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Neue CD: Matthias Kirschnereit und das hr-Sinfonieorchester spielen Hummel, Weber und Mendelssohn bei Berlin Classics/

17.06.2021 | Allgemein, cd

Neue CD: Matthias Kirschnereit und das hr-Sinfonieorchester spielen Hummel, Weber und Mendelssohn bei Berlin Classics/

SELTENE MUSIKALISCHE JUWELEN

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Der renommierte Pianist Matthias Kirschnereit und das hr-Sinfonieorchester unter der einfühlsamen Leitung von Michael Sanderling präsentieren hier interessante Kompositionen von Johann Nepomuk Hummel, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Kirschnereit betont, dass ihn die Tatsache gelockt habe, dass diese seltenen Juwelen in einer Zeit entstanden seien, die von einem Umbruch, einer Neuorientierung gekennzeichnet gewesen sei. Es gebe so viel spannende Musik, die in Vergessenheit geraten wäre. Er habe deswegen eine neue Kombination gesucht, so Kirschnereit. Das Album beginnt mit dem a-Moll-Klavierkonzert op. 85 des Mozart-Schülers Hummel, dessen Nähe zum dritten Beethoven-Konzert frappierend sei, fügt Kirschnereit hinzu. Im Stile der romantischen Solistenkonzerte a la Chopin werde das Geschehen dann weitgehend dem Klavier überlassen. Hier dürfte vor allem Chopins erstes Klavierkonzert Pate gestanden haben. Ein belcantoartiger, eleganter Stil herrscht vor. Immerhin hat sich kein Geringerer wie Robert Schumann mit diesem Konzert intensiv auseinandergesetzt. Hummel sei ein Superstar seiner Zeit und eine charismatische, großherzige Natur gewesen. All diese Aspekte macht Kirschnereit bei seiner ausgefeilten Wiedergabe in packender Weise deutlich. Auch Carl Maria von Webers hier zu hörendes Konzertstück für Klavier und Orchester in f-Moll op. 79 blitzt als Juwel leuchtkräftig hervor, denn Matthias Kirschnereit lotet die klangtechnischen Facetten minuziös aus. Er hinterfragt sensibel diese Musik, betont ihre herausragenden harmonischen Eigenschaften. „Freischütz“-Reminiszenen sind bei dieser ausgezeichneten Interpretation nicht zu überhören. Agathes Arien, die Wolfsschlucht-Szenen oder jubelnde Chöre fallen auf. Die einleitende f-Moll-Melodie gewinnt dank Kirschnereits ausdrucksvollem und elegischem Spiel immer mehr an Profil. Rauschende Arpeggien unterstreichen den leidenschaftlichen Stil. Und auch das Oktaven-Glissando gipfelt bei Kirschnereit in einem stürmischen Passagenspiel. Einen ausgezeichneten Eindruck hinterlässt auf dieser bemerkenswerten CD zudem das Capriccio brillant in h-Moll op. 22 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dass Webers Konzertstück hier Pate gestanden hat, wird deutlich.  Wie hier aus vielen feingliedrigen Motiven ein flinkfingriges Tanzstück entsteht, macht Matthias Kirschnereit in brillanter Weise deutlich. Trotz der Rastlosigkeit des Musizierstils gehen die eindringlich-bewegenden Klangmomente nie unter. 

Alexander Walther

 

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