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NEW YORK/ Die Met im Kino/ Wien Cineplexx: MACBETH

12.10.2014 | KRITIKEN, Oper

MET/Kino   „MACBETH“ – am 11.10. 2014

Verdis erste Vertonung eines Shakespeare-Dramas ist in den letzten zehn Jahren nur selten gespielt worden. Lag es daran, dass der ideale Interpret der Titelrolle nicht mehr zur Verfügung steht? Oder daran, dass man davor zurückscheut, die Handlung in der fernen Vergangenheit belässt? Beide Fakten bewirkten wohl, dass man mit der Neuproduktion der MET nicht restlos glücklich sein kann.

Regisseur Adrian Noble versucht etwas Pfiff in die Geschichte zu bringen, indem Soldaten mit Maschinengewehren die Bühne bevölkern, auch ein Jeep darf nicht fehlen, wenn er auch von Menschenhand gezogen werden muss. Königsmord in dieser Form und die Ernennung von Nachfolgern ist möglich, wenn auch nicht ganz plausibel. Wie schon oft gesagt, wäre das Regiekonzept unerheblich, wenn es durch eine gelungene musikalische Darbietung ergänzt würde. Das trifft nicht zur Gänze zu. Zwar spielt das Orchester der MET unter der impulsiven und routinierten Leitung von Fabio Luisi sehr ordentlich, zwar gibt der Chor sein Bestes, zwar singt Rene Pape einen hervorragenden Banquo, auch kann man mit Joseph Calleja als Macduff sehr zufrieden sein. Aber es fehlte der mitreißende Singschauspieler für den tragischen Helden Macbeth. Zeljko Lucic bemühte sich, die Rolle des von Ehrgeiz und seiner Gattin Getriebenen glaubhaft zu spielen, das gelang ihm aber nicht wirklich. Brav und bieder sang er seinen Part, seine Stimme klang farblos und uninspiriert, selbst die große Arie „Pieta, rispetto, amore“ rettete seinen Abend nicht, da fehlten einfach Welten auf den oben erwähnten Star der Vergangenheit.

Es bleibt noch die große Überraschung des Abends zu erwähnen, Anna Netrebko als Lady Macbeth. Man hätte es nicht für möglich gehalten, dass sie auch in bösen Rollen gute Figur macht. Ihre Stimme war kräftig und auch in der Höhe sicher, ihre großen Arien kamen sehr effektvoll über die Rampe. Ein kleiner Schönheitsfehler (des Regisseurs), dass sie als Britney Spears – Verschnitt auftreten musste. Historisch gesehen spricht nicht viel dafür, in Blond dem Wahnsinn zu verfallen…

Jubelstürme aus den fernen USA beendeten einen besonderen Opernabend.  

Johannes Marksteiner

 

 

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