Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Maria Publig: KILLERKARPFEN

24.02.2019 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Maria Publig:
KILLERKARPFEN
Waldviertel-Krimi
442 Seiten, Gmeiner Verlag, 2019

Walli Winzer ist wieder da. Autorin Maria Publig hat sie in ihrem ersten Waldviertel-Krimi „Waldviertelmorde“ eingeführt, die rührige Werbe-Lady aus Wien, die „am Land“ zur Ruhe kommen wollte, sich in dem (fiktiven) Ort Großlichten niederließ und dort ein altes Schulhaus kaufte. Sie wurde gleich mit Leichen konfrontiert und hat sich auf Anhieb mit dem Auflösen von Mordfällen bewährt. Gleich drei Auflagen für das erste Buch, da musste das zweite auf dem Fuß folgen, und da ist es nun.

Walli, die sich zwischendurch einen langen Aufenthalt in Schweden gegönnt (und dort auch gleich einen Liebhaber geangelt) hat, ist also wieder da. Sie plumpst sofort in das gesellschaftliche Leben des kleinen Orts – und stolpert (was niemandem überrascht, dazu sind diese Krimis ja da) gleich auf Seite 64 über eine Leiche, die Kater Filou in ihrem Garten aufstöbert. Im Lauf der Handlung folgen zwei weitere (die letzte im titelgebenden Karpfenteich) – aber immerhin waren alle drei Herrschaften, die es da getroffen hat, alles andere als sympathisch…

Die Krimis heutiger Autoren (Autorinnen) begnügen sich aber nicht mit – à la Agatha Christie – ein bisschen Milieu und Mördersuche. Es geht doch immer wieder auch um Probleme, die in unserer Zeit relevant sind. Hier ist es ein Zementwerk, die Umweltverschmutzung, die es verursacht, und ein Chef und dessen Anwalt, die dergleichen gnadenlos „bereinigen“.

Auch, wenn es um Privates geht: Romy Steiner hat nach dem Tod ihrer Mutter herausgefunden, dass sie das Produkt einer Vergewaltigung ist – und der Fabrikant ihr Vater. Der jagt sie geradezu weg, als sie ihn konfrontiert. Aber das Leben in einem kleinen Dorf ist noch viel härter. Man erfährt, dass Romy und Julia, die Anwaltstochter, einander einst in Liebe verbunden waren, dass diese Beziehung verboten wurde, Julia unter Zwang  heiraten und Romy das Dorf verlassen musste…

Nun ist sie wieder da, legt in ihrer Eigenschaft als Gärtnerin für Walli Winzer einen Bauerngarten an und gerät, da sie wahrlich ein Motiv hätte, auch unter Mordverdacht. Keine Angst, da ist Walli vor – und die Autorin hat sich auch noch ein Happyend ausgedacht. Und als Drüberstreuer noch ein zweites lesbisches Pärchen in die Handlung eingebracht, das sich findet… Auch Dörfler müssen sich daran gewöhnen, dass dergleichen in unserer Welt normal ist.

Und Walli? Die provoziert wieder ihre Umwelt durch schrille Kleidung, u.a. eine schwarze lederne Motorradjacke, wenn sie mit einer „Maschin’“ herumbrettert, die Dame ist schließlich noch nicht alt. Der Besuch ihres schwedischen Liebsten gelingt nicht so richtig (der ist eigentlich zu einem Arbeitsaufenthalt in Wien und hat nicht so viel Zeit, wie Walli es sich wünschen würde), und ein „Quickie“ mit dem Gärtner ist auch nicht viel versprechend ausgefallen.

Dennoch – am Ende sind die Morde geklärt (den Täter gibt es erst auf den letzten Seiten, und er ist ziemlich überraschend, wenn er auch nur „im Auftrag“ gehandelt hat), und Walli wird man mit einiger Sicherheit bald wieder zwischen Buchdeckeln begegnen.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken