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Oper Klosterneuburg: „DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR“ von Otto Nicolai. 6.7.2013 Premiere

07.07.2013 | KRITIKEN, Oper

Sarah Tuleweit und Ilker Arcayürek : Verlobung im Elfenreigen

Oper Klosterneuburg
“DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR”
Premie  6. Juli 2013

 

 Nun eilt herbei, Witz, heitre Laune, List und Übermut …

 

 

Or, Tuleweit, Kaiser

Wie entgeht ein gefuchster Regisseur dem Problem, diesen wunderlichen Sommernachtstraum Otto Nicolais in so sehenswert nachempfundenen Kostümkreationen aus der Renaissance spielen zu lassen, ohne sich dem Vorwurf des “Gestrigen” auszusetzen? Ganz einfach mit dem alten Trick, Theater auf dem Theater, in diesem Fall eine Opernprobe auf der Klosterneuburger Stiftsbühne spielen zu lassen. Andy Hallwax stellte das muntere Treiben der lustigen Weiber auf eine von Hans Kudlich gestaltete Bühne: Seitenteile mit pawlatschenartigen Galerien – das Globe-Theatre läßt von der Ferne grüßen – in der Mitte die riesigen, schwarzen Baumstümpfe für den Park von Windsor, links das Wirtshaus zum Goldenen Löwen (nicht das zur Hosenbande!), rechts das Haus der Fluths. In diesem Rahmen läßt Hallwax die Handlung über die betrogenen Männer – Falstaff als der gedemütigte Frauenheld, Herrn Fluth mit seinen gescheiterten Heiratsplänen – gekonnt und mit der nötigen Lustigkeit und Leichtigkeit ablaufen. Die sehenswerten bunten und phantasievollen Kostümentwürfe stammen von dem aus Graz gebürtigen Kostümbildner und Modedesigner Franz Blumauer.

Soweit war wieder einmal der Rahmen im Klosterneuburger Stiftshof perfekt, sogar die angekündigten Gewitter und auch die gefürchteten Gelsen blieben genauso aus wie die Mini-Gastronomie nach der Aufführung, diese hatte sich nach der Pause bereits verabschiedet, Würstel und Wein mußten trotz Zusage unverkostet bleiben.

Die alte Krankheit von Dirigenten, die Sänger mit Orchesterlärm bis zur Unhörbarkeit zuzudecken, mit diesem Problem konnte uns Christoph Campestrini nicht konfrontieren, die von ihm dirigierte Badner Sinfonietta hat im großen Stiftshof keine Chance, alle zu übertönen, umso eher verstand es dafür der Maestro, den melodienseligen Otto Nicolai mit seiner Musik bestens zur Geltung zu bringen, mit einer Musik, die zwischen Schubert und Mendelsohn, zwischen Klassik und Romantik ein originelles Eigenleben führt und so genußvoll in eine laue Sommernacht passt.

Christian Hübner als Sir John

Christian Hübner als Sir John

Ein durchwegs junges Ensemble kommt ohne elektronische Verstärkung zwischen den barocken Wänden des Hofs zurecht, für die Gesangsstimmen reicht das, bei den gesprochenen Zwischentexten muß man in den hinteren Reihen schon verdammt die Ohren spitzen. Ein Lackel von einem Falstaff, es dürfte nicht viel an die zwei Meter fehlen, gibt Christian Hübner mit großer, etwas spröder Stimme, da fehlt es noch an etwas Breite und Wärme. Er spielt den Sir John drollig, in der Verkleidung als dicke Wahrsagerin, der “Woman of Brentford” ist er überhaupt köstlich. Makellose Leistungen bei den weiblichen Hauprollen: Talia Or, die attraktive Israelin als schönstimmige Frau Fluth, mit einem hörenswerten Mezzo Dshamilja Kaiser als Frau Reich und Sarah Tuleweit als Ännchen, die zusammen mit dem Fenton, Tiker Arcayürek für belkantesken Ton sorgt. Witzig in seiner Überzeichnung Patrick Vogel als Junker Spärlich, tadellos ergänzen die Herren Viktor Rud als Fluth, David Steffens als Reich und Boris Grappe als Dr.Cajus. Der Chor der Oper Klosterneuburg hat diesmal wesentliche Spielanteile, stellt er doch das Personal jenes Theaters dar, in welchem das Stück als Generalprobe stattfindet.

Das Publikum des ausverkauften Hofes war angetan und spendete auch nach den einzelnen Nummern reichlich Beifall.

Das Libretto von Hermann Mosenthal folgt dem Stück Shakespeares und macht bewußt, wie genial Arrigo Boito im dramaturgischen Aufbau und der Pointierung zu den Aktschlüssen hin für Verdi gearbeitet hat. Dieser “Falstaff” wäre ein ideales Stück für den Stiftshof, noch dazu, wo doch bereits Kulissen vorhanden wären. Nichtsdestotrotz steht nächstes Jahr wieder ein Sommertheaterfestspieldauerbrenner auf dem Programm: “Die Zauberflöte”

Fazit: Ideale Sommeroper mit künstlerischen Ansprüchen und ohne störende Regiehinterfragungen.

 

Peter Skorepa
Fotos: Oper Klosterneuburg-Lukas Beck (Proben),
Marcel Gonzalez Ortiz (Kostümfoto)

 

 

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