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MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett: „TSCHAIKOWSKI-OUVERTÜREN“. Premiere

25.12.2022 | Allgemein, Ballett/Tanz

München: Bayerisches Staatsballett: „TSCHAIKOWSKI-OUVERTÜREN“ Premiere 23.12.2022

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Yonah Acosta, António Casalinho. c.: Carlos Quezada

Kurz vor Weihnachten lud das Bayerische Staatsballett die Münchner Ballettfreunde zur ersten Premiere der Saison: „Tschaikowski-Ouvertüren“. Der weltweit gefeierte Choreograph Alexei Ratmansky hat für die Compagnie einen neoklassischen Ballettabend zur Musik der von Shakespeare inspirierten Orchesterwerke „Hamlet“, „Der Sturm“ und „Romeo und Julia“ von Pjotr Ilitsch Tschaikowski kreiert. Alle drei Teile deuten die Handlung der jeweiligen Dramen an, sind aber letztlich symphonische Ballette, die die Musik in meisterhafter Weise in Bewegung und Emotionen umsetzen. Dabei unterscheiden sich die Stücke einerseits in Besetzung und Charakter: „Elegie und Hamlet“ ist eher ein konzentriertes Kammerspiel, „Der Sturm“ ein opulentes Ensembleballett und „Romeo und Julia“ spielt am stärksten mit großen Emotionen. Andererseits schaffen Ausstattung und Aufbau eine Einheit, die die Einzelteile zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Bühnen- und Kostümbildner Jean-Marc Puissant taucht die Bühne in dunkles, elegantes Licht und variiert Ausstattungselemente wie einen alten, knorrigen Baum, eine graue Mauer und schlanke Lichtsäulen in jedem der drei Stücke. Sowohl „Elegie und Hamlet“ als auch „Romeo und Julia“ beginnen mit einem langen Solo für einen Tänzer. In „Elegie und Hamlet“ (Bühnenmusik zu „Hamlet“ op. 67a) wird er von sechs Tanzpaaren umrahmt, in „Romeo und Julia“ interagiert er mit der Sopranistin Elmira Karakhanova und dem Tenor Aleksey Kursanov zum „Romeo und Julia Gesangsduett für Sopran und Tenor“. Diese beiden Soli waren in der Interpretation von Shale Wagman Höhepunkte des Abends. Er konnte dem Publikum durch seinen fließenden, schwebenden Tanz die elegische Stimmung der Musik wunderbar vermitteln. Selbst die virtuosesten Elemente integrierte er mit großer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit in den natürlichen Bewegungsfluss und führte einem so die ganze Schönheit der neoklassischen Choreographie Alexei Ratmanskys vor Augen. Neben Shale Wagman beeindruckten auch viele andere Mitwirkende an einem Abend, der untypischerweise eher den männlichen Tanz in den Vordergrund stellte. So prägte Osiel Gouneo mit seiner geheimnisvollen Aura und seinen kraftvollen, virtuosen Bewegungen den ersten Teil „Elegie und Hamlet“. „Der Sturm“ stellte drei ganz unterschiedliche Solisten ins Zentrum: Jinhao Zhang beeindruckte durch seine große Eleganz und edle Linie, António Casalinho begeisterte das Publikum durch seine phänomenal leichten Sprünge sowie seine überaus sympathische Ausstrahlung. Yonah Acosta beherrschte die Bühne mit seiner großen Präsenz und seinem kraftvollen Tanz. In allen drei Stücken trat auch eine Gruppe halbsolistischer Tänzer auf, aus der der elegante Florian Ulrich Sollfrank hervorzuheben ist. Natürlich trugen auch die Ballerinen zum großen Erfolg des Abends bei, insbesondere Maria Baranova mit ihrem technisch starken sowie dramatischem und gefühlvollen Auftritt in „Romeo und Julia“, und Madison Young mit ihrem wunderbar lyrischen und mühelosen Tanz in „Der Sturm“. Eine Hauptrolle übernimmt in „Tschaikowski-Ouvertüren“ auch das an diesem Abend wunderbar spielende Bayerische Staatsorchester unter Mikhail Agrest. Sie ließen das Publikum in die emotionalen Klangwogen von Tschaikowskis Orchesterfantasien und Ouvertüren eintauchen. Musik, Choreographie, Tanz und Ausstattung verbanden sich zu einem Gesamtkunstwerk, wie man es abseits der großen Handlungsballette selten sieht. Am Ende spendete ein begeistertes Publikum lautstarken, jubelnden Applaus.

Gisela Schmöger

 

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