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MARTINA FRANCA: ARTASERSE von Johann Adolph Hasse

28.07.2012 | KRITIKEN, Oper

MARTINA FRANCA (Festival/Palazzo Ducale): ARTASERSE von Johann Adolph Hasse am 27.7.2012


Foto: Festival della Valle d’Itria

Gemäss seiner Tradition eröffnete das Festival della Valle d’Itria (Apulien), das sich seit seiner Gründung Belcanto- Raritäten verschrieben hat, auch heuer mit einem zwar aus der Literatur bekannten, aber nahezu nie aufgeführten Werk: ARTASERSE von Joseph Adolph Hasse(1699 – 1783).

Die 1730 in Venedig uraufgeführte, auf einem Libretto Metastasios basierende Oper ist mittlerweile hauptsächlich durch die Arie “ Pallido il sole,torbido il cielo“ bekannt, die ein „cavallo di bataglia“ des berühmten Kastraten Farinelli war (der sie später auch dem tobsüchtigen Kaiser Philipp V.von Spanien zur Beruhigung vorzusingen pflegte).

Das Unterfangen an sich war also löblich. Leider stellte sich heraus, dass die nahezu vierstündige Kompositiion Hasses -zumindest unter dem Dirigat des an und für sich renommierten Corrado Rovaris – zum Grossteil aus eher eintöniger, um nicht zu sagen langweiliger „Nähmaschinenmusik“ besteht. Zwei, drei grosse Arien ( bei denen man es auch hätte bewenden lassen können ), ja. Aber selbst der Hit „Pallido il sole“ reicht nicht annähernd z.B. an Händel heran.

Die Inszenierung Gabriele Lavias tat ein Übriges, um den Abend nicht zum Genuss werden zu lassen. Vor sinnlosen, aber verschiebbaren, aus unerklärlichen Gründen mit Farbe beschmierten hässlichen Holzelementen findet das Schlechteste aus konventionellem Stehtheater und patschert abgekupferten Regietheater zu einander. sinnlos wie die Bühnenbildteile in der Gegend herumstehende Sänger in grauslichen Kostümen schauen ihren Kollegen mit einem faden Aug‘ beim Singen zu – das aber statt mit Lanzen gelegentlich auch mit Pistolen und Kalaschnikows.

Die gerade „am Wort befindlichen“ Sänger fuchteln dafür „zum Ausgleich“ völlig unmotiviert, aber entfesselt irgendwie wild herum, wohl um in die „statische Barockoper“ etwas „Bewegung“ zu bringen. Herr Lavia hat vom spezifischen Charakter dieser Kunstgattung wohl gar nix verstanden. Eine Qual.

Aus diesem akustischen und optischen Geröll leuchten immerhin zwei Goldnuggets und Goldkehlchen hervor: die durch unvorteilhaftes Kostüm und Maske nahezu entstellte Sonia Prina als Artabano (u.a. mit einer zu Herzen gehenden Interpretation besagter „Pallido il sole „-Arie) und Franco Fagioli als Arbace.

Diesen beiden hätte man auch fünf Stunden zuhören können, allerdings in einer anderen Inszenierung und in einer anderen Oper. Eine Enttäuschung.

 

Robert Quitta, Martina Franca

 

 

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