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MANNHEIM/ Nationaltheater: MARIENVESPER / Vespro della beata vergine. Premiere

16.12.2018 | Allgemein, Oper


Foto: Hans Jörg Michel

Mannheim: Marienvesper/Vespro della beata vergine  15.12.2018 Premiere

Die Marienvesper von Claudio Monteverdi, mit der er sich vom ungeliebten Mantua aus in das päpstliche Rom bewarb, vereint hier in 13 Nummern Psalmenvertonungen, das Hohelied Salomos, das Magnificat der Maria, Antiphonen, auch kurze instrumentale Stücke. Neben seinen Madrigalen und Opern behauptet sich die Vesper als bedeutendes Werk Monteverdis und wird in neuerer Zeit auch öfter szenisch aufgeführt, wie auch in dieser Produktion des Nationaltheaters. Als Gastorchester spielt Il gusto barocco, ein kleinbesetztes Ensemble auf Orginalsinstrumenten incl. einer nach italienischem Vorbild nachgebauten Orgel. Die Leitung hat Jörg Halubek und erreicht einen faszinierenden Sound mit diesen meist frisch fröhlich gestimmten, aber heterogenen Stücken. Die Bühne (Regie und Bühnenkonzeption: Calixto Bieito, Bühne: Anna-Sofia Kirsch) besteht aus einer holzgezimmerten noch unfertigen  Kirchenapsis  samt einer nach vorne in den Zuschauerraum gezogenen Spielfläche, von einem Oval unterbrochen, in dem sich das Orchester befindet. Darin inszeniert Calixto Bieito eigene Kindheitserinnerungen an kirchliche Umzüge in seiner Heimat Südspanien.

Die Choristen treten in bunt zusammengewürfelten dörflichen Kostümen auf (Anna Eiermann), eine stumme Maria kauert vor dem Orchester, ein Dorftrottel umtänzelt den nach vorne kommenden Chor und zerschnipselt Gesangbuchseiten. In der hinteren Apsis tollt ein schwarzer Priester mit einem lädierten Flügel mit kleinen weißgewandeten Mädchen mit Friedenstauben auf den Köpfen herum, läßt sie hochfliegen und verteilt Süßigkeiten. Eine etwas ältere Frau in scharlachrotem Gewand könnte Anna, die Mutter Marias sein, die Anstalten zur späten Geburt ihrer Tochter macht. Das Gebären erscheint überhaupt ein wichtiges Thema in Bieitos Interpretation, viele Kinderpuppen werden ans Licht gebracht, mit denen dann die realen Kinder spielen, final zeigt der Regisseur aber einmal nicht die Geburt der Maria (Simone Becherer), deren Körper, von Kirchenmännern(!) gehalten, unter der weißen Tunika heftig zuckt und ihr ein verklärtes Lächeln aufs Gesicht zaubert. Dabei strahlt auch weißes gleißendes Licht in den Raum (Nicole Berry). 

Der Chor singt prächtig und ist detailgenau einstudiert von Dani Juris. Die beiden anmutig timbrierten gleichgestimmten Soprane, Amelia Scicolone und Nikola Hillebrand, kommen bei Salomos Liebeslied von beiden Seiten nach vorne gelaufen und vereinen sich vorn mit ihren Haarmähnen, eine muß später ihr Haar einbüßen. Den Alt (Frau in rotem Gewand) singt sehr expressiv und drangvoll Anna Hybiner. Drei Tenöre, Kristofer Lundin, Joshua Whitener, Raphael Wittmer sind aufgeboten und singen stimmstark ‚um die Wette‘, die beiden Bässe singen kräftig timbriert und teils dramatisch profund Dominic Barberi und Patrick Zielke, der auch die Antiphonen übernimmt.             

Friedeon Rosen

 

 

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