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LÜBECK: DER RING DES POLYKRATES / DAS GEHEIME KÖNIGREICH – Premiere

03.03.2012 | KRITIKEN, Oper

LÜBECK: DER RING DES POLYKRATES / DAS GEHEIME KÖNIGREICH – Zuzana Marková – In Lübeck ging ein neuer Stern am Opernhimmel auf. Premiere am 2.3.2012

Von Horst Schinzel


Foto: Jochen Quast

 Die Namen der Komponisten Erich Wolfgang Korngold (1897 –1957und Ernst Krenek (1900 1991) sagen dem heutigen Musikfreund kaum mehr etwas. Ihr gemeinsames Schicksal war, dass während der NS-Diktatur ihrer jüdischen Herkunft halber in die USA emigrieren mussten. So geriet ihr hoffnungsvoll begonnenes Opernschaffen im deutschsprachigen Raum in Vergessenheit. Das gilt sowohl für Korngolds „Die tote Stadt“ wie für Kreneks „Johnny spielt auf“- eine anfänglich sehr beachtete Jazz-Oper. Immerhin hat sich Korngold  als Filmkomponist in Hollywood einen Namen gemacht. Sein früher Tod war Ursache, dass dies in Europa wenig beachtet worden ist.

 Dabei haben beide Komponisten in den Zwanziger Jahren Kurzopern geschaffen, die es durchaus wert sind, auf die Bühnen zurück zu kehren. Dies zeigt eine reizvolle Neuproduktion des „Der Ring des Polykrates“ und „Das geheime Königreich“, die das Theater Lübeck im vergangenen Herbst zusammen mit dem „Festival della Valle d’Itri in Martina Franca im italienischen Apulien herausgebracht hat. Diese Einstudierung hatte jetzt im Lübecker Haus ihre Premiere. Und wurde zu einem großen musikalischen Erlebnis. Sicher sind vor allem Korngolds Dissonanzen gewöhnungsbedürftig, aber wenn sie so charmant gespielt und gesungen werden, wie an diesem Abend, können sie durchaus gefallen. Kreneks jazzige Karikatur eines Umsturzes in einem imaginären Königreich stellt an die Sänger enorme Anforderungen. Vor allem an die Sängerin der Königin, in der die erst vierundzwanzigjährige tschechische Sopranistin Zusana Marková dem Lübecker Publikum vorstellte. Und dies mit einer kaum glaublichen Bravourleistung geradezu unglaublicher Koloraturen. Die junge Sängerin wirkt bislang vor allem im italienischen Raum. Ihr ist eine große Karriere auch auf dem deutschsprachigen Theater vorauszusagen.

Gleiches gilt für den jungen englischen Gast Hugo Mallet als Hofkapellmeister im Ring des Polykrates“. Er beeindruckt an diesem Abend nicht zuletzt durch seine saubere deutsche Aussprache. Ihm steht Ausrine Stundyte als seine Frau glänzend zur Seite. Großartig auch Anne Ellersiek , Daniel Szeili und Antonio Yang in beiden Einaktern  wobei Yang eine geradezu groteske Sterbeszene auf die Bühne bringen muss.

Wie überhaupt Franco Ripa di Meana eine überaus fantasievolle Einstudierung in das recht verwirrende Bühnenbild von Tiziano Santi stellt. Dagegen passen die Kostüme von Marco Idini zumindest beim „Ring des Polykrates“ nicht zu der Zeit, in der das Stück spielt. Anton Marik hat das Philharmonische Orchester sehr gut im Griff, während einige Solisten erkennbar sehr an seiner Taktgebung hängen. Den wenig geforderten Chor hat Joseph Feigl präzise einstudiert.

Das Premierenpublikum ist begeistert und feiert alle Mitwirkenden lang und ausgiebig. Schade, dass diese gelungene Produktion nicht in die nächste Spielzeit übernommen werden soll.

 Nächste Aufführungen: 11. März, 16 Uhr, 30. März, 5. April ,jeweils 19.30 Uhr.

 

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