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Oper Graz: PREISTRÄGERKONZERT „FERRUCCIO TAGLIAVINI“ GESANGSWETTBEWERB

23.04.2012 | KRITIKEN, Oper

Oper Graz   21. April 2012

Preisträgerkonzert des 18. Internationalen Gesangswettbewerbs „FERRUCCIO TAGLIAVINI“

Zsoltan Haja, Hyun Kyu Ra und Lai Ling Kwong  (Foto OnlineMerker/Skorepa)

Das sind die drei “Abräumer “ des 18. Internationalen Gesangswettbewerbs “Ferruccio Tagliavini”: Hyun Kyu Ra, 29, aus Pusan in Südkorea, der den 1. Preis und den Baritonpreis gewann, der 2. Preis ging an die zierliche Chinesin Lai Ling Kwong, 25, aus Hongkong, die auch den Publikums- und den Sopranpreis einheimste, sowie Zsolt Haja, 28, aus Debrecen in Ungarn, der neben dem 3. Preis auch den Tenorpreis und den Preis der Stadt Graz ersang.

Ein vom Veranstalter, der Internationalen Sommerakademie ISO in Deutschlandsberg verliehener Sonderpreis, der “ISO d´ORO 2012” wurde diesmal dem schier unverwüstlichen KS Leo Nucci überreicht, der noch dazu seinen nur wenige Tage zurückliegenden 70er feiern durfte und, auf diese Tatsache angesprochen, das “incredibile” seines Alters im anschließenden Konzert nur unterstrich. Der künstlerische Leiter des Gesangswettbewerbes, der Tenor und Gesangspädagoge Vittorio Terranova, wiederum konnte auf seinen Erstauftritt in der Grazer Oper vor 40 Jahren verweisen, Bellinis “I Puritani” standen auf dem Programm, einige wenige Belcanto-Fans aus Wien waren auch angereist, um in den damals bei uns eher seltenen Genuß dieses Komponisten zu gelangen. Unter seinen Mitjuroren waren diesmal u.a. Elena Obraztsova, Richard Bonynge, Enzo Dara und Giuseppe Sabbatini anzutreffen.

Und ein Dirigent war auch zu entdecken, denn so mitreissend, leidenschaftlich, musikalisch kompetent und sängerfreundlich sieht man nicht oft einen Maestro arbeiten: Giuseppe Sabbatini versteht auch dieses Handwerk, die Grazer Philharmoniker erreichten neben der präzisen Sängerbegleitung auch bei den beiden Ouvertüren zu “Norma” und “I Vespri Siciliani” echt südlichen Klang.

Zunächst zeigten die drei Gewinner, dass sie nicht zu unrecht als preiswürdig erachtet wurden. Hyun Kyu Ra konnte mit “Pieta, rispetto, amore” aus dem “Macbeth” schönes Baritonmaterial zeigen, während Escamillos “Votre Toast” noch etwas mehr Routine bedürfte. Während Lai Ling Kwong mit dem “Come Scoglio” aus der “Cosi” am richtigen Weg ist, brachte sie mit der Pace-Arie aus der “Forza” eher ihrem Wunsch als deren Erfüllung zum Vortrag. Insgesamt fehlt bei beiden naturgemäß jener Feinschliff, den die harten Anfangsjahre einer Karriere noch bringen sollten. Auch steht die, asiatischen Menschen scheinbar angeborene und auch ins Gesicht geschriebene Ruhe und Gleichförmigkeit für die publikumsgerechte optische Ausformung einer Partie etwas im Weg. Zsolt Haja kennt solche Hindernisse nicht, auch steht er schon besser im “Geschäft”, sein Material ist ausgesprochen angenehm timbriert, mit seinem “Dalla sua pace” aus dem “Giovanni”, besser aber sein “Kuda, kuda” des Lenski sollte man sich um seine Karriere keine Sorgen machen.

Nach der Pause trat eine Schar von Sängern an, die schon in diesem Wettbewerb Preise gewonnen haben oder, wie im Fall von Francesco Meli, es ins Finale geschafft haben oder auf Einladung von Vittorio Terranova gekommen waren. Und sie zeigten den Gewinnern, wie man den Jahren einer beginnenden Karriere den nötigen Feinschliff abgewinnen kann: Francesco Meli, jetzt bereits Verdis Manrico auf der Bühne, legte ein unnachahmliches “Una furtiva lacrima” hin und begeisterte zusammen mit Serena Gamberoni in einem Duett aus dem “Liebestrank”. Und da er zur Zeit in Washington den Werther probt, ließ er ein wunderschönes “Pourquoi me réveiller” hören und bewies gleichzeitig damit, wie dramatisch diese Partie für ihn eigentlich ist. Harte Arbeit steht da noch bevor. Donata D´Anunzio Lombardi war eine eindringliche Butterfly, Andrea Porta brachte “Bella siccome un angelo” aus dem Don Pasquale. Schon sein Outfit ist für Bufforollen ein Gewinn. Mit der gleichen Oper brillierte Serena Gamberoni, Leonardo Caimi beklagte mit männlichem Timbre als Cavaradossi seinen frühen Tod auf der Engelsburg, und das Finale des dritten Aktes der “Boheme” wurde stimmungsvoll von Lombardi, Caimi, dell´Oste und Porta geboten.

Und dann kam der scheinbar ewig junge Leo Nucci vor das Orchester und brachte mit “seinem” Rigoletto, mit dem Finale des dritten Aktes, von einem eindringlichen “Cortigiani” und von Annamaria dell`Oste bestens unterstützt mit “Tutte le feste al tempio” bis hin zum Vendetta-Duett den Saal zum kochen. Das übliche Finale eines solchen Abends konnte da nur das Brindisi aus der “Traviata” sein, natürlich wiederholt, wobei auch Vittorio Terranova und Giuseppe Sabbatini mitsangen.

Peter SKOREPA

Leo Nucci, der 70er neben Andrea Porta (Foto OnlineMerker/Skorepa)

 


 

 

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