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OEKINGEN/ Bühne Burgäschi im Hornusserhaus: HOPSA von Paul Burkhard. Perfekt dargebotene, leichte Unterhaltung allererster Güte. Premiere

Paul Burkhard: Hopsa • Bühne Burgäschi im Hornusserhaus Oekingen SO • Premiere: 18.06.2026

Perfekt dargebotene, leichte Unterhaltung allererster Güte

Auch in diesem Jahr wird die Bühne Burgäschi ihrem Ruf, mit einer Rarität die Spielpläne der Schweizer Theater zu bereichern, rundum gerecht. Zur Aufführung gelangt «Hopsa – The Life of a Girl», das erste Bühnenwerk Paul Burkhards (1911-1977).

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© https://www.burgaeschi.ch/

Paul Burkhard, im deutschen Sprachraum allenfalls durch «Das Feuerwerk» (1950) bekannt, in der Schweiz durch «Die kleine Niederdorfoper» (1951) unsterblich, wurde 1911 in Zürich geboren. Hier machte Burkhard seine ersten musikalischen Schritte, gefördert durch das Klavier seiner Schwester und die Tatsache, dass häufig Sänger des Stadttheaters bei der Familie zur Untermiete wohnten. Burkhard brachte sich, durch Abschauen, das Klavierspiel selbst bei, und soll bereits als Vierjähriger einen Auszug aus «Rigoletto», den er, ohne Lesen zu können, bei seiner acht Jahre älteren Schwester aufgeschnappt hatte, vorgetragen haben. 1918 notierte er seine 1. Komposition und wurde 1922 ins Konservatorium seiner Heimatstadt aufgenommen. Das Jahr 1924 brachte für Paul Burkhard den Wechsel ans Literargymnasium Rämibühl, wo für zwei Jahre Max Frisch sein Klassenkamerad sein sollte, und den Umzug der Familie in die Escherhäuser am Zeltweg. Im Haus Nummer 9, in das die Burkhards einzogen, lebte von 1886 bis 1901 die Schriftstellerin Johanna Spyri, im Haus Nummer 7 von 1948 bis 1950 Rolf Liebermann und in der Nummer 13 von 1849 bis 1857 Richard Wagner. 1930 legte Paul Burkhard, immer parallel zu seiner Ausbildung am Konservatorium, die Matura ab und immatrikulierte sich an der Universität, wo er, um Musikwissenschaft studieren zu können, im Hauptfach Germanistik belegen musste. Das universitäre Studium vermochte Burkhard nur mässig zu befriedigen, und so erwies sich eine Anfrage des Berner Stadttheaters an seinen Kompositionsprofessor Volkmar Andrae als rettender Ausweg. Ein Korrepetitor ward gesucht und so wechselte Burkhard, nach Ablegen des Konzertdiploms und des Diploms als Klavierlehrer im Sommer 1932 ans Stadttheater Bern. Damit verliess Burkhard erstmals das Umfeld seiner Familie, genauer der dominanten Frauen seiner Familie, und war in Bern, wo er als «Mädchen für alles» gefordert war, auf sich allein gestellt. Er war Korrepetitor, Dirigent, Begleiter am Piano, und erfolgreicher, rasch gefragter Gelegenheitskomponist. Sein Berner Kapellmeister-Kollege Kurt Rothenbühler (1905) soll ihn dann so Burkhard, den Weg gewiesen haben: «Hör mal, in dieser Musik liegt ja Dein eigentliches Talent. Das, was Du als Nebengeleise [unterhaltende Musik] ansiehst, das ist Dein Hauptgeleise!» Der Komponist dazu: «Kurt Rothenbühler befahl mir schlechtweg, während der Sommerferien eine Operette zu komponieren». Burkhard befolgte den Rat und so war nach sieben Wochen Sommerferien im Tessin die Operette mit dem Arbeitstitel «Helene Piesack» geboren. Nun ging es Schlag auf Schlag: Irgendwie musste Karl Schmid-Bloss, Direktor des Zürcher Stadttheaters, von dem jungen Talent erfahren haben und vermittelte ein Treffen mit den in Zürich weilenden Robert Gilbert (Textdichter und Komponist; 1899-1978; u.a. musikalische Einlagen zu «Im weissen Rössl») und Armin Robinson (1900-1985; Musikverleger und Textdichter; Entdecker Paul Abrahams). Die Musik wollte man unverändert übernehmen, Handlung und Text jedoch wurden für verbesserungsfähig befunden. Burkhard bat um Entlassung aus seinem Berner Engagement und während des folgenden Jahres überarbeiteten Gilbert und Burkhard, wenn er nicht mit Robinson, der seinen Schützling «vermarkten» wollte, in Europa reiste, den Text. «Hopsa – The Life of a Girl» erlebte seine Uraufführung am 30. November 1935 am Stadttheater Zürich.

In der Morgenausgabe des 2. Dezembers 1935 berichtet die Neue Zürcher Zeitung von der Uraufführung: «Hopsa das ist der Uebername der lustigen kleinen Mary Miller aus Wiggletown in U. S. A., die von der Schulbank weg nach New York durchbrennt und dort von einem ehrgeizigen Bühnenmann zum Revuestar gezüchtet wird. Hopsa liebt aber heimlich einen Jugendkameraden Bill, der als Turnlehrer nicht so musikalisch sein muß, um das gleich zu merken. Er glaubt vorerst sein Glück bei dem theaterbesessenen Mädchen Gloria gefunden zu haben, dem jedoch eheliche Siedlungsabsichten fernliegen. Die herzlichen Kräfteverschiebungen in diesem am Broadway wirkenden Wiggletowner Terzett führen schließlich dazu, daß Hopsa ihren Starplatz an Gloria abtritt und mit Bill ins ländliche Happyend-Häuschen zieht. Das ungefähr ist der rote Faden, der durch die neue Revueoperette „Hopsa“ von Paul Burkhard geht. Er war bei der Uraufführung noch nicht sehr straff gespannt, sondern wies eine Menge Verknüpfungen auf, die in die 16 Bilder dieses harmlosen Spiels für große Kinder nur zu viel Haltepunkte und Verzögerungen brachte. Aber ein lockerer Revue-Fahrplan läßt sich ja leicht korrigieren, und somit wird wohl der „Hopsa“-Zug bald den Fahrzeiten des roten Pfeils [Legendärer, 1935 in Betrieb genommener Leichttriebwagen der Schweizerischen Bundesbahnen] angenähert sein».

Auf der Bühne Burgäschi erlebt der Zuhörer nun perfekt dargebotene, leichte Unterhaltung allererster Güte. Und ist vom Erstlingswerk des 24jährigen Komponisten schlicht beeindruckt. Nicht anders erging es dem Kritiker der neuen Zürcher Zeitung: «Da kommt ein 24jähriger Schweizer vom Konservatorium und einer kurzen Kapellmeisterpraxis her, schreibt eine Operettenmusik, hört bei der Probe zum erstenmal, wie so etwas im Orchester überhaupt klingt und dann erweist sich die Partitur gleich als ein Ganzes, das nicht etwa nur „zu schönen Hoffnungen berechtigt“, sondern die Arbeit eines eigenwilligen Künstlers und nicht alltäglichen Könners ist. Burkhard, der sich in den Ausdrucksmöglichkeiten des kultivierten Jazz bestens auskennt schreibt eine wohlklingende saubere Musik. Der effektvolle Tanzschlager sitzt ihm rhythmisch so sicher im Handgelenk, wie der Sinn für ein zärtliches, melodiöses Liedchen im Gefühl. Er reiht aber nicht nach dem Konfektionsschema Nummer an Nummer, sondern nimmt ein Thema auf, gibt es z. B. als Liedchen dem Sopran, läßt es durch ein Ensemble mit pointierten Einzelstimmen weitertragen, variiert es dann in einem Orchesterzwischenspiel und wirft es in verändertem Rhythmus zuletzt den Girls sozusagen in die Beine. In derartigen Variationen zumal verrät Burkhard ein Streben nach künstlerisch Höherem, das seine Schreibart so sympathisch macht».

Die 29 Musiker des Burgäschi Tanzorchesters unter der musikalischen Leitung von Reimar Walthert bringen die Jazz-Melodien, Schlager, Tanzrhythmen wie auch instrumentalen Passagen wunderbar pointiert und schmissig zu Gehör. Mit diesem Schwung fühlt man sich gleich in einen Abend Mitte der dreissiger Jahre zurückversetzt. Burkhard war politisch wenig interessiert, denn er lebte ganz und gar für die Musik, und hat so die neuesten musikalischen Entwicklungen, soweit sie zu ihm drangen, von zeitgenössischen «Vorgaben» unbeeinflusst in seine Komposition aufgenommen. Stimmiger dargebracht kann man sich die Musik nicht wünschen!

Das Sound-/Lichtdesign von Martin Kuhn ist perfekt austariert und sorgt für ein grossartiges Erlebnis auf der romantischen Freilichtbühne.

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Foto © Christoph Malaval

Melanie Gehrig Walthert (Inszenierung, Bühne, Kostüme) bringt die Geschichte hat die Geschichte schlüssig gestrafft – sie lässt dabei die «einfache» Handlung bewusst unangetastet und wahrt so ihren Charme – so auf die Bühne, wie man sich damals, als kaum einer der Zuschauer (und auch Burkhard nicht) in der Neuen Welt gewesen sein dürfte, vorstellte und heute ein Amerika «der guten alten Zeit» imaginiert (aus dem «Lied vom Nigger Jim» wird unauffällig das «Lied von Cowboy Jim». Besonders eindrücklich gelingt der Auftritt der Revue-Girls (Rebecca Gershoni, Julie Hauri, Chayenne Müller, Etienne Müller, Linea Müller, Elin Nyffeler, Jael Schaad) mit Rollschuhen (Choreografie: Viviana Calí).

Patricia Zanella gibt die Mary Miller, genannt Hopsa, mit gut fokussiertem Sopran und hervorragender Bühnenpräsenz. Angesichts der Tatsache, dass alle Stimmen verstärkt sind, wäre etwas weniger Lautstärke mehr, da die Stimme dann weniger zu Schärfen neigen würde. Angelo Canonico punktet als Sportlehrer Bill Carter mit einem gepflegten, hellen Tenor.  Samantha Herzog blüht mit rundem, vollem Sopran als Hopsas Schulfreundin Gloria Perkins erst in New York so richtig auf, als sie die Hauptrolle am Broadway von Hopsa übernehmen kann. Fabienne Skarpetowski gibt gut fokussiertem Sopran eine quirlige Lehrerin Miss Virginia Phipps, Ballettmeisterin und Radioansagerin. Timothy Löw als Regisseur Higgins und Gemeinderat Dubbs, Fabio De Giacomi als Bürgermeister Perkins und Theaterdirektor und Peter Martin Bader als Detektiv und Gemeinderat Smith ergänzen das fulminante Ensemble.

Perfekt dargebotene, leichte Unterhaltung allererster Güte und einmalige Gelegenheit eine Rarität des Spielplans kennenzulernen!

Weitere Aufführungen:

Mittwoch, 24. Juni 2026, 20:00; Freitag, 26. Juni 2026, 20:00; Samstag, 27. Juni 2026, 20:00;

Sonntag, 28. Juni 2026, 17:00; Donnerstag, 2. Juli 2026, 20:00; Samstag, 4. Juli 2026, 20:00;

Sonntag, 5. Juli 2026, 17:00.

22.06.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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