
NÖ / Schloß Niederweiden:
Kaiser Franz Joseph zum Vierten
JAGD & FREIZEIT
Vom 16. März 2015 bis zum 27. November 2016
Das Freizeit-„Vergnügen“
Zum 100. Todestag von Franz Joseph I. widmet man sich in einem Ausstellungs-Quartett mehreren Themenkomplexen rund um die Persönlichkeit des Kaisers. Das Marchfeldschloß „Niederweiden“, einst im Besitz von Prinz Eugen, wird von der Schönbrunn-Holding betrieben und als „Außenstelle“ für die Themen „Jagd & Freizeit“ benützt. Nicht so musisch wie viele seine Vorfahren, eher naturverbunden, war die Jagd Franz Josephs bevorzugte Freizeitbeschäftigung, bedeutet die „Pirsch“ für ihn möglicherweise die einzige echte „Flucht“ aus dem Kaiser-Dasein. Ein „Vergnügen“, das manchem Menschen fragwürdig erscheinen mag, aber in seinen reichhaltigen Aspekten hier vorbildlich dokumentiert wird.
Von Renate Wagner

Schloß Niederweiden Rund 2 km entfernt vom großen Schloss Hof, dem repräsentativsten Marchfeldschloß, entfernt, liegt Schloß Niederweiden, eine verhältnismäßig kleinere Anlage, die 1693 im Auftrag von Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg durch Fischer von Erlach errichtet wurde. Prinz Eugen hat das Anwesen gekauft und ließ von Lucas von Hildebrandt eine barocke Jagdküche einrichten, die heute noch ein Schmuckstück des Anwesens ist. Nach einigen Umwegen kaufte Maria Theresia das Schlößchen und verwendete es in ihren letzten Lebensjahren den Sommer über als Witwensitz. Nach ihrem Tod verwahrloste das Schloß langsam, die Gegend zählte nicht zu den Jagdrevieren Franz Josephs, und erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann man mit der „Rettung“ der Marchfeldschlösser, von denen es zahlreiche gibt. Sie zu einer ähnlichen Touristen-Attraktion auszugestalten wie die Loireschlösser in Frankreich ist noch nicht gelungen, aber zweifellos ein Ziel, auf das man zuarbeiten kann.

Franz Joseph und die Jagd Seit seiner Kindheit hatte Franz Joseph eine Vorliebe für die Jagd, vor allem für die Pirschjagd im Hochgebirge. Er war ein passionierter, aber kein pathologischer Jäger, der auch nie zu den Großwildjagden nach Afrika oder Indien aufgebrochen ist wie viele seiner Standesgenossen. Das „exotischste“ Tier, das er je erlegt hat, war eine weiße Gams. In den Aufzeichnungen findet sich auch nicht mehr als ein einziger Bär. Der Kaiser hielt sich in „seinen“ 14 Jagdrevieren in der Monarchie auf (diese umfassten immerhin 142.000 Hektar) und schoss das „übliche“ Rotwild, Schwarzwild, Hasen und Füchse, Vögel. Dabei hatte er eine Vorliebe für Auerhähne, von denen über 500 unter seiner Büchse das Leben lassen mussten. Im Ganzen hat er während seines Lebens über 50.000 Stück Wild erlegt, von denen jedes einzelne in sorgfältig vom Personal geführten „Schussbüchern“ verzeichnet wurde. Man hat den zentralen kleinen Kuppelsaal von Schloß Niederweiden mit einer „Installation“ aus Geweihen geschmückt, um eine Ahnung von dem Geschehen zu vermitteln.

„Zünftig“ in der Tracht Kennt man Bildnisse von Kaiser Franz Joseph meist in Uniform, so gibt es auch genügend Gemälde und Fotos, die ihn in Lederhose, Joppe, Wadenstutzen und Bergschuhe gekleidet zeigen – auf dem Trachtenhut trug er Birkhahnspitz und Gamsbart. Die Ausstellung zeigt übrigens auch einen „Nierenwärmer“ des Kaisers, den man für Ausflüge in der Kälte anlegte. Sein Jagdstecken, Wanderstock und zahlreiche Büchsen sind zu betrachten, letztere vermutlich vor allem für Kenner interessant. Übrigens war die „Tracht“ der Anzug, der genügend Reputation genoss, dass man darin – wenn es weder Uniform noch Frack war – zur Audienz beim Kaiser erscheinen konnte.

Die Jagd des Kaisers – eine Industrie Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck davon, mit wie viel personellem und Sach-Aufwand die Jagden des Kaisers betrieben wurden, ganz abgesehen von den dazugehörigen Jagdvillen und –schlössern, von denen manches Interieur und Geschirr gezeigt wird. So gab es etwa eigene „Leib-Büchsenspanner“, die eigene Livreen trugen. Das Aufgebot an Jägern, Treibern, Hunden, Pferden war enorm, das Budget für diese Unternehmungen desgleichen.

„Event“ für die Herrscher, Treffen der Familie Als „Vergnügen“ war die Jagd Fürsten und Nobilitäten vorbehalten, zu Jagden lud man ein (Einladungskarten wurden versandt), hier gibt es Beispiele für Franz Joseph zusammen mit Preußens Wilhelm II., dem russischen Zaren Nikolaus II., dem englischen Kronprinzen Edward (später Edward VII.). Wenn man sich dann zum Picknick niederließ, war – wie ein „Picknickkoffer“ zeigt – auf das eleganteste gedeckt. Die Jagd war auch ein „Vergnügen“, bei dem sich der Kaiser nicht nur mit Verwandten und Schwiegersöhnen, sondern auch mit seinem Sohn Rudolf zusammen fand, ungeachtet ihrer sonst gespannten Beziehung. Vieles von Rudolf – seine Lederhose, eine Jagdweste, ein Jagdsitz (lederbezogen), ein Foto mit einem Bären, den er 1879, zehn Jahre vor seinem Tod, in der Ukraine erlegt hat – ist hier zu finden. Kaiserin Elisabeth hingegen, die große Reiterin, fand an der Jagd wenig Vergnügen und beteiligte sich kaum daran, es sei denn, sie konnte bei Parforcejagden ihr volles Können auf den Rücken der Pferde ausspielen.

Schloss Niederweiden, Niederweiden 1, 2292 Engelhartstetten
Ausstellung „Jagd & Freizeit“,
täglich 10 bis 18 Uhr,
Anreisemöglichkeiten:
http://www.schlosshof.at/cms_neu/index.php?page=anreise-shuttle-lage

