Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MONTPELLIER/ Festival Radio France : FERVAAL von Vincent d’Indy

26.07.2019 | Allgemein, Oper


Gaëlle Arquez und Michael Spyres: Luc Jennepin.

MONTPELLIER/ Festival Radio France : FERVAAL von Vincent d’Indy

am 24. Juli 2019

Das 1985 gegründete Festival Radio France in Montpellier bietet jedes Jahr im Juli ein extrem reichhaltiges und aufgefächertes Programm, von Klassik über Jazz bis zu Elektronischer Musik, und das nicht nur in Montpellier, sondern auch in vielen Städten und Dörfern der Region Occitanie, viele Veranstaltungen davon bei freiem Eintritt.

Seinen internationalen Ruf verdankt das Festival aber in erster Linie den verdienstvollen Wiederentdeckungen und Neupräsentationen längst vergessener, verschollener Opern oder Opern, von deren Exisenz man nicht einmal irgendetwas wusste – in konzertanter Form (die man danach auf CDs nachhören kann.)

Heuer war Vincent d‘ Indys fast fünfstündiges Werk „Fervaal“ an der Reihe. VIncent d’Indy wer ?

VIncent d’Indy (1851-1931) war der Spross einer französischen Aristokratenfamilie. Früh begann er, Klavier zu studieren und wurde Schüler von César Franck, bevor er „auf die schiefe Bahn“ geriet und (wie auch Berlioz) nur noch deutsche Komponisten zu seinen Göttern erkor: Gluck, Beethoven, Mendelssohn, Weber – vor allem aber W a g n e r…

Er pilgerte nach Bayreuth zur Premiere des „RIng des Nibelungen“ und des „Parsifal“, er war an der Pariser Erstaufführung des „Lohengrin“ beteiligt – und er schrieb Opern, die von chronischer Richard-Wagnersucht zeugen: Fervaal ist die erste davon. D’Indy lässt sie in Bruxelles aufführen, weil er sich in Paris nicht traut.

Worum geht es in Fervaal ?

Der keltische Ritter Fervaal befindet sich in Südfrankreich in Gesellschaft des Druiden Arfagard. Er wird verletzt und von der schönen Guilhen, Tochter eines sarrazenischen Emirs, aufgenommen und gepflegt (kommt ihnen was bekannt vor ?). Eine gegenseitige Liebe entspinnt sich zwischen den beiden…aber…aber Fervaal ist nur dann zu einem großen Schicksal bestimmt, wenn er keusch bleibt, sagt der Druide. Darauhin kehrt Fervaal geheilt in seine Heimat Cravann zurück, die gerade von den bösen Sarrazenen angegriffen wird. DIe Göttin Kaito erscheint und Fervaal wird zum Kriegsherren gewählt, es kommt zum Kampf, Guilhen erscheint und stachelt – aus Rache für ihre Zurückweisung – ihre Truppen zur Schlacht an. DIe Kelten werden dezimiert, Fervaal will eigentlich sterben, tötet aber lieber seinen Druiden Afagaard, um freie Bahn bei Guihen zu haben. Diese stirbt  jedoch leider  erschöpft in seinen Armen, und unser keltischer Held schreitet langsam ins Gebirge empor – bis er in den Wolken verschwindet (Das Libretto stammt wagnerianisch naturgemäß vom Komponisten selbst).

Nun ja.

Anklänge an Kundry, Erda, Wotan, Amfortas, Kurwenal, Tristan, Siegfried und Parsifal sind natürlich rein nichtzufällig. MIt „Fervaal“ schreibt der Wagnerianer d’Indy eine Oper für Wagnerianer, wobei er zwangsläufig das Risiko in Kauf nimmt, dass eine solche dann Nicht-Wagnerianern nicht wirklich ewas sagt, und eingefleischte Wagnerianer dann doch lieber zum Original greifen.

Die erst weit nach Mitternacht endende Aufführung in Montpellier war natürlich schon sehr imposant und beeindruckend.Bewunderungswürdig besonders Michael Spyres in der Titelrolle, Gaëlle Arquez als sarrazenische Heilern, aber auch alle andern der 15 Solisten, sowie das Orchestre National Montpellier Occitanie und der Choeur de la Radio Lettone, alle unter der exzellenten Leitung von Michael Schønwandt.

Aber nicht soo beeindruckend, dass man sich sofort eine szenische Produktion wünschen würde oder auch nur eine alsbaldige konzertante Wiederbegegnung. Maximal nimmt man sich vor, bei Gelegenheit in die im Herbst erscheinende CD hineinzuhören, um zu sehen, ob die große Liebe zu diesem zwittrigen Werk vielleicht doch noch entflammt….

 

Robert Quitta, Montpellier

 

Diese Seite drucken