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MANNHEIM: KONZERT SOL GABETTA (Cello)

Mannheim: „SOL GABETTA“ 19.10.2014

 Zur Eröffnung der Pro Arte-Konzertsaison brillierten im Rosengarten die Weltklasse-Cellistin Sol Gabetta sowie das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Giovanni Antonini.

 Sol Gabetta die argentinische Ausnahme-Solistin mit französisch-russischen Wurzeln hatte Robert Schumanns „Cellokonzert a-moll“ im Gepäck, einem Werk der Romantik, relativ kurz jedoch von anmutigem Klangreiz. Im orchestralen Wechselspiel poesierte  Gabetta die Eingangsthemen in berückender Klangschönheit, lässt ihr Instrument zart aufblühen und steigert sich unversehens in die artikularisch-dynamischen Finessen des Werkes. Sonor im satten Dunkelton mischt die Solistin den Farbreichtum dieser Komposition in rhythmischer Eigenwilligkeit zum facettenreichen, magischen Gesamtsensorium. Packend in einzigartiger Entfaltung, im natürlichen Fluss führt schließlich Sol Gabetta in prächtigen Kadenzen ins grandiose Finale voller agiler Spannungen. In tendenziell raschen Tempi begleitete das Kammerorchester Basel unter der temperamentvollen Stabführung von Giovanni Antonini die ausdrucksstarke Cellistin in befremdlich orchestralen Akzidentalien.

Für den starken Publikumszuspruch bedankten sich die Gefeierten mit „Elegie“ (Gabriel Fauré) sowie nochmals Sol Gabetta mit orchestraler Celliverstärkung mit einem katalanischen Lied „Song of Birds“ innig, traumverloren und klangvoll musiziert.

 Eingebettet war das solistische Konzert in zwei Kompostionen von Ludwig van Beethoven, als Auftakt erklang die Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ in plastisch-elastischem Klangfundament gespielt, das Finale bildete die „Vierte Symphonie“ des Meisters.

 Ein feierliches Adagio- Allegro vivace in verwaschenen Farben leitet das Werk ein, jubelnd frisch erhebt sich  das Hauptthema mit seinen humoristischen Kühnheiten, welches sich sodann in einer Folge von Dreiklang- und Septakkorden auflöst. Motiviert entfalten sich die Streicher in linearer Feinzeichnung zum vollmundigen Gesamtklang mit den keineswegs zurückhaltenden Bläsersegmenten, die Giovanni Antonini detailverliebt merkwürdig stark in Laut-Leise-Kontrasten vordergründig einbrachte. Betörend folgt das Adagio in ergreifender Schönheit. Über dem klopfenden Rhythmus (vielleicht bedeutet er das Pochen des Herzens, das Beethoven so gerne in Tönen malt, oder das unerbittliche Verrinnen der Zeit) erhebt sich eine jener Melodien, die genügen würden, ihrem Schöpfer die Pforten der Unsterblichkeit zu öffnen.

 Reguliert beherrscht erklang das Allegro vivace, der dritte Satz ganz im Impetus der Formentwicklung, innig volkstümlich erhebt sich die brisante Triomelodie. Gefühlsgeladen, rasant führte Antonini das prächtig aufspielende Kammerorchester ins finale Allegro ma non troppo transparent voll schlagender Überzeugungskraft. Vergessen der „springende Geigenbogen“, die überpointierten Orchestrierungen, das Publikum war begeistert und wurde mit der Wiederholung des Finalsatzes für die Beifallsfreude belohnt.

 Gerhard Hoffmann

 

 

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