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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: OTELLO

08.04.2012 | KRITIKEN, Oper

München, Bayerische Staatsoper, Giuseppe Verdi:  „OTELLO“, 7.4.2012


Krassimira Stoyanova, Peter Seiffert. Foto: Wilfried Hösl

Die Fabrikhallenatmosphäre dieser  nun fast 13 Jahre alten Inszenierung (Francesca Zambello) sorgte seinerzeit für Kopfschütteln (inzwischen sind wir aber noch ganz Anderes gewöhnt…). Zumindest machen die an beiden Bühnenseiten aufragenden Metallgerüste und schrägen Metallrampen auf der hinteren Bühne bei den diversen Auf-  und Abtritten wenig Lärm.
Auf jeden Fall sind sie eine gute Möglichkeit, Chor und Statisten zu platzieren. Ansonsten ist aber von einer Personenregie nicht mehr viel übrig und es bleibt den einzelnen Sängern überlassen, was und wie sie ihre Rollen gestalten. Interessant und spannend waren in dieser Vorstellungsserie die Münchner Rollendebüts von drei Publikumslieblingen (Peter Seiffert,  Pavol Breslik,  Krassimira Stoyanova) plus  Claudio Sgura (als Jago für den ursprünglich vorgesehenen Juha Uusitalo).

Peter Seiffert wirkt schon von seiner Statur her wie ein Herrscher. Seine gewaltige Stimme („Abbasso le spade“) verkörpert Autorität ohne je forcieren zu müssen. Das hatte man von einer Wagner- und Strauss-gestählten Stimme nicht anders erwartet. Doch Seiffert schafft auch die zartesten, lyrischen Piani. Und sein Spiel? Da steuert ein zutiefst unsicherer, sich nach außen hin staatsmännisch gebender, Mann von Beginn an auf sein tragisches Ende zu. Dieser Koloss ist ein Nichts ohne seine angebetete Desdemona. Sie ist sein Glück, seine Sonne, seine Luft zum Atmen. Deshalb wütet er auch wie ein Berserker, schlägt um sich wie ein verwundeter Löwe und leidet umso stärker, als er die vermeintlich untreue Geliebte töten
muss.
Diese ist bei Krassimira Stoyanova keine zarte Maid, die sich in ihr Schicksal ergibt, nein, diese Desdemona ist eine leidenschaftlich Liebende und Lebenwollende, eine, die Todesangst hat und die eigentlich Otellos Partnerin und nicht sein Opfer sein möchte. Dazu passt der strahlende, warme Sopran der Sängerin, die wir in München noch als wunderbare Luisa Miller in Erinnerung haben.

Ihr vermeintlicher Liebhaber Cassio ist bei Pavol Breslik in den besten Händen. Denn der lyrische Tenor des jungen Slowaken wird langsam dramatischer und größer, ohne die Geschmeidigkeit und die schlanke Höhe zu verlieren. Dass dieser äußerst fesche junge Hauptmann auch standhaftere Gemahlinnen zu einem Seitensprung verführen könnte, dürfte  nicht nur der verblendete Otello mutmaßen.

Wenig verführerisch München-Neuling Claudio Sgura als Jago. Zwar ist die Stimme recht schwarz, auch verfügt der Sänger über viel Durchschlagskraft, aber alles ein wenig grobschlächtig. Es fehlt die Raffinesse, um glaubhaft eine Intrige gegen einen Mann wie Otello spinnen zu können.

Ein großes Lob an Chor, Extrachor und Kinderchor sowie an Asher Fisch, der mit dem Bayerischen Staatsorchester die Sänger liebevoll begleitete und sowohl stürmisches Gewitter als auch zarte Frühlingslüfte erzeugte.

Kurzer, aber heftiger Jubel für einen sehr guten Repertoireabend.

Jakobine Kempkens

 

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