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Manfred Baumann: JEDERMANN-FLUCH

13.07.2020 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Manfred Baumann
JEDERMANN-FLUCH
Salzburg-Krimi
286 Seiten, Verlag Gmeiner, 2020

Wer heuer nicht nach Salzburg darf, liest vielleicht ganz gern einen Roman über die Festspiele, zumal, wenn es sich um angenehm verdauliche Kost handelt. Im Zuge der Salzburger Regional-Krimis von Autor Manfred Baumann ist Kommissar Martin Merana schon zum achten Mal unterwegs. Und Salzburg und „Jedermann“ – das ist schließlich die denkbar nächst liegende Assoziation.

Diva Senta Laudess spielt die Buhlschaft, und offenbar hat sie ihrer um ein paar Jahre jüngeren Schwester Isolde (die Mutter war Wagner-Fan) zu einer Rolle in der Tischgesellschaft verholfen. Und dann wird Isolde tot am Aufgang des Nonnbergklosters gefunden – und bei dem Genickbruch hat jemand nachgeholfen.

Nun steigt der Kommissar in die „Jedermann“-Szene ein (und als er die Aufführung sieht, bietet das Buch eine große Interpretation von Hofmannsthals Stück für jene Leser, die es interessiert). Offenbar gab es „rivalisierende“ Schauplätze der beteiligten „Verdächtigen“ – hier der „Jedermann“ am Domplatz, dort das konkurrierende Salzburger Straßentheater, das zeitgemäß eine „Jederfrau“ spielt, woran die Ermordete beteiligt war und ihre Kollegen schwer verärgerte.

Eine Menge Leute tauchen als Beteiligte auf (um sich am Ende, bei der durchaus überraschenden Lösung, als für die Geschichte überflüssig zu erweisen), ein weiterer Toter ist schwer mit dem ersten Mord in Zusammenhang zu bringen. Aber dass da auch tödliche illegale Straßenrennen stattfinden, auf die im Internet hoch gewettet wird – und dass der zweite Tote hohe Spielschulden hatte… viele Elemente mixen sich krimi-haft zusammen.

Der Autor bringt neben der Suche nach dem Täter noch manches ein, was sich zu Salzburg ganz natürlich ergibt – dies und das aus der Geschichte der Stadt, die Festspiele zur Nazi-Zeit werden in einem Einschub nicht vergessen, auch nicht der allgegenwärtige, drückende Über-Tourismus, der die Salzburger (vor Corona) belastete. Und die Figur der Kulturjournalistin Jutta Ploch, die man aus früheren Büchern kennt, ist für den aktuellen Klatsch und Tratsch der (tatsächlichen) Festspiele zuständig. Kein Mangel an Stoff also rund um die Ermittlungen des Kommissars.

Und, wie gesagt, ein Ende, das dann doch erstaunt und seine psychologische Rechtfertigung findet. Vor allem aber fühlt man sich bei der Lektüre in Salzburg, wenn man es kennt – und so darf man zumindest „im Buch“ sommerlich ein bisschen dort sein.

Renate Wagner

 

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