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NEW YORK/ Die Met im Kino: L’ELISIR D’AMORE

13.10.2012 | KRITIKEN, Oper

13.10.2012 MET/Kino „Der Liebestrank“

 Das fängt ja gut an! Nach dem eher mäßigen Finale der letzten Saison begann die MET mit einer Neuproduktion der populären Donizetti-Oper, die keinen Wunsch offen ließ. Die Inszenierung von Bartlett Sher bot alles, was man sich von einem Werk dieser Kategorie erwarten darf: Ein wunderbar passendes Bühnenbild (Michael Yeargan), das die Zeit des frühen 19.Jahrhunderts in einem verschlafenen italienischen Dorf darstellt, Kostüme (Catherine Zuber), die reich an Farbenpracht waren, wenn sie auch nicht unbedingt dem damaligen Alltag entsprachen (der Sonntagsstaat war sicher nicht allgegenwärtig). Auch Adinas Kostüm, es hätte auch zur Gräfin Maritza oder zur Csardasfürstin gepasst, war in Kombination mit dem Zylinder, der bei der Hoffmann-Produktion in Salzburg das Haupt der Muse zierte, war ein wahrer Augenschmaus.

Zum äußeren Rahmen kam aber auch eine perfekte musikalische Umsetzung des Stückes dazu. Maurizio Benini war ein umsichtiger und routinierter Leiter eines toll aufspielenden Orchesters, das alle Nuancen der Partitur aufs beste wiedergab. Anna Netrebko bewies auch als Adina, dass ihr Rollen dieser Art (auch als Norina war sie schon ausgezeichnet) sehr liegen, hier kann sie ihr komödiantisches Talent ausspielen. Stimmlich ist sie derzeit in der Form ihres Lebens, die Leichtigkeit der Koloraturen waren makellos. Ihr zur Seite stand mit Matthew Polenzani einer der besten Nemorinos der Gegenwart. Seine betrübte, betroffene Mine, die sich blitzschnell in Freude verwandeln kann, und die mit einer gehörigen Portion Naivität zur Schau gestellt wird, passt einfach perfekt zu dieser Rolle. Dass er auch stimmlich zur Weltspitze der Tenöre gehört, ist selbstverständlich und ein Glücksfall. Der lyrische Schmelz seiner Stimme, die aber auch kraftvolle und klare Höhen mühelos bewältigte, waren ein weiterer Höhepunkt des Abends. Damit nicht genug, stand mit Ambrogio Maestri ein Meister der Komödiantik auf der Bühne. Sein Dulcamara schließt nahtlos an den legendären Giuseppe Taddei an. Mit mächtigem Bass singt er die Rolle des Quacksalbers zum Steinerweichen. Zu guter Letzt war auch noch die etwas undankbare Rolle des Belcore bei Mariusz Kwiecien in besten Händen. Er spielte den eitlen Gockel sehr glaubwürdig, auch stimmlich konnte man mit seiner markigen und schönen Stimme sehr zufrieden sein. Das Resümee des Abends: Wenn die MET diese Niveau halten kann, wird es schwer für andere Opernhäuser, dem Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Johannes Marksteiner

 

 

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