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MILANO/Teatro alla Scala: SIEGFRIED

29.06.2013 | KRITIKEN, Oper

Teatro alla Scala SIEGFRIED 27.6. 2013


Lance Ryan, Peter Bronder. Foto: Teatro alla Scala

Vor einem Jahr, genauer gesagt am 23.10.2012 feierte diese Inszenierung ihre Premiere an der Mailänder Scala. Auffallend ist bei allen bisher gesprochenen Teilen dieses „belgischen“ Rings, dass sie ihren Schwerpunkt auf Videoprojektionen und tänzerische Elemente legt. Erstere unterstreichen aber nicht die seelischen Befindlichkeiten der Protagonisten oder spiegeln die Stimmungen der jeweiligen Szene imaginativ wieder, vielmehr verkommen sie zu einem rein technischen Inszenierungsmittel, bar jedweder tiefenpsychologischer Ausdeutung und als dramaturgisches Mittel per se zu schwach und damit nur dekorativ.

Nun im ersten Akt sehen wir eine Schmiede, die jener bei Sven Eric Bechtolf im Wiener Ring ähnelt. Freilich hebt sich dann der hintere Teil als Wotan auftritt, sodass dieser von der Höhe herunter die an ihn von Mime gestellten Wissensfragen beantwortet. Allerdings klettert er dann später, als die Reihe an ihn fällt, den Zwerg zu befragen, etwas umständlich herunter. Der stufenförmige Aufgang birgt aber in der obersten Stufe dann auch die Esse, in der Siegfried das Schwert Nothung neu schmiedet.

Und auch der Wald im zweiten Akt dieses Siegfried erinnerte entfernt ein wenig an den Wald im zweiten Akt der Wiener Walküre von Bechtolf. Mit dem Hort erlang der Riese Fafner ja im Rheingold auch den Tarnhelm, mit dessen Hilfe er sich nun im Siegfried Wurmesgestalt zulegte, um so den Hort besser bewachen zu können und etwaige Eindringlinge abzuschrecken. Während des Kampfes mit dem Drachen verkörpern nun einige Tänzer unter einer langen Schleppe den Leib dieses Wurmes, während andere wiederum mit Schwertern an dessen Hinschlachtung pantomimisch Anteil nehmen. Nach Fafners Tod aber setzt sich Siegfried dann in Siegerpose auf den Rest des Wurmesleibes drauf.

Der 1943 geborene norwegische Bariton Terje Stensvold als Wanderer hinterließ für mich gesanglich den stärksten Eindruck von allen drei Interpreten der Rolle des Göttervaters. Dass er vor seinem Gesangsstudium auch ein Lehramt für Deutsch erwarb, mag als Garant für seine ausgezeichnete und textverständliche Aussprache herangezogen werden.

Nicht so sauber und vor allem etwas verquollen und in der Höhe auch etwas begrenzt war der Titelheld, gesungen vom kanadischen Heldentenor Lance Ryan.

Hervorragend war der Charaktertenor des in Hertfordshire geborenen Peter Bronder als Mime und ebenso Johannes Martin Kränzle als Alberich.

Anna Larsson gefiel – wie bereits erwähnt – als Erda im Siegfried viel besser als im Rheingold.

Der 1976 in Odessa geborene ukrainische Bass Alexander Tsymbalyuk sang den Fafner mit klangvoller kräftiger Intonation.

Die junge norwegische Sopranistin Mari Eriksmoen brachte für den Waldvogel eine glockenhelle Stimme aus dem Off mit, während die Tänzerin Vivians Guadalupi die Rolle pantomimisch auf der Bühne gestaltete. Ein Regieeinfall, den Peter Mumford bereits im Jahre 2003 für seinen auf dem Edinburgh International Festival gezeigten Siegfried angewendet hatte.

Iréne Theorin begeisterte wiederum durch eine höhensichere, wenn auch bisweilen recht attackierende Brünnhilde. Lediglich einer der letzten Finaltöne wackelte etwas.

Daniel Barenboim bot mit dem Orchester des Teatro alla Scala einen überzeugenden „Siegfried“-Sound, der die ideale Balance zwischen den dramatischen Phasen mit ihrer sich steigernden Dynamik und den eher ruhigeren Passagen, wie etwa beim Waldweben.

Großer Beifall mit Bravorufen für Maestro Barenboim beendete knapp vor Mitternacht diesen heißen Juliabend.

Harald Lacina

 

 

 

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