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LINZ/ Bucknerhaus: Don Juan fest in spanischen Händen: Spanisches Nationalorchester enthusiastisch gefeiert

Don Juan fest in spanischen Händen

Spanisches Nationalorchester enthusiastisch gefeiert

Orchester aus Spanien sind eher selten anzutreffen im Brucknerhaus. Dabei hätte man für das Orchesta Nacional de Espana ein ausverkauftes Konzert erwartet. Leider sind etliche Plätze im Großen Saal leer geblieben. Neugierde wecken sollte doch der 43 jährige Pultchef des Klangkörpers David Afkham aus Freiburg im Breisgau mit iranischen Wurzeln, geplant als künftiger Chefdirigent unseres Bruckner Orchesters und damit Nachfolger von Markus Poschner. Dass daraus nichts wird, mögen einige Konzertbesucher bedauerlich gefunden haben. Wurden aber bald glücklich mit dem neuen Stabführer. Die Spanier leitet Afkham seit 2014, das war auch nicht zu überhören, so fest waren Liebe und Kommunikation mit seinem Orchester vermutlich nicht nur in musikalischen Belangen rasch zu fühlen. Welches Glück, dass er seine Visitenkarte nun in Linz abgeben konnte. Afkhams Dirigat strahlt von einer äußerst sympathischen Ausstrahlung charismatischer Größe. Mit sanfter aber ausdrucksstarker Gestik geht er in der Musik auf, völlig ohne übertriebene Zeichengebung mit dem Resultat eines facettenreichen Musizierens. Nicht umsonst wurden er und seine Musikern spontan stürmisch erobert und ins Herz geschlossen. Dabei war es für die Gäste wichtig, als Botschafter ihrer Heimat aufzutreten, weshalb im Programm, angesiedelt zwischen Spanien und Deutschland, mehr spanische Komponisten und deren Namen den Schwerpunkt bildeten. Einem Kunststück glich die sinngemäße und passende Ausgewogenheit der Werke aus beiden Ländern, in denen – wie erfindungsreich – die literarische Figur des „Don Juan“ gleich mit drei Beispielen die Hauptrolle übernahm. Aber es war nicht der Bösewicht, der Unhold, der sein Unwesen trieb, sondern das Konzert am Schluss in eine berauschende Welt voll Freude und Genuss zum happy end führte. Das Publikum sollte nicht verführt werden. Das besorgten schon die gestalterisch herrlichen Ausführungen des exklusiven Abends, dessen Anfang und Ende das spanische Synonym des Tanzes zum Klingen brachten. Da standen zu Beginn die Danzas fantásticas op. 22 in drei Sätzen von dem hier wenig bekannten Joaquin Turina (1882-1949), einem schöpferisch ungemein vielseitigen für Spanien bedeutenden  Tonsetzer mit 104 Opuszahlen, der übrigens auch das spanische Nationalorchester gründete. So etwas wie ein Pflichtstück war also seine Tanzfolge, deren Stil stark den französisch beeinflussten Impressionismus und folkloristische Themen aus Andalusien verriet, die  das Orchester effektiv nachzeichnete. Wilde orgiastische Paukenschläge (der dritte Tanz nennt sich auch „Orgie“) wechseln mit versöhnlichen Melodien. Einen verkappten Don Juan sollte das Sittenbild darstellen. Turinas Pädagoge Manuel de Falla (1876-1946) hat die drei Sätze Nr. 2 aus seinem Ballett „Der Dreispitz“ inhaltlich als leichtere Tänze konzipiert. Sein Don Juan erzählt von einer freien Liebesgeschichte nach einer gleichnamigen Novelle und ist der dritte Held dieses Abends. Die eigenständige Musik de Fallas nicht ohne zeitliche Anlehnung schöpft unverkennbar aus dem kreativen Dialog mit der Geschichte Spaniens. Es spricht ja auch für das Werk, dass kein Geringerer als Sergej Diaghilew sich dafür interessierte und eine Umarbeitung bei de Falla angeregt hatte. Den Mittelteil des Programms reservierten deutsche Meister für sich. Robert Schumann mit seinem beliebten späten Cellokonzert a-moll op. 129, das den Solisten Pablo Farrández (Jg. 1991) mit seiner Stradivari nach Linz brachte. Aus der ersten Reihe der gefragten Instrumentalisten kommend, wurde sein grandioses Spiel mit starkem Beifall quittiert. Zum Dank gab es leider nur ein kurzes Encore, das der Virtuose bescheiden servierte. Nicht fehlen durfte in dem bunten Reigen natürlich nicht die erfolgreichste aus der Reihe der Tondichtungen von Richard Strauss, “Don Juan“ . Das Opus 20 liebäugelt mit avantgardistischen Merkmalen, verwendet aber in seinem Werk frei überlieferte Formmodelle bei größter Anpassung an die literarische Vorlage. Afkham brachte hier sein Orchester förmlich zu duftendem Blühen und spielte mit allen Reizen eines spätromantischen Klanges. Die farbliche Fassade seiner Musiker führte zu einem rauschhaft-suggestiven Klanggewand, das ihn zuletzt selbst in eine Euphorie versetzte und nochmal zu Zugaben aufgelegt war, nach denen sich das jubelnde Publikum fast nicht verabschieden wollte. Was ein „Don Juan“ so alles anrichtet. Das sagt eigentlich alles über das nachhaltig wirksame Erlebnis mit den Spaniern.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

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