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NEUES AUS DEM KRIMILAND

20.02.2020 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

NEUES AUS DEM KRIMILAND

Martin Mucha:
DAS DIAMANTCOLLIER
Wien-Krimi
254 Seiten, Gmeiner Verlag. 2020

Es ist bekannt: Wer einen Serienhelden gefunden hat, den das Publikum annimmt, so dass es stets Neues von ihm wissen und über ihn lesen will, der hat es geschafft. Bei Martin Mucha heißt er Arno Linder, und in „Das Diamantencollier“ ist er bereits in seinem sechsten Abenteuer unterwegs.

Arno hat offenbar eine verdächtige Vergangenheit, aber eine hochsolide (?) Gegenwart als Ehemann von Laura, Vater zweier kleiner Kinder, und Universitätsprofessor ist er auch (wovon man in dieser Geschichte nichts merkt). Dass er per Adresse „Utopiaweg“ residiert, macht klar, dass der Autor, der zwar die Topographie Wiens gut beherrscht, auch ein bisschen in irrationale Welten ausbüchst. Aber nur was Linders Wien betrifft…

Das „Diamantcollier“ des Titels gehört angeblich Irene, einem Popstar, Freundin von Arnos Gattin, und es wird aus dem Imperial gestohlen. Da Arno aus der Vergangenheit „Beziehungen“ hat, wird er von Laura im Dienste Irenes abkommandiert, sich einmal umzusehen – und prompt ist er in der Unterwelt, die er in den vorigen Romanen (der Autor rät, sie nachzulesen) offenbar verlassen hat.

Auf der Suche nach einem serbischen Angestellten im Imperial, der schon ziemlich verdächtig ist, landet Arno bei dessen Freundin Lina, die den „Wiener Spruch“ perfekt beherrscht, der auch die Stärke des Autors ist: Die Dialoge funkeln in „unterirdischem“ Wienerisch und sind solcherart wirklich amüsant. Der Autor erweckt den Eindruck, in der Wiener „Unterwelt“ absolut kompetent unterwegs zu sein…
Was die Handlung betrifft, so mäandert sie wild herum, irgendwie verliert man das Diamantencollier aus den Augen, dafür landet man in einer alten, aufgelassenen Villa in Ober St. Veit (wo sich dann – wir sind im Krimi – auch eine Leiche findet). Und schließlich geht es wieder um die unaufgearbeitete Vergangenheit, um Schätze, die in der Nazizeit gestohlen sind und hinter denen nun die verschiedensten Leute herhecheln.

Darunter auch Arno, der dabei sehr zu seinem Missvergnügen entdecken muss, dass seine Frau ihn betrügt… Aber vermutlich werden sich die beiden bis zum nächsten Buch der Serie wieder zusammen raufen.

Renate Wagner

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Franz Preitler:
DIE SCHÖNEN MORDSCHWESTERN
Mürztal Morde
252 Seiten, Gmeiner Verlag. 2020

„Mordschwestern“ klingt immer gut, und wenn sie schön sind und ihre Tat rätselhaft ist… Die Geschichte, die der gebürtige Mürztaler Franz Preitler hier erzählt, spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Wien der Monarchie, aber „k.u.k.“ tritt als Milieu in den Hintergrund, spielt kaum mit. Tatsächlich geht es darum, eine Geschichte, die anfangs vage bleibt, so oft zu drehen und zu wenden, bis man am Ende (man hatte die Hoffnung schon aufgegeben) die Lösung erfährt – und die überrascht dann doch.

Zuerst erfährt man nur, dass Augustine und Josefine Huber wie so viele Mädchen vom Land in die Hauptstadt gezogen sind. Die selbstbewusste Gusti und die zarte Fini fallen einem Hochstapler ins Auge, der sich als großer Tenor ausgibt, aber dafür reicht es bei diesem Joseph Pokorny nicht (schon seines „Böhmakelns“ wegen). Aber Frauen ausnehmen, das kann er…

Haben Gusti und Fini nun, wie man ihnen vorwirft, deshalb 1906 bei einem Besuch in der alten Heimat die wohlhabende Maria Müller umgebracht, um seine grenzenlosen finanziellen Bedürfnisse zu befriedigen? Das Gericht findet die beiden schuldig, Gusti wäre beinahe hingerichtet worden, hätte der Kaiser sie nicht begnadigt, Fini kommt 1912 aus dem Gefängnis. Da hat der Pokorny in Wien schon sein nächstes wohlhabendes Opfer gefunden, die Klara Herzberg…

Und weil man als Leser nun die längste Zeit wirklich nichts Genaues weiß, wird die Geschichte in vielen Kapiteln aus dem Blickwinkel verschiedener Figuren wieder und wieder erzählt, mit vielen Wiederholungen, aber auch immer neuen Aspekten. Bis sich dann am Ende nicht nur eine Lösung zuspitzt, sondern auch eine sehr grausame Racheorgie…

Hat man Mitleid mit den armen Frauen, die zu ziemlich hilflosen Opfern der Männer werden (der Pokorny ist wirklich ein besonders übles Exemplar!)? Nun, sie wissen sich zu helfen. Und wenn der Krimi zwischendurch länglich wird – so, wie er am Ende an Fahrt aufnimmt, kompensiert er alles.

Renate Wagner

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Claudia Rossbacher:
STEIRERSTERN
Kriminalroman
284 Seiten, Gmeiner Verlag. 2020

Das steirische Ermittlerduo Sandra Mohr und ihr mürrischer Chef Sascha Bergmann haben es zu ihrem ersten Jubiläum geschafft. Ihr zehnter Fall beginnt mit einem Anruf von Bergmanns Sohn, aber das Gespräch ist nicht privat: Die Mordkommission ist gefragt, denn der Sturz des Gitarristen Luigi von der Treppe war sicherlich kein Unfall… Bergmanns Sohn David gehört der Band der Sängerin Jessica Wind an, die mit „Steirer-Pop“ bedeutende Erfolge feiert. Und es ist tatsächlich ein interessantes Milieu, in das man da einsteigt. Wenn auch vieles aus dieser Welt klischeehaft anmutet, so hat man doch immer wieder das Gefühl, dass es genau so zugeht.

Dass „Jessie“ kein Herzchen, sondern eine hart gesottene Geschäftsfrau ist, bekommt man mit, ihre Musiker kreisen eher unsicher um ihre Launen und Entscheidungen. Man lernt auch (die allerlängste Zeit namenlos) einen jener Stalker-Fans kennen, dessen Leben und Denken ausschließlich um sein Idol kreist, und von dem man nicht sicher sein kann, zu welchen irrationalen Taten er fähig ist.

Sandra Mohr und Sascha Bergmann (der dem Leser am Ende einen ganz gewaltigen Schock versetzt) haben sich gefühltermaßen noch nie dermaßen im Hintergrund einer Geschichte befunden, deren Lösung dann tatsächlich manche überraschen wird.

Die Einblicke in eine ungemein lukrative, gesteuerte, medial geschönte und gezuckterte Popszene voll Gier, Kalkül und mieser Charaktere stehen im Vordergrund und wirken so interessant wie kompetent. Der Krimi läuft immer mit.

Renate Wagner

 

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