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MÜNCHEN/Gärtnerplatz im Prinzregententheater: DER BETTELSTUDENT

18.04.2013 | KRITIKEN, Oper

MÜNCHEN, Gärtnerplatztheater im Prinzregententheater, Carl Millöcker, „DER BETTELSTUDENT“, NI, 3. Vorstellung, 17.4.2013

Klassische Operette gut gemacht zieht nicht nur bekennende Liebhaber der leichten Muse an. Noch dazu bei einem Werk, dessen musikalische Substanz für mehrere Wunschkonzerte ausreicht. Die österreichische Regisseurin Emmy Werner hat für diese Neuproduktion des Gärtnerplatztheaters eine neue Dialog- und Spielfassung erarbeitet: Im etwas heruntergekommenen Hotel Polonia in Krakau wohnen die verarmte Gräfin Palmatica und ihre heiratsfähigen Töchter Laura und Bronislawa. Doch nicht nur Pensionsgäste, sondern auch Gefangene wurden von der sächsischen Besatzungsmacht im Hotel einquartiert. Die Gräfin ist auf der Suche nach adligen und natürlich betuchten Schwiegersöhnen für Ihre Töchter, während die jungen Damen bereits ein Auge auf zwei der Inhaftierten, Symon und Jan, geworfen haben.

In Werners Fassung sind Laura und Bronislawa keine braven Grafentöchterlein mehr, sondern kluge, selbstbewusste junge Damen. Sie durchschauen Ollendorfs Ränkespiel und spielen mit, bis zur tränenreichen Aufdeckung der Intrige. So ganz stimmig und glaubwürdig ist diese Neufassung allerdings nicht und wenn am Schluss in langatmigen Dialogen die polnischen Aufstandspläne erzählt werden, wird es einfach langweilig. Was sich auch über die modernisierten Texte sagen lässt. Die neuen Witzchen sind eher dürftig. Der gesamten Aufführung gebricht es an Leichtigkeit und esprit – beides unabdingbar für gut gemachte Operette.

Die Protagonisten mühten sich redlich, aus dem blutleeren ernsten Konzept der Regisseurin heitere Funken zu schlagen: Die großartige Gisela Ehrensperger als herrlich dünkelhafte Palmatica; Hans Gröning als jugendlich-attraktiver Ollendorf, der aus seiner Auftrittsarie eine furiose Racheattacke gegen Laura und den Adel überhaupt macht und Simona Eisinger (Bronislawa) mit zauberhaftem Glockenton und Elvira Hasanagic (Laura) mit ebenso leuchtendem Sopran. Alle vier singen, sprechen und spielen Operette mit dem gewissen Etwas. Daniel Prohaska als Symon kämpft leider hörbar mit der Partie, stemmt die Höhe, singt viel zu schwer, spielt den verarmten, faulen Studiosus aber sehr charmant. Nobel, elegant Mathias Hausmann als adliger Revolutionär Jan und Torsten Frisch spielte sehr glaubhaft den versoffenen Enterich. Große Freude machte das Gärtnerplatzorchester unter Michael Brandstätter, ob schwungvolle Mazurka, kerniger Marsch oder zartes Liebesduett, alles wird liebevoll musiziert.

Man ging am Schluss dann doch nicht beschwingt nach Hause und hofft, dass der ansonsten so theaterinstinktsichere Hausherr bei der nächsten Operetten-Gastregie einen besseren Griff tut. Bis dahin – Schwamm drüber.

 Jakobine Kempkens

 

 

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