor /
Bach Consort Wien /
RUBÉN DUBROVSKY

SONY MUSIC / deutsche harmonia mundi / © 2017

Der junge Countertenor mit schweizerisch – amerikanischen Wurzeln und ausgebildet in Wien, Terry Wey, widmet sich auf seinem ersten Solo-Album Arien, die für den italienischen Kastraten Antonio Maria Bernacchi  (1690 – 1756) geschrieben worden sind. Dieser war nach Beendigung der eigenen Karriere als viel bewunderter,  aber auch ob seiner enormen Leibesfülle viel karikierter Superstar, Lehrer des später berühmten Farinelli.

Terry Wey singt in der nun vorliegenden Aufnahme aus Händels „Lotario“ die Titelrolle und in „Partenope“ den Arsace – Rollen, die Händel dem Kastraten auf den Leib und in die Kehle geschrieben hatte –  und die Bernacchi auch in London präsentierte.

Terry Wey betätigte sich aber auch als wahrer Schatzgräber und präsentiert von 14 Nummern insgesamt sieben Weltpremieren auf seiner CD: Wahre Kleinodien von Pietro Torri (ca. 1650 – 1737, darunter die Titel-Arie „Pace e guerra“, aus der Oper „Lucio Vero“, sowie die ergreifende Abschiedsarie „Parto, non ho costanza“ (Ich gehe, denn ich ertrage es nicht, dich weinend zu sehen…, aus der Oper „Venceslao“).  Dazu kostbare Raritäten von Domenico Natale Sorro (1679 – 1744), Johann Adolf Hasse, Carlo Francesco Pollarolo (1658 – 1723), und Leonardo Vinci (mit einem herrlichen Terzett aus der Opera seria „Il Medo“, bei dem  zwei weitere tolle Stars wie  Vivica Genaux, Mezzosopran, und Valer Sabadus, der Countertenor in Sopranlage, mitwirken).

Der Bernacchi von Zeitgenossen oft gemachte Vorwurf, sein Gesang und die virtuosen Gesangsvorlagen würden sich nur durch technische Raffinesse auszeichnen, greift eindeutig zu kurz, führt man sich diese glänzende Aufnahme zu Gemüte. Die Bandbreite des emotionalen Ausdrucks all dieser zu Unrecht fast Vergessenen reicht von verinnerlichter Melancholie über Pathetik bis zu  in wahrstem Sinne stürmischem „Affetuoso“.

Terry Wey ist für all dies prädestiniert wie derzeit wohl nur ganz wenige andere. Im Stile eines Legato- und Schwebeton-Weltmeisters mit stratosphärisch betörendem, schmerzlichem Wohllaut  gestaltet und „durchlebt“ er z.B. Sarros Arie „Quell‘ usignolo…“, die eine Nachtigall besingt („…ob sie allein ist oder bei der geliebten, teuren Gefährtin, sie seufzt und klagt und kennt kein Glück…“).

Koloraturen-Exzesse  kommen beinahe provokant unangestrengt, (ohne künstlich forcierte Töne oder unangenehme Registerwechsel, technisch unfehlbar bewältigt und federleicht). Stimmliche Attacke in Sekundenbruchteilen, sozusagen mit katzenartigem Anschleichen und Zupacken. Und die Arie des Arsace in Händels „Partenope“, „Furibondo, spira il vento“ („Wild tobt der Sturm“) ist ein Höhepunkt an kongenialem gemeinsamem Gestalten einer fast naturalistischen Lesart von Händel und seinem Dirigenten samt Orchester (Rubén Dubrovsky, der kundige wie temperamentvolle Stilist mit dem herrlichen Bach Consort Wien.

Eine grandiose, meiner Ansicht nach kultige, Aufnahme ist da gelungen. Würde mich nicht überraschen, wenn da ein Schallplattenpreis folgt! Für mich: Ein  MUSS für jeden Barockmusikfreund und für Raritätensammler!

Karl Masek

 

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