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Maria Pia PISCITELLI: „Ehrlichkeit, auch wenn es weh tut“

18.05.2014 | INTERVIEWS, Sänger

MARIA PIA PISCITELLI im Gespräch mit Elena Habermann – „Ehrlichkeit, auch wenn es weh tut!“

Das Gespräch wurde am 16.5.2014 geführt

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Maria Pia Piscitelli. Foto: Wiener Staatsoper/ Pöhn

 Ein grauer Regentag im Mai kann in positiver Gesellschaft sofort ganz hell werden. Zu solchen Menschen gehört die neue Norma Wiens,  Maria Pia Piscitelli.

Frau Piscitelli war über ihr erstes Auftreten an der Wiener Staatsoper sehr glücklich und wünscht der armen so unglücklich gestürzten sehr verehrten Kollegin alles Gute und ganz rasche Besserung. Zweimal war sie schon ihm Rahmen der Wiener Staatsoper als Cover für Frau Gruberova (Roberto Devereux und Anna Bolena) auf Japangastspiel. So kam es wieder durch diese Künstlerin zum mehr als erfolgreichen Wiener Staatsopern Debüt. Viel Freude machte es  ihr auch, das sie alle Kollegen bereits kannte.

Maria Pia Piscitelli stammt aus der Zona di Bari/Apulien und lebt heute noch dort, weil sie einfach „ihre Küste“ braucht, das Meer, der Geruch des Wassers und alles rundum, die herrlichen alten Häuser, wunderbaren romanischen Kirchen und Paläste gehören einfach zu ihren Wohlbefinden als privater Person und natürlich auch die Familie, Freunde von der Kindheit weg. Dort liebt sie es auch, die einfachen Speisen ihrer Heimat zu kochen, den „Limoncello“ selbst ansetzen und bei klaren Wasser auch Tauchen zu gehen.   

Die Künstlerin „brennt“ fürs Singen. Schon als Kind spielte sie Klavier, Gitarre und Flöte. Mit siebzehn Jahren begann sie das Studium am Conservatorio di Bari bei einem älteren Tenor und dieser lehrte die „gute alte italienische Schule“ die sehr auf die Sprache konzentriert ist. Das ist für sie das Wichtigste, wenn die Diktion sitzt, ist das die halbe Technik. Großer Wert wird auch auf die Rezitative gelegt, dafür gilt das gleiche und so kann jeder Hörer, egal welcher Sprache er ist,  der Handlung des Werkes folgen. Später arbeitete sie sehr mit der großen Künstlerin Leila Gencer, die natürlich auch eine große Fachfrau des alten Stiles war und ihr immer wieder viele gute Tips zum „Überleben“ auf der Bühne gab. Mit dreiundzwanzig Jahren war es soweit, zum ersten Mal stand sie auf der Bühne. Das Debüt fand im Teatro Olimpico di Vicenza statt, in Cavallis „Calisto“.  Barockopern sang sie sehr viele, so kam es zum Debüt in Wien 1997 unter Jordi Savall in „Una cosa rara“. Mozart (Stimmhygiene, er verzeiht keine Schlamperei) wird in der Karriere von Maria Pia immer eine große Rolle spielen, nach Donna Elvira wird sie immer wieder gefragt und auch nach der Contessa Almaviva, die sie sehr gerne singt und immer mit der Norma, wegen des Schwierigkeitsgrades vergleicht., und „Porgi amor“ ist mit diesem Beginn der Arie fast noch gefährlicher als der Beginn des „Casta diva“. Auch die Vitellia hat sie im Repertoire, auch eine Rolle die sie auch als Frau mit Selbstbewusstsein überzeugt. Ihre große Spezialität ist das Belcantofach des Donizett und Bellini, ebenso wie Mercadante, aber auch Verdi zählt sie zum erweiterten Belcanto, weil Verdi richtig singen geht eben nur mit dieser Ausbildung, da ist auch die Lady Macbet, die eben in Warschau stattfindet kein Problem. Zu den meist, wenn nicht am meisten gesungenen Rollen der Künstlerin ist die Norma, in bereits über sechzehn Produktionen über die Erde verstreut. Eigentlich ist die Norma so etwas wie eine Schicksals.Lieblingsrolle weil sie vielseitig ist, und das muss mit der Stimme kommen, weil so manches ist in dieser Oper nahezu nicht inszenierbar. Es muss die strenge Priesterin, die liebevolle Mutter, die verliebte, – rachsüchtige verlassene Frau, die dann verzeihen kann alles glaubhaft mit der Stimme kommen. Vielleicht eine der schwierigsten Partien überhaupt.

Weiteres im Repertoire sind natürlich alle Donizetti -Königinnen, in „Maria Stuarda“ singt sie beide Rollen, die der Königin und die der anderen Königin.Von Rossini nur Semiramis, eventuell einmal Tell, aber Rossini ist nicht so toll für ihre Stimme – findet sie selbst, und bekundet, dass sie nie die Violetta singen will. Sehr viel Freude machte auch die Agnese di Maino, allerdings auch die Titelrolle, die der Beatrice di Tenda. Besonders auch, weil es diese Damen alle gab und ihre Schicksale so ergreifend sind, dass man sie einfach gestalten will. Bei Verdi ist die Leonora (Trovatore und Forza), Aida, Amelia (Simon und Ballo), Lady Macbeth und Elisabetta gefragt, aber auch ein wenig Versimo ist dabei, wie Tosca, Nedda, Mimi, Liu, Maddalena  und „Gullielmo Ratcliff“ von Mascagni. Desdemona würde sie einmal gerne singen, nach der Alice wurde sie bereits gefragt, eine Rolle die sicher viel Freude Macht, einmal lustig sein und nicht sterben. Auch die Leonora in „Trovatore“, den sie gar nicht für so unlogisch hält, ist für sie eine große menschliche Persönlichkeit, geht sie doch vom schwärmerisch verliebten ca. sechzehn jährigen Mädchen in kurzer Zeit eine Entwicklung zur fast reifen, sich zum Tode opfernden Frau durch. Auch wegen der großen Persönlichkeit der Cassandra würde sie sehr gerne diese Rolle in den „Troyens“ singen, vielleicht in Wien? 

Zu Regisseuren äußerte sie sich so: Zeitversetzt, wenn es passt, nicht die Oper zerstört, das ist immer sehr schwierig, weil den Komponisten, aber auch den Librettisten muss man respektieren. Manches geht, aber das Wenigste.    

Sie ist an allen großen Häusern ihrer Heimat Italien sehr gefragt, sowie auch sehr viel in Spanien, auch Deutschland. In den Staaten war es San Francisco, Palm Beach, auch Argentinien (Buenos Aires), natürlich mit Norma und Don Giovanni. Ihre erste österreichische Bühne war das Stadttheater Klagenfurt mit „Nozze di Figaro“ an der Seite von Luca Pisaroni, der dort sein Debüt gab.

Man soll es nicht glauben, so viel beschäftigt sie auch ist, sie findet auch noch Zeit zum unterrichten. Am Conservatorio von Monopoli, auch Zona Barese, ist sie eine sehr beliebte Lehrerin, die aber auch streng ist, weil es doch eine sehr große Verantwortung ist, was aus so einem jungen Menschen wird und da gibt es nur eines, Ehrlichkeit, auch wenn es weh tut. Aber gerne gibt sie die „alte Schule“ weiter, ist sie doch das Allerbeste für die Stimmen.

In Wien würde sie gerne viel singen, weil es so ein wunderbares Haus ist, voll mit lieben Menschen, angefangen vom Orchestermusiker bis zu den freundlichen, fleißigen Damen in der Garderobe. Sie fühlte sich absolut liebevoll aufgenommen.

Elena Habermann

 

 

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