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LUDWIGSBURG/ Seeschloss Monrepos: KLASSIK OPEN AIR – ein stolzes Jubiläum

LUDWIGSBURG/Seeschloss Monrepos: KLASSIK OPEN-AIR – EIN STOLZES JUBILÄUM

Klassik Open Air & Feuerwerk am Seeschloss Monrepos am 19. Juli bei den Schlossfestspielen/LUDWIGSBURG

Unbenannt
Foto: Rainer Pfisterer

Bereits zum zwanzigsten Mal fand das Klassik Open Air mit Feuerwerk am Wochenende statt. Laut Festspielchef Thomas Wördehoff ist es das beliebteste Konzert des Festivals. Zum Jubiläum musizierte das Orchester des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg unter der inspirierenden Leitung von Benedikt Vennefrohne. Gleich zu Beginn riss der thematische Reichtum von Arthur Sullivans Ouvertüre aus „Cox and Box“ die Zuhörer fast von den Sitzen. Der Geigerin Annika Spegg gelang es dann, der schönen Romanze in Es-Dur op. 11 von Gerald Finzi zusammen mit dem Orchester sphärenhaften Klangzauber zu verleihen. Von Jacques Offenbachs „Schüler-Polka“ blieben vor allem die witzigen Staccato-Tupfer im Gedächtnis. Es folgte die berühmte „Pizzicato-Polka“ von Josef und Johann Strauss (Sohn), wo das Orchester des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg nochmals ganz aus sich herausging. Sehr viel Tiefgang besaß weiterhin die gelungene Wiedergabe des Walzers „Künstlerleben“ op. 316 von Johann Strauss (Sohn).  Mit dem Goethe-Gymnasium Ludwigsburg sind die Schlossfestspiele eng verbunden, denn der dortige Lehrer Dr. Wilhelm Krämer gründete das Festival im Jahre 1932. Im Hauptprogramm konkurrierten Gioacchino Rossini und Jacques Offenbach miteinander.

Das bestens disponierte Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele musizierte gleich zu Beginn bei der Ouvertüre aus Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“ unter der temperamentvollen Leitung von Marc Piollet wie aus einem Guss. Wie bei Mozarts „Figaro“-Ouvertüre lebte hier echter Lustspielgeist. Das atemlos hereinbrechende Hauptthema und die selbstbewusste Melodie der Bläser wechselten sich in reizvoller Weise ab – und auch das vorwärtsdrängende Schlussthema besaß bei dieser Wiedergabe Grazie und Schwung. Der Reiz der Opera buffa mit ihren Crescendo-Steigerungen blühte bei der Arie „Ecco, ridente in cielo“ dank der Strahlkraft des Tenors Martin Mitterrutzner voll auf, während die Sopranistin Emma Pearson bei „Una voce poco fa“ mit ihrem schlanken Timbre besonders positiv auffiel. Nach diesen „Barbier“-Arien zeigte sich der satirische Geist Jacques Offenbachs mit der tänzerischen Rhythmik und den feinen harmonischen Parodien antiker Masken beim „Pariser Leben“ von seiner besten Seite. Und das Duett „Entrez, jeune fille a l’oeil bleu“ aus eben dieser Operette gewann dank Emma Pearson und Martin Mitterrutzner immer größere Intensität. Martin Mitterrutzner steigerte sich gesanglich nochmals bei der Arie „Se il mio rival deludo“ aus Rossnis „Türke in Italien“ zu imposanter Größe. Das fulminante Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele trumpfte vor allem bei Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ mit spannungsreichen Ostinati und prickelnden Rhythmen bei der Gewitter-Attacke gewaltig auf. Die liebliche Pastorale gefiel als lyrisches Duo zwischen Englischhorn und Flöte. Nach der Pause sorgte der berühmte „Can-Can“ bei Jacques Offenbachs Ouvertüre zur Operette „Orpheus in der Unterwelt“ für Begeisterungsstürme des Publikums. Mit gesanglichem Schmelz wartete Martin Mitterrutzner bei „Au mont Ida“ aus Offenbachs „Schöner Helena“ auf, während Emma Pearson als Olympia bei Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ auch darstellerisch für eine Glanzleistung sorgte. Nach der wiegenden Offenbach-Barcarole bildete die Ouvertüre zu Rossinis „La gazza ladra“ einen dynamisch facettenreichen Kontrast – und das Gesangspaar überzeugte nochmals mit reifer Kunst beim Duett „Ah, quel respect, madame“ aus Rossinis „Le Comte Ory“. Grandioses Flair besaß Jacques Offenbachs Ouvertüre zu „Gaite parisienne“, denn dabei brannte ein ungeheures Feuerwerk ab, das seinesgleichen suchte. Auch der „Galop infernal“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ entlockte dem Publikum frenetischen Jubel. 

 Alexander Walther

 

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