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Neue CD „Letzte Lieder“ mit Sebastian Naglatzki und Ana Miceva beim Label Genuin erschienen/

02.12.2025 | Allgemein, cd

Dramatische Ausdruckskraft

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Neue CD „Letzte Lieder“ mit Sebastian Naglatzki und Ana Miceva beim Label Genuin erschienen/

Mit ihrem Album „Letzte Lieder“ widmen sich die Pianistin Ana Miceva und der Bassbariton Sebastian Naglatzki den letzten Liedkompositionen von Franz Schubert, Johannes Brahms, Hugo Wolf und Maurice Ravel. Im Mittelpunkt stehen hier Hugo Wolfs „Michelangelo-Lieder“ und Johannes Brahms‘ „Vier ernste Gesänge“. Sie sind geprägt von der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und der Frage nach dem Leben danach. Die „Michelangelo-Lieder“ entstanden in einer Zeit körperlicher Schwäche und innerer Erschütterung Hugo Wolfs. Der konzentrierte Deklamationsstil Wagners kommt ebenfalls leuchtend zum Vorschein. Hier wird in jedem Fall ein spiritueller Raum geöffnet. Melancholie und die verzweifelte Suche nach Erlösung bleiben immer wieder spürbar. Die Texte handeln von Trauer, Erlösung und der Suche nach Sinn. Kantige, eindringliche Linien beherrschen die Stücke, was das Duo Naglatzki/Miceva mit Intensität beschwört. „Vier ernste Gesänge“ von Johanes Brahms hingegen tragen das Gewicht existenzieller Fragen in eine sakrale und intime Musiksprache. Hier begegnen sich Tod, Leben und Trost stärker wie bei Hugo Wolf. Auch diesen Aspekt lassen die beiden Interpreten bei dieser interessanten Einspielung deutlich werden. Die ergreifende Schlichtheit des Klangbilds kommt dabei besonders schön zum Vorschein. Einen starken dynamischen Kontrast hierzu bilden ausgewählte Lieder aus dem „Schwanengesang“ von Franz Schubert und Maurice Ravels „Don Quichotte a Dulcinee“. Ironische Leichtigkeit und feine Melancholie dominieren bei diesem impressionistischen Meisterwerk von Ravel. Dabei wird auch der Humor deutlich hörbar. Die Kraft des französischen Geistes und Esprits setzt sich bei dieser konzentrierten Wiedergabe in jedem Fall durch. Chromatischer Zauber spielt versteckt mit der Welt der kleinen Nonen und magischen Terzen. Tonale Eindeutigkeit beschwört Sebastian Naglatzki hier immer intensiver. „Vier ernste Gesänge“ op. 121 von Johannes Brahms überzeugen dann mit klanglicher Differenzierung und dynamischer Präzision. So verbinden sich „Denn es gehet dem Menschen“ oder „Ich wandte mich, und sahe an alle“ mit großem melodischen Einfühlungsvermögen zu einem magischen Klangkosmos. Bei Franz Schuberts „Schwanengesang“ blitzt „Der Doppelgänger“ besonders erschütternd und eindringlich hervor. Neben feiner Empfindsamkeit dominieren vor allem auch bei der „Stadt“ dramatische Kraft und Expressivität. Die harmonische Farbe besitzt etwas Schwebendes und Schweifendes. Die Einspielung ist in jedem Fall eine Bereicherung. 

Alexander Walther    

 

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