Bühne Baden Intendant Michael Lakner: Auf zum „Weissen Rössl“ …. auch mit Saison in Baden!
Michael Lakner. Copyright Bühne Baden
Baden bei Wien: Die traute Kurstadt, ein klein wenig noch biedermeierlichen Duft verströmend. Solch ein Flair bietet auch das vor 110 Jahren eröffnete k. und k. Jubiläumsstadttheater, welches nun als ‚Bühne Baden‚ geführt wird und als Haus für die Pflege der guten alten heimischen Operette etabliert ist. Mit kleinem Wermutstropfen: gute Auslastung, doch im Zuschauerraum sitzt altersmäßig, Pardon, nicht angenehm zu sagen …. ein reines Seniorenpublikum. Badener Stamm- wie Kurgäste, aber auch Operettenfreunde aus Wien, Niederösterreich. Auf der Bühne haben Franz Lehár und das „Weisse Rössl“ ihren Platz, und, ja, wenn ein Musical angesetzt ist, dann finden sich auch etwas jüngere zufrieden gestellte Besucher ein.
Michael Lakner, früher in Graz, Bad Ischl erfolgreich managend, ist hier seit 2017 der künstlerische Chef. Und er bietet für nun seine dritte Spielzeit ein gut gemischtes Angebot. An Spielplätzen sind das Stadttheater wie dessen Max Reinhardt-Foyer und die heimelige Sommerarena gegeben, und neun Musiktheater-Produktionen werden hier bis Anfang September 2020 zu erleben sein. Start ist mit Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am 19. Oktober, das Finale mit „Die blaue Mazur“. Jetzt erstmals in Baden zu sehen: ein vergessener Lehár, 1920 uraufgeführt und anno dazumal einer seiner Publikumshits. Und rundum weiter als Badener Theaterofferte: Faschings- oder Cross Over-Konzerte, Operettencafé, kabarettistische Schmankerln, Diskussionsrunden, Schulveranstaltungen, Soko Jugendklub, ‚Jugend aktiv‘. Also, auf ein gutes Service wird geachtet. Und auch das Landestheater Niederösterreich kommt mit mehreren Schauspiel-Produktionen aus St. Pölten angereist.
Lakner hat die Saison 2019/2020 einem Generalthema folgend programmiert: „Religion und Glaube“ – angedeutet auf der Bühne wird der Kampf der Kulturen durch die Jahrhunderte. Keine Angst, keine strengen Belehrungen, auf Unterhaltungstheater ist nach wie vor gesetzt. Da wird mit Mozarts Visite im Serail oder in Leo Falls „Die Rose von Stambul“ am Islam angestreift. Oder in Rodgers & Hammersteins „Der König und ich“ führt der Buddhismus zu nicht lösbaren menschlichen Problem. Lakner muss an sein Publikum denken, handelt danach: „Hier ist nicht der Ort für Regietheater. Ich versuche einen gemäßigten Weg zu gehen. In der Operette ist sehr wohl einiges verstaubt – dann mag es ganz gut zu akkzeptieren sein, auch heute noch aktuelle gesellschaftlichenThemen der Libretti der Operetten mit neuen Texteinrichtungen in die Jetztzeit zu versetzen. Doch andere Meisterwerke, der ‚Vogelhändler‘ etwa, erlauben solches gewiss nicht nicht.“
Ein fixes Solistenensemble ist nicht gegeben, für die Spielzeit engagiert sind ein nicht allzu groß besetztes Orchester, über ein Dutzend Choristen, nicht ganz so viele TänzerInnen. Wechselnde Besetzungen, ein Reihe neuer Sänger. Einige bekannte Namen unter den Darstellern: Etwa Sona MacDonald, Lukas Perman, Sebastian Rheinthaller. Und Heinz Zednik mischt als Kaiser Franz Joseph im „Weissen Rössl“ mit. Lakner meint: „Heute gibt es viel mehr Sänger mit profunder Technik als früher“ …. und trotzdem scheint es schwierig zu sein, alle Partien auch wirklich attraktiv besetzen zu können.
Noch kurz auf Österreichs allgemeine kulturellen Probleme eingegangen, auch hier in Baden: Mangel an Kreativität und eine Zuwendung zur Jugendförderung. Eine Uraufführung ist immerhin angesagt, und den „Drei Engel auf Erden“ sei Vorschusslob zugestanden: Schauspieler Beppo Binder (Buch) und Komponist Pavel Singer, beide Badener Theater-Urgestein, holen die drei edlen Erzengel auf ihre Bühne. Und funktioniert auch das Abholen eines frischen jugendlichen Publikums, um sie froh gelaunt in den hehren Seniorenpalast zu geleiten? Lakner hat genügend Akzente gesetzt, doch: „Es ist schwer! Zu den Musicals kommen wohl auch einige Jüngere. Doch in Bad Ischl ist es besser gegangen: Denn dort leisten die in Oberösterreich so geförderten örtlichen Musikschulen wirklich gute Kulturarbeitfür die jungen Menschen.“
Info: www.buehnebaden.at
Meinhard Rüdenauer