Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

LINZ/ Landestheater: PARSIFAL – Karfreitagszauber diesmal kurz von Pfingsten

Karfreitagszauber zu Pfingsten – Parsifal im Musiktheater Linz 26.05.2022

Richard Wagner, "Parsifal", Landestheater Linz
Martin Achrainer (Amfortas). Foto: Linzer Landestheater/ Reinhard Winkler

War es das lange Feiertagswochenende, Coronaregime-Spätfolgen oder einfach die unübliche Zeit für das Bühnenweihfestspiel – es überraschte nach den guten Kritiken ein nur halbvolles Haus sehen zu müssen.

Und überraschend war auch die Leistung des Bruckner Orchestesr und des Chores. Grundlage das sehr ambitionierte Wirken ihres Dirigenten Markus Poschner. Sehr detailliert, spannungsgeladen – immer auf die Sänger Bedacht genommen – gelang es ihm die gesamte Dynamik und den Oratorien haften Aufbau der Partitur auszukosten. So modellierte er den Abend zu einem wirklich breiten Bogen. Er bewies somit in guter kapellmeisterlicher Tradition ein wirklicher Leistungsträger, nicht nur dieser Aufführung und nicht nur für dieses Haus zu sein. Zurecht erhielt er den stärksten Applaus an diesem Abend.

Die Besetzung mit dem respektablen Martin Achrainer als wortdeutlichen und sehr gut singenden Amfortas, William Mason – mit 75 Jahren – ein mehr als rollendeckender Titurel. Ein mächtiger Klingsor mit Adam Kim, auch die Gralsritter und Zaubermädchen haben kaum Wünsche offengelassen und waren schon in den vorangegangenen Vorstellungen zu hören.

Auch Katherine Lerner als Kundry war in der Premiere zu hören und verfügt über ein mächtiges Stimmvolumen, es gelang ihr eine teilweise sehr intensive Rollengestaltung.

Heiko Börner als Titelheld nutzte im 3. Akt die heldischen Momente sehr beeindruckend. Ohne Müdigkeit mit robuster Stimme gestaltete er den Toren sehr markant, wenn es seinem gut geführten Bariton-Tenor auch an Strahlkraft fehlte.
Zuletzt noch der niederösterreichische Bass Michael Wagner als Gurnemanz. Ein nie sonor röhrender, sondern klar artikulierendes, feines Piano singender und sein Organ wunderbar einsetzender eigentlicher Titelheld.

Die Inszenierung wurde schon mehrfach lobend erwähnt und erwies sich mehr als Repertoire tauglich.

Trotz des eher schütteren Besuches intensiver & anhaltender Applaus und verdiente Bravo Rufe für das gesamte Ensemble. Der Abend hätte sich ein volles Auditorium verdient.

Rudolf Smolej

 

Diese Seite drucken