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MONACO: FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS

MONACO/ FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS am 20.,21. und 22.3.2015

 Es gibt Klassikfestivals, Barockfestivals und Festivals für zeitgenössische Musik. Die wenigsten Veranstalter trauen sich, die Genres zu durchmischen. Marc Monnet (Jahrgang 1947), künstlerischer Leiter des „Printemps des Arts“ in Monaco, ist einer von ihnen. Und Kagel-Schüler Monnet, selbst Komponist, tut dies nicht aus Kalkül, sondern aus tiefster Überzeugung. Heuer ruht das dreiwöchige Event auf drei Säulen: Bach, Sibelius und eben zeitgenössischer Musik(davon sehr viele Auftragswerke).

Und so wurde man am letzten Wochenende Zeuge eines spektakulären Auftakts.

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 Der Hohepriester der „konkreten Musik“ François Bayle. Copyright: Festival Printemps des Arts

Im großen Vortragsssaal des berühmten Ozeanographischen Museums von Monaco brachte die französische „Musique Concrète“ – Legende François Bayle in Gegenwart von Prinzessin Caroline (Schirmherrin der Künste im Fürstentum) seine neueste Kreation Deviner/Devenir (in etwa : Erraten/Werden) zur Uraufführung.

Das war schon ein Erlebnis der besonderen Art, den 83jährigen schlohweißen Komponisten – streng und ernst wie ein protestantischer Pastor – in der Mitte des Raumes die Tonregler bedienen zu sehen. Und das alles unter Beobachtung der an die Decke gemalten Kraken, Haien und anderer Meeresungeheuer.

Nach dieser gelungenen Performance wechselte man ein paar hundert Meter weiter in die monegassische Kathedrale über.

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Johannes-Passion. Copyright: Festival Printemps des Arts

Dort zelebrierte Originalinstrumenten-Pionier Sigiswald Kuijken mit seiner „Petite Bande“ Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“. Eine an sich exzellente Aufführung, die nur durch die Akustik und die frühlingsuntypische Kälte erheblich beeinträchtigt wurde.

Akustik – und Temperaturprobleme gab es keine am nächsten Festival-Abend, der im Auditorium Rainier III stattfand. Hier waren die Beeinträchtigungen eher ästhetischer Natur, denn der aus den Achtziger Jahren stammende Konzertsaal zählt für ihren Berichterstatter (der in vielen Konzertsälen zu Gast war) – ohne Übertreibung – zu den hässlichsten, die er je gesehen hat. Gott sei Dank wurde man von seiner tiefgaragenähnlichen Anmutung durch die musikalischen Darbietungen mehr als entschädigt.

Vor der Pause gab man „Voci: Orchesterübung“, ein sehr eindrucksvolles Werk des 2000 verstorbenen italienischen Komponisten.

Und danach – anlässlich des Sibelius-Jahres 2015 – zuerst seine “ Océanides “ und anschließend seine 3. Symphonie.

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Der junge französische Dirigent Jean Deroyer an der Spitze des Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo dirigiert Sibelius. Copyright: Festival Printemps des Arts

Wobei sich der junge französische Dirigent Jean Deroyer an der Spitze des Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo beim Italiener hörbar mehr zu Hause fühlte als beim Finnen.

Den Abschluss des Eröffungswochenendes bildete eine ebenfalls sehr ungewöhnliche Zusammenstellung:

Das Ensemble Cairn präsentierte Auftragswerke von Gilbert Nouno und Gérard Pesson, das Ensemble Stravaganza hingegen Schöpfungen der Bach-Zeitgenossen Johann Adam Reincken und Dieterich Buxtehude.

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Ensemble Stravaganza im Designer-Licht. Copyright: Festival Printemps des Arts

Der Prinzen-Saal im Grimaldi Forum war erheblich schöner als der am Vorabend, allerdings für diese Art von intimer, kammermusikartiger Musik doch eindeutig zu groß.

Schwerer wog jedoch, dass die beiden Programmbestandteile irgendwie alternierend nebeneinander abliefen, ohne dass Verbindungen und Berührungspunkte gab, ohne dass aus den doch beträchtlichen Kontrasten Funken geschlagen wurden.

Und wenn man beweisen will, dass die Bachschen Zeitgenossen eigentlich auch nicht so schlecht waren, müsste man – anstatt eines völlig überflüssigen „light designers“ – lieber eines der hervorragenden Barockensembles engagieren, die es ja mittlerweile ja in Hülle und Fülle gibt… und nicht eines, dessen Geigerin den Eindruck erweckte, bei einem Konservatoriumsabschlussabend des zweiten Jahrgangs aufzuspielen.

Leider eine verpasste Gelegenheit.

Aber das Festival hat ja erst angefangen. Bis zum 12. April stehen noch(jeweils an den Wochenenden) folgende interessante Werke auf dem Programm: Sibelius‘ 2.,5. und 7. sowie seine „Tochter von Pohjola“ und “ En Saga „, Reinhard Keisers Markus-Passion und weitere Kompositionen von Franco Donatoni.

 Näheres unter: www.printempsdesarts.mc

 Robert Quitta, Monaco

 

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