Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MÜNCHEN/Bayerische Staatsoper: „DIDO AND AENEAS….ERWARTUNG“ – Premiere,

München: Bayerische Staatsoper: „DIDO AND AENEAS….ERWARTUNG“ – Premiere, 29.01.2023:

gis1
„Dido an Aeneas“. Copyright: Bernd Uhlig

Was dürfen Opernfreunde heutzutage von einer Neuproduktion erwarten? Dass sie den eigentlichen Inhalt des Stückes dargestellt sehen und sich Musik und Bühnengeschehen zu einer Einheit verbinden? Das ist mittlerweile eher selten geworden. Möglich wäre auch, dass ein Regisseur den Stoff und die ihm innewohnenden Grundgedanken auf interessante Art und Weise neu deutet oder interpretiert, ohne das Werk an sich unkenntlich zu machen. Und schließlich gibt es Produktionen, in denen man das ursprüngliche Stück nicht mehr wiedererkennt und sich fragt, warum das, was man sieht, eigentlich noch den Titel des Werkes trägt und die Sänger so eigenartigen Text singen, der zum sichtbaren Geschehen so gar nicht mehr passen will? So geschehen in der Premiere von „Dido and Aeneas….Erwartung“, einer Kombination der Barockoper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell mit dem „Monodram in einem Akt“ „Erwartung“ von Arnold Schönberg. Die Verbindung an sich wäre eigentlich interessant als unterschiedliche Schilderung der Seelenzustände unglücklich liebender Frauen. Regisseur Krzysztof Warlikowski entfernt sich aber – vor allem in „Dido and Aeneas“ – so weit von einer stringenten Interpretation, dass er das Publikum einigermaßen ratlos zurücklässt: In einem Wochenendhaus im winterlichen Wald taucht eine offensichtlich tablettensüchtige Frau (Dido) mit einer kleinen Partygesellschaft auf, unter der sich auch ein Mann (Aeneas) befindet, der jedoch eher Interesse an Belinda, der Freundin Didos, hat und um den Dido sich auch nicht weiter kümmert. Im Wechsel mit einer anderen Partygesellschaft in bunten Kostümen (die Hexen) machen sie sich eine lustige Zeit beim Picknicken im Schnee, während Dido im Haus Angstzustände bekommt und sich schließlich in einem roten Schlafsack nach draußen legt. Soweit das sichtbare Bühnengeschehen von Dido und Aeneas. Nach einem elektronischen Zwischenspiel mit Breakdance steht Dido wieder auf, erschießt Aeneas und Belinda und wird zur Frau in „Erwartung“. Am Ende des Monologs stehen Aeneas und Belinda wieder auf und setzten sich zusammen mit der Frau an einen gedeckten Abendbrottisch. Was soll man nun dazu sagen? Am besten nichts!

erw
„Erwartung“. Copyright: Bernd Uhlig

Bleibt einem noch, auf die Sänger zu achten und die Musik zu genießen. Eine großartige darstellerische Leistung in den beiden Hauptrollen brachte Ausrine Stundyte. Mit ihrem intensiven, unter die Haut gehenden Spiel berührte sie das Publikum tief, und ließ einen die emotionalen Extremsituationen der beiden Frauen fast real miterleben. Ihr großer, dunkel gefärbter Sopran passte besser zu der expressionistischen Musik Schönbergs als zur transparenten, feinen Musik Purcells. Für sängerische Barock-Highlights sorgten Victoria Randem als Belinda und Countertenor Key’mon W. Murrah als Zauberin. Beide beeindruckten das Publikum mit ihren agilen, fein geführten und virtuosen Stimmen. Günter Papendell sang den Aeneas mit klangschönem, runden Bariton. Der Hauptgrund -neben Ausrine Stundyte – diese Produktion zu besuchen, wäre das wunderbare Spiel des Bayerischen Staatsorchesters unter Dirigent Andrew Maze. Zuerst verzaubern sie das Publikum mit leichten, luftigen Barockklängen, die aber, zum Beispiel im Lamento der Dido am Ende der Oper, auch tief berühren können. Dann brachten sie den Zuhörern mit voluminösen, kantigen und aufwühlenden Klängen den Ausnahmezustand der Protagonistin in „Erwartung“ nahe. Auch der Chor der Bayerischen Staatsoper konnte einen mit wunderschönem Gesang positiv von dem wirren Geschehen auf der Bühne ablenken. Szenisch ist die Produktion eine große Enttäuschung, musikalisch dagegen äußerst hörenswert.                                                                                             

   Gisela Schmöger

 

Diese Seite drucken