Linzer Landestheater 23.3.2025: Galakonzert von Heldentenor ANDREAS SCHAGER
als seine musikalische Visitenkarte
Märchenhaft könnte man die Karriere von Andreas Schager nennen: vom niederösterreichischen Bauernsohn zum international berühmten Heldentenor allerersten Ranges. Mit dem Galakonzert im Blumen-geschmückten Großen Saal des Musiktheaters gab er in Linz sein Debüt und zog zugleich gemeinsam mit dem Publikum Bilanz über seinen künstlerischen Werdegang. Mit dem großartigen Bruckner Orchester Linz (BOL) unter der schwungvollen Leitung des vielseitigen spanischen Dirigenten Guillermo Garcia Calvo im Rücken, das er mühelos „über-sang“, entstand da ein unmittelbarer Kontakt, der weit über „normale“ Begeisterung hinausging. Die charmante Moderatorin des Abends, der auch im ORF ausgestrahlt wurde, war Johanna Berjui vom ORF.
Blendend aussehend im modischen weinroten Sakko, sprang Schager mit Puccinis „Nessun dorma“, der Arie des Kalaf aus der Oper „Turandot“, sozusagen mit beiden Beinen zugleich, mitten ins dramatische Operngeschehen hinein. Eine Aufwärmphase brauchte sein strahlender Tenor nicht; die Stimme war sofort voll da! Und die Welle festlicher Stimmung griff auf Publikum und Orchester gleichermaßen über. Auf den exotisierenden Belcanto-Einstieg mit der „Turandot“ folgten Szene und Arie des Lenski aus Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“, in deutscher Sprache gesungen, was der elegischen Grundstimmung des in Todesahnungen befangenen Lenski musikalisch keinerlei Abbruch tat. Schager griff dabei offensichtlich auf seine Mozart- und Liederfahrung zurück und bewies, dass sein Heldentenor durchaus jung genug auch zu lyrischem Ausdruck geblieben ist. Wunderbar.
Im Gespräch erzählt er, dass er kein Wunderkind der klassischen Musik gewesen sei. Erst mit 14 nach dem Hören einer Schallplatte mit Arien von Fritz Wunderlich hätte bei ihm der Funken für die Oper gezündet und der Wunsch, Sänger zu werden, von ihm Besitz ergriffen.
Deutschsprachig ging es auch weiter zur Wiener Klassik mit Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“. Nach der vom Brucknerorchester wunderschön gespielten, weniger bekannten Introduktion der Urfassung von 1805 (insgesamt gibt es 4 Ouvertüren zu Fidelio/Leonore), in welcher sich bereits die Dunkelheit des Kerkers widerspiegelt, sang Schager unmittelbar ergreifend und kraftvoll anschwellend die Arie des Florestan „Gott, welch‘ Dunkel hier – In des Lebens Frühlingstagen“.
Eine Überleitung zu Mozart’scher Lieblichkeit stellte das poesievolle Schubert-Lied „Du bist die Ruh“, D. 776, dar, nach einem Text aus einer Gedichtsammlung von Friedrich Rückert (1788-1866).
Mit der Arie des Ferrando aus Mozarts Oper „Così fan tutte“ kehrt Schager zurück zu seinen Anfängen, die noch während seines Studiums an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit dieser Rolle am Schönbrunner Schlosstheater erfolgten, vor seinem ersten Engagement in Deutschland am Theater Krefeld und Mönchengladbach als lyrischer Operettentenor. Von dort aus wurden viele Tourneen unternommen, die nicht nur eine gute Kondition und starke Nerven, sondern auch einen hohen Grad an künstlerischer Flexibilität und Spontaneität erforderten, aber für einen jungen Sänger auch eine große Chance bedeuteten.
Zum 2. Teil des Abends tritt Schager in Lederhosen und Trachtengilet auf und schmettert das Entrée des Adam aus dem „Vogelhändler“ von Carl Zeller, „Griaß enk Gott, alle miteinander“ und hat damit natürlich die Lacher auf seiner Seite.
In seinem Jubiläumsjahr darf Operettenkaiser Johann Strauss Sohn natürlich keinesfalls fehlen. Mit dem Lied des Grafen „Als ich ward ihr Mann – Was nützt der gute Vorsatz mir“ aus der Operette „Wiener Blut“ und dem Entrée-Couplet des Barinkay „Ja, das alles auf Ehr‘- das kann ich und noch mehr“ aus dem „Zigeunerbaron“ kam Andreas Schager zurück auf seine Zeit als Operettentenor, die er keinesfalls missen möchte.
Und wie im richtigen Leben auch, geht von da aus sein nächster Schritt ins Wagnerfach weiter. Sein Debüt darin fand 2009 bei den Tiroler Festspielen Erl in „Die Meistersinger von Nürnberg“ statt. Die Wiedergabe der Ouvertüre zu Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ durch das BOL geht dem Schmiedelied Siegfrieds „Hoho!Hoho! Hohei! Schmiede, mein Hammer“ voraus, zu welchem ein mobiler Amboss hereingerollt wurde, auf dem Schager taktgenau sein Schwert Notung schmieden konnte. Dabei erzählt er, dass er seinen ersten Siegfried in Halle an der Saale gesungen hätte und danach in Bayreuth der erste österreichische Siegfried war. Und seinen ersten Rienzi sang er 2011 am Staatstheater Meiningen.
„Nur eine Waffe taugt“ – nämlich die heilige Lanze, mit der Parsifal die Wunde des Amfortas schließt. Auch diese Rolle sowie die darauf folgende gehört zu Schagers fixem Repertoire.
In der Szene Siegmunds aus Die Walküre (Zweiter Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“) ist indirekt wiederum eine Waffe im Spiel; es ist abermals das Schwert Notung, das Siegmund aus dem Stamm der Esche zieht nach seinem Liebesgeständnis an seine Schwester Sieglinde mit dem Lied „Winterstürme wichen dem Wonnemond“. Eine Ode an den aufblühenden Liebeslenz. Schager interpretiert sie so frisch und sensibel, dass man sich wünscht, sie möge nicht enden. Zum echten Wagner-Verständnis rät er, den Intellekt auszuschalten und seine Musik wie Filmmusik ganz auf sich wirken zu lassen.
Das alles kann er – und noch mehr! Ein Highlight für Tenöre: das spanische Kunstlied „Granada“ als Zugabe, beschloss diesen herrlichen Galaabend. Das Publikum dankte es Andreas Schager – dessen erster Auftritt in Linz das war! – und dem großartigen Brucknerorchester mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus.
Ursula Szynkariuk
PS. Als ebenfalls präsente Bewunderin dieses heldentenoralen Alleskönners verzichte ich auf einen eigenen Bericht, denn ich kann mich in allem dem Urteil meiner Merker-Kollegin anschließen. Wir freuen uns auf seine Wiener „Ring“- Abende im Mai und Juni – erstmals Siegmund und beide Siegfriede!
Sieglinde Pfabigan