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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: NEDERLANDS DANS THEATER – ABTAUCHEN IN EINE TRAUMWELT

13.05.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

Nederlands Dans Theater 2 im Forum am Schlosspark Ludwigsburg: ABTAUCHEN IN EINE TRAUMWELT

Nederlands Dans Theater 2 am 12. Mai 2015 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

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Copyright: Rahi Rezvani

Die achtzehn Akteure im Alter von 17 bis 23 Jahren, die zum 1959 gegründeten Nederlands Dans Theater 2 gehören, haben aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungen allesamt eine große Zukunft. Davon konnte man sich auch beim gefeierten Gastspiel im Forum am Schlosspark überzeugen. In der Choreografie von Johan Inger spiegelt sich beim Stück „B.R.I.S.A.“ Erwachen und Veränderung. Ingers Sinn für Humor blitzt zwischen melancholischer Grundstimmung und projizierten Wolken sowie Trippelschritten beim Tanzen mit Laubbläser, Fächer und Föhn in reizvoller Weise auf. Dazu passen dann auch die harmonisch vielschichtige Auftragskomposition von Amos Ben-Tal und die einfallsreichen Stücke „Black Swan“, „Wild is the wind“ und „Sinnerman“ von Nina Simone (Kostüme: Bregje van Balen). Federleichte Bewegungen und schnelle, spielerische Wechsel schaffen hier eine geradezu elektrisierende Spannung, die die Tänzerinnen und Tänzer auch in Ludwigsburg fesselnd umsetzten. In der subtilen Choreografie von Sol Leon und Paul Lightfoot gefiel zudem die kurze Studie „Shutters Shut“ nach dem Gedicht „If I Told Him: A Complete Portrait of Picasso“ aus dem Jahre 1923 – geschrieben und gelesen von Gertrude Stein. Hier versucht sie erfolgreich, die Lektionen des Kubismus in Literatur zu übertragen. Das Duett für einen Tänzer und eine Tänzerin (Spencer Dickhaus und Imre van Opstal) fasziniert aufgrund feiner bewegungstechnischer Nuancen der Körpersprache, die Steins Worte und den musikalischen Rhythmus ihres Vortrags kongenial übersetzt. Die vielen Gesten prägen sich tief ein: „Shutters shut and open so do queens…“ Die israelischen Choreografen Sharon Eyal und Gai Behar haben das Tanzstück „Sara“ mit Bewegungen und elektronischen Klängen von Ori Lichtik erarbeitet. Erinnerungen, Träume, Gefühle, Inspiration und Einsamkeit bilden dabei einen vielschichtigen visuellen Kosmos. Leid und Mitgefühl beherrschen das Leben. Alles entspringt dem Unterbewusstsein und ist zugleich sehr menschlich. Der Einzelne und die Gruppe stehen im Mittelpunkt. Man soll nicht aus der Reihe tanzen. Das stellt die Kompanie hervorragend dar. Eyals Bewegungen wirken hart und bis in die kleinste Geste hinein ausgefeilt. Dadurch erscheinen die eng gruppierten Tänzer in einem reduzierten Raum mit spärlichen Gesten wie eine seltsame Skulptur. Obwohl das letzte Stück „Left Right Left Right“ von Alexander Ekman demgegenüber etwas abfällt, vermag die Arbeit mit den 18 jungen Tänzern letztendlich dennoch zu überzeugen, denn es wird der Gruppe im Spiel mit Laufbändern ein Höchstmaß an Präzision und synchronen Bewegungen abverlangt. Dazu hört man neben der surrealen Auftragskomposition von Mikael Karlsson die „Pizzicato-Polka“ von Johann und Josef Strauss. Diese Studie steigert sich unter Einsatz von 16 Laufbändern, Theatralik und moderner Klanglandschaften zu einem regelrechten Pizzicato-Wirbel, der ungemein unter die Haut geht.

Riesenjubel auch für diese letzte Choreografie, wo sich eine einzeln schreitende, rot gekleidete Frau gegenüber der Gruppe deutlich abhebt.

 Alexander Walther

 

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