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LUDWIGSBURG/ Schlosspark: DIDO AND AENEAS. Sprung in die Tiefen des Meeres

Dido and Aeneas“ von Henry Purcell am 21.5.2022 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

Sprung in die Tiefen des Meeres

 Musik und Tanz sind ganz vereint in der subtilen Regie und Choreografie von Sasha Waltz (Bühne: Thomas Schenk, Sasha Waltz; Kostüme: Christine Birkle), die Henry Purcells Oper „Dido and Aeneas“ (die 1688 oder 1689 in London uraufgeführt wurde) in ein imponierendes Musiktheater des Tanzes verwandelt. Und mit einem Sprung der Protagonisten in die Tiefen des Meeres beginnt diese suggestive Inszenierung, die alle Möglichkeiten der Bühnendarstellung auslotet.

Die Götter missbilligen die Begegnung der karthagischen Königin Dido mit dem trojanischen Prinzen Aeneas und zerstören ihre Liebe. Eben erst vereint, muss sich das Paar auch schon wieder trennen. Als Aeneas die karthagische Königin Dido verlässt, haucht sie in einem bewegenden Lamento ihr Leben aus. Die Handlung in Didos Palast  spielt sich auf engstem Raum ab. Als sich Dido in Aeneas verliebt, wird sie von ihrem Gefolge sichtbar ermuntert, ihrer Neigung freien Lauf zu lassen. Doch auch die Zauberin hat sich mit den Hexen versammelt, um ihre Rivalin Dido ins Unglück zu stürzen. Ein Geist in der Gestalt Merkurs soll erscheinen und Aeneas an seine Pflicht erinnern, die Gestade Italiens zu suchen. Gerade diese Höhlen-Szene des zweiten Aktes besitzt bei Sasha Waltz eine starke Lebendigkeit und Farbigkeit. Und man spürt, wie sehr sich die Hexen bemühen, der Jagdgesellschaft von Dido und Aeneas den Spaß zu verderben. Didos Frauen erzählen Aeneas die Geschichte von Actaeon, der die Göttin Diana beim Baden beobachtete und als Strafe in einen Hirschen verwandelt und von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde. Im dritten Akt freut sich dann die Zauberin an den Schiffen über die gelungene Verschwörung und im Palast nimmt Aeneas von Dido Abschied. Dido versteckt sich hinter ihrer Haarpracht – sie spürt, dass sie nicht mehr weiterleben kann und begeht Selbstmord. Liebesgötter bestreuen ihr Grab mit Rosen.

Unter der Leitung von Christopher Moulds machen das glänzend  disponierte Vocalconsort Berlin und die Akademie für Alte Musik Berlin die Nähe Purcells zu Georg Friedrich Händel immer wieder deutlich. Marie-Claude Chappuis (Sopran) als Dido verleiht ihren Kantilenen eine betörende Strahlkraft, die sich auf Nikolay Borchev (Bariton) als Aeneas überträgt. Aphrodite Patoulidou (Sopran) als Didos Vertraute Belinda sowie Yannis Francois (Mezzosopran) als Zauberin bilden hier einen magischen Kreis, der die harmonische Vielschichtigkeit von Purcells Partitur einmal mehr offenbart. In weiteren Rollen überzeugen ferner Luciana Mancini (zweite Frau), James Way (erste Hexe, Seemann) und Michael Smallwood (zweite Hexe, Geist). Zu den Gesangssolisten gibt es darüber hinaus eine tänzerische Entsprechung. So begleiten Clementine Deluy und Michal Mualem Marie-Claude Chappuis als Dido, während Lukas Malkowski und Virgis Puodziunas Aeneas Gefolgschaft leisten. Und auch die anderen Gesangssolisten werden hier von  ausdrucksstarken Tänzern unterstützt. Dabei gerät die Bühne wiederholt in einen geradezu schwebend-sphärenhaften Zustand. Hinter der Realität lauert eine magische Welt, die ihre Geheimnisse offenbart. Auch die Akademie für Alte Musik Berlin beschwört die chromatischen Finessen und kontrapunktisch reichen Kombinationsmöglichkeiten von Henry Purcells Musik auf facettenreiche Weise. Die expressive melodische Linie steht bei Christopher Moulds‘ Interpretation in jedem Fall im Vordergrund. Und die rhythmische Akzentuierung mit wirkungsvollen Synkopen offenbart sich gerade bei den Tanzszenen. Der schlanke Satz wird durch die andauernde Bewegung innerhalb des Stimmengerüsts enorm belebt. Auch Lullys feierlich punktierter Achtelrhythmus bleibt zuweilen in geheimnisvoller Weise spürbar. Selbst die reizvollen Figurationen der Italiener blitzen leuchtkräftig hervor.

Jubel, große Begeisterung.

Alexander Walther

 

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