München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Giuseppe Verdi, „FALSTAFF“, 22.2.2012, 2. Vorstellung
Gregor Dalal (Falstaff), Sandry Moon (Alice Ford). Foto: Hermann Posch
Wegen der mehrjährigen Sanierung des Stammhauses gastiert das Gärtnerplatzensemble mit der letzten Premiere in der Ära Peters im Prinzregententheater. Der regieführende Intendant Ulrich Peters und das Gärtnerplatz-Ensemble (das es für die nächsten Jahre während des Umbaus so nicht mehr geben wird) nehmen mit Verdis letzter Oper Abschied vom Münchner Publikum.
Die Geschichte vom Schwerenöter Falstaff als Schlusspointe. Mit leichter Hand inszeniert, Falstaff, der Schelm, der etliche Dummheiten begeht, aber weder ein heruntergekommener „Weinschlauch“ noch ein böser Popanz ist. Sein Schöpfer Verdi lächelt als stummer Zuschauer (Dieter Kettenbach) vom Bühnenrand, serviert dem durchnässten Falstaff das geforderte Glas Glühwein und scheint mit dem Werk zufrieden.
Drumherum ein aufgekratztes, herrlich disponiertes Ensemble, das noch einmal alle Register zieht: Der prachtvolle Gregor Dalal (Falstaff) mit mächtiger Bassstimme, die auch ganz zart und pianissimo den „Vecchio John“ besingen kann; der vor Eifersucht berstende Gary Martin (Ford), lyrisch-stählern Robert Sellier (Fenton), verlottert und ein wenig „hyperkomisch“ die beiden Kumpane Falstaffs Mario Podrecnik (Bardolfo) und Martin Hausberg (Pistola), die durchtriebenen Damen Sandra Moon (Alice), Franziska Rabl (Meg) und Ann-Kathrin Naidu (Mrs. Quickly) und die strahlende Christina Gerstberger als Nannetta.
Versetzt in die Jahrhundertwende 1900 tummelt sich die Damenwelt in Rüschen und hochgeschlossenen Kleidern, die Herren in Zylinder und Gehrock. Die Bühne ist schlicht und verwandlungsfähig: Hohe Backsteinfassaden an den Seiten, im Hintergrund ein Prospekt, der wahlweise die Themse oder den Wald von Windsor zeigt. In der Mitte eine Litfaßsäule für den öffentlichen Platz oder ein paar Möbel für das Haus Ford (Bühne und Kostüme: Christian Floeren), schlicht, schön anzusehen und funktionsfähig.
Dazu ein wunderbar klingendes Orchester, dirigiert von Lukas Beikircher, der den Überblick in komplizierten Ensembleszenen behielt, die Sänger trägt und beflügelt. Da wackelt nichts, das ist alles wie aus einem Guß.
Kein Trash auf der Bühne, keine knirschenden Regie-Ideen, die dem Werk übergestülpt wurden, sondern schlicht gepflegte Heiterkeit, die einen schmunzeln lässt. Das Programmheft zitiert dazu aus einem Brief Verdis: „…Die Oper ist rein komisch. Amen.“ Wohlan, das ist gelungen und macht Freude.
Jakobine Kempkens