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Neue CD „o luna mia“ von Pia Davila bei Genuin erschienen/ Lieder mit Humor

09.01.2021 | Allgemein, cd

 

Lieder mit Humor

Neue CD „o luna mia“ von Pia Davila bei Genuin erschienen/

O Luna mia - Werke für Sopran CD von Pia Davila bei Weltbild.at

Die Sopranistin Pia Davila hat mit „o luna mia“ ihre Debüt-CD veröffentlicht. Sie wolle nur Lieder singen, die ihr richtig am Herzen liegen. Etwas, das sie wirklich angehe. Und dabei die Variabilität und die Breite ihrer stimmlichen Möglichkeiten widerspiegle. Neben frühbarocken Werken des Italieners Tarquinio Merula mit „unglaublich lustigen Geschichten“ präsentiert die Sopranistin impressionistische Lieder Claude Debussys – nachdenklich und aufgeweckt. Mit Lorenzo Romano und Aigerim Seilova sind auf dieser CD zwei zeitgenössische Musikschaffende vertreten. Mit diesen beiden Künstlern verbindet Pia Davila eine enge Zusammenarbeit. Der Komponist Lorenzo Romano schrieb eine Oper mit dem Titel „La Luna“, die dem Titel dieser CD zugrundeliegt. Zwei Szenen aus Romanos Oper sowie verschiedene Lieder des Nachthimmels sind hier neben Liedern der Sonne, des Tages und der irdischen Leidenschaften zu hören. Das romantische und transzendente Element des Mondes steht bei Romanos Oper „La Luna“ im Mittelpunkt. Hier wird ein Tonband mit Geräuschen aus der Natur ganz bewusst eingesetzt. Im neu von Lorenzo Romano für diese CD komponierten Lied „Sol che dal Tauro fai Temprati Numi“ nach einem Text von Giordano Brunos „Heroischen Leidenschaften“ verbrennt das Herz vor Sehnsucht. Aigerims Idee, von nur einem Ton auszugehen, hätte Wiedererkennungswert. Manchmal seien Kompositionen für die Stimme so vielschichtig, dass sie sich nicht entscheiden könne, was genau sie hören möchte. Aigerims Musik beispielweise berühre sie durch die Einsamkeit der Stimme. Für diese Aufnahme hat Aigerim Seilova Gedichte der Schriftstellerin Katharina Schultens vertont. Pia Davila sei fasziniert von der tiefen Emotionalität dieser vielschichtigen Texte. Sie seien sehr eigen, sehr rhythmisch, dadurch würden sie sich sehr gut für die Musik eignen. Sie wären auch modern, ohne modern sein zu wollen. Höchste Virtuosität und Flexibilität zeichnen die Kompositionen der kasachischen Komponistin Aigerim Seilova aus. Die Lieder wechseln ausgesprochen abwechslungsreich zwischen Sprechen, Flüstern und Singen. Intervallspannungen und Glissando-Effekte wechseln sich beispielsweise beim Stück „bärenmarkt“ (2019) in reizvoller Weise ab. Auch „vater“ und „strings“ aus demselben Jahr überraschen als Solostücke mit facettenreichen klangfarblichen Momenten. Lorenzo Romano nutzt alte Texte des Astronoms Giordano Bruno, der im 16. Jahrhundert das Weltall erforschte. Debussy ließ sich für seine zwei Varianten des „Clair de lune“ von Paul Verlaines Gedichtsammlung „Fetes galantes“ inspirieren. Und gerade die Stücke „Clair de lune“, „Nuit d’etoiles“, „Romance“, „Pantomine“, „Rondeau: Fut-il jamais“, „Les Angelus“ und „Beau soir“ von Claude Debussy geraten zu einem Höhepunkt auf dieser CD. Hinsichtlich Melodik und Rhythmik ist hier auch der Pianist Eric Schneider für Pia Davila ein idealer Partner. Die impressionistische Klangmalerei wird hier aber nicht vordergründig eingesetzt, sondern erhält durch die Gesangsstimme zusätzliche einfühlsame harmonische Reize. So geht die geheimnisvolle Melodik auf den Urgrund des Melos zurück. Das facettenreiche Gewebe der melodischen Terzen wird immer wieder voll erfasst. Alte und Neue Musik ergänzen sich auf dieser CD ansprechend. Sie sei ständig auf der Suche nach dem Humor in der Klassik. Neben den sinnlichen und schön anzuhörenden Liedern habe sie auch viele lustige Lieder ausgewählt – immer mit klar formuliertem Humor, so Pia Davila. Gerade dies gibt dieser Aufnahme auch die besondere Farbe und den spezifischen Klangzauber. Zusammen mit dem einfühlsamen Lautenisten Andreas Nachtsheim beweist die Sopranistin Pia Davila bei den Stücken von Tarquinio Merula die geforderte Gleichberechtigung zwischen Gesang und Begleitung. Vor allem die klangliche Balance bleibt hier immer gewahrt. Menschliche Leidenschaften werden eindrucksvoll dargestellt. Die strophischen Capricci werden so in ihrer stilisierten Volkstümlichkeit genau getroffen. Pia Davila heißt eigentlich Pia Salome Bohnert. Sie wurde 1988 in Berlin geboren. Sie studierte unter anderem an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Alexander Walther

 

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