
Martin Czapka:
k.u.k. & Co.
Ein lexikales Sammelsurium rund um das Leben in der Doppelmonarchie.
288 Seiten, Amalthea Verlag.2025
Fundgrube und Füllhorn
Man kennt die Bücher von Martin Czapka mittlerweile, sie sind per Selbstdefinition ein Sammelsurium, tatsächlich aber Füllhorn und Fundgrube zugleich für jene Themen, die er auswählt. Nach den Wiener Kaffeehäusern und Wien um 1900 ist es nun „k.u.k.“, zusätzlich „& Co.“, aber wenn man genau sein will, geht es eigentlich zentral um Kaiser Franz Joseph. Wohl nicht nur, weil der Autor, wie man seiner Unterschrift mach dem Vorwort entnimmt, Martin Franz Josef Czapka heißt…
Es mag eine größere Rolle gespielt haben, dass er als Kind mit seinen Eltern in Schönbrunn lebte, im 3. Stock im Hauptgebäude, wo die Wohnungen einst für das Personal vorgesehen waren. Wer von Kindheit an Schloß, Nebengebäude und Park wie seine Westentasche kennt, entwickelt sozusagen notgedrungen eine besondere Beziehung zu den Habsburgern.
Czapka hat auch dieses Buch, wie die beiden voran gegangenen, “recherchiert, verfasst, gestaltet und illustriert”, es ist also ganz sein Werk, in der Auswahl der Begriffe, in den Texten und den ausgewählten Zitaten – und vor allem, wie immer, in den Illustrationen, die oft bekannten Fotos nachgezeichnet sind und eine Fleißaufgabe ohnegleichen darstellen. Wer diese Mischung zu schätzen gelernt hat, wird sich darin süchtig blättern.
Franz Joseph und Sisi ziehen sich als rote Fäden durch die “Handlung”, also das A bis Z der Schlagworte. Da setzen sich Bröckchen der Biographien zusammen. Darüber hinaus baut Czapka den Kosmos der Welt, in der sie lebten, nach allen erdenklichen Gesichtspunkten, wobei man natürlich keine lexikalische Gründlichkeit erwarten darf. Wer mehr über “Erbhuldigung” erfahren will, muss in andere Lexika gehen.
Andererseits findet man, was kaum je aufgelistet wurde – nicht alle Titel von Franz Josef, die gibt es in der Literatur. Aber wie sich sein Name in den Sprachen seiner Kronländer anhörte:
Ferenc József (ungarisch)
František Josef (tschechisch)
Franciszek Józef (polnisch)
Franjo Josip (kroatisch)
Francesco Giuseppe (italienisch)
František Jozef (slowakisch)
Franc Jožef (slowenisch)
Franjo Josif (serbisch)
Francisc Iosif (rumänisch)
Franz Josyf (ruthenisch)
Unendlich viel wird angetippt: Ob Menschen (natürlich die wichtigen Mitglieder des Kaiserhauses), Schlösser oder Uniformen (der Kaiser trug bekanntlich immer Uniform), Beamte, arme Leute (darunter auch die “Grabennymphen”) oder Adelige und die Hofgesellschaft, imperialer Luxus oder moderner Fortschritt, ob Monarchie-Spezielles, ob vergessene Ausdrücke von einst (Amtskappl!), ob Kronen, Wappen oder die Ringstraße, die eine große Leistung von Franz Joseph war (als absoluter Herrscher musste er dem Projekt der grundlegenden Erneuerung Wiens zustimmen). Und Sozialkritisches, das bis heute seine Gültigkeit hat, lässt der Autor Johann Nestroy sagen: “Über die Armut braucht man sich nicht zu schämen, da gibt’s weit mehr Leut’, die sich über ihren Reichtum schämen sollten.“
Wieder herrscht in diesem Buch der Reiz des Durcheinanders und der Überraschung. Man muss bewundernd anerkennen, wie viel dem Autor zu seinem Thema eingefallen ist. Das Buch ist ideal, um ziellos darin zu blättern, von Bild zu Bild zu hoppen, sich hier und da fest zu lesen und erstaunt immer wieder Neues zu erfahren.
Renate Wagner

