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LUDWIGSBURG/Forum: Limon Dance Company – ORIGINALITÄT MENSCHLICHER AUSDRUCKSKRAFT

26.02.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Limon Dance Company im Forum am Schlosspark Ludwigsburg. ORIGINALITÄT MENSCHLICHER AUSDRUCKSKRAFT, 25. 2.2014

Limon Dance Company aus New York im Forum am Schlosspark am 25. Februar 2014

Der in Mexiko geborene und in Amerika aufgewachsene Jose Limon zählt zu den Pionieren des Modern Dance. Mit „Etude“ in der rasanten Choreografie von Carla Maxwell waren die Tänzerinnen und Tänzer sogleich gefordert. Die schlichte Musik von Franz Schubert unterstrich sehr reizvoll die große Leidenschaft für die Bewegung. Gezeigt wurden Sequenzen aus drei Limon-Choreografien („Dances for Isadora“, „Psalm“ und „A Choreographic Offering“). Leidenschaft und Kraft vereinigten sich mit der Musik Schuberts, alles blieb im mitreissenden tänzerischen Fluss. Dieses Stück entstand für das Rahmenprogramm der Olympischen Winterspiele 2002. Auch „Chaconne“ in der einfallsreichen Choreografie von Jose Limon mit der Musik von Johann Sebastian Bach faszinierte mit seinem Hang zum Schauspiel und einer ausgefeilten erzählenden Dramaturgie. Die emotionalen Momente von Bachs „Chaconne“ wurden von den hervorragenden Tänzern Roxanne D’Orleans Juste, Kathryn Alter und Raphael Boumaila exzellent herausgearbeitet. Der Charakter des robusten und rauen Tanzes kam nicht zu kurz, aber man erkannte auch die formellen Entbehrungen. Doppelgriff- und Bariolagespiel sowie Akkordleiter- und Tonleiterspiel mit rhythmischen Impulsen zeigten hier immer wieder neue tänzerische Deutungen in vielen Variationen. Die großen Spannungsbögen gewannen einen bestürzend eindringlichen körperlichen Ausdruck.

Mit der subtilen Choreografie „Come with me“ wurde 2012 zum 65. Geburtstag der Limon Dance Company der Brasilianer Rodrigo Pederneiras beauftragt. Die Bewegung „Die Frauen in Weiß“ dienten als Inspirationsquelle. Diese revolutionäre Gruppe von Frauen demonstriert seit 2003 in Havannas Straßen für mehr Demokratie, Freiheit und mehr Gerechtigkeit in Kuba. Vor allem in rhythmischer Hinsicht wurde der aufbegehrende Charakter ausgezeichnet getroffen. Und die aufwühlende Musik von Paquito d’Rivera „Bombardino„, „Ladies in White“, „Dreams“ sowie „Freedom Dance“ riss die Zuhörer unmittelbar mit. Die Regierung sollte so dazu bewegt werden, die Gefangenen freizulassen. Am eindrucksvollsten wirkte zuletzt „Psalm“ aus dem Jahr 1967. Eine alte jüdische Legende besagt hier, dass es auf der Welt immer 36 Gerechte gibt, um deretwillen Gott die Welt nicht untergehen lässt. Durch abstrakte Bewegungen wurde bei dieser eindringlichen Choreografie der Blick auf einen dieser Gerechten gerichtet. Das Stück erhielt so eine unglaubliche elektrisierende Spannungskraft. Körper, Füße, Hände und der Gesichtsausdruck standen immer wieder im Mittelpunkt dieser aufregenden Inszenierung. Dazu passte die harmonisch äusserst vielschichtige Musik von Eugene Lester und Jon Magnussen. Der natürliche Rhythmus des Fallens und Wieder-Aufstehens stand im Zentrum des Geschehens und zeigte die ungeheure visuelle Macht des sozialen Tanzes. Das alles wirkte so expressiv wie modern. Riesenjubel.

 Alexander Walther

 

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