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LIEDER IM VOLKSTON

30.06.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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LIEDER IM VOLKSTON – 29 Weltersteinspielungen, OEHMS CLASSICS CD

Regina Mühlemann, Okka von der Damerau, Wolfgang Schwaiger, Tareq Nazmi

 

Moderne Volkslieder komponiert für ein Preisausschreiben der Zeitschrift „Die Woche“ im Auftrag des August Scherl-Verlags, Berlin 1903

Die auf dieser ungewöhnlichen Lied-CD (Oehms in Koproduktion mit BR-Classics) präsentierte Auswahl eröffnet ein breites Spektrum des stilistisch durchaus variablen Liedschaffens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Insgesamt 32 lyrisch melodische Schöpfungen fallen auf bekannte Tonsetzer wie Eugen D’Albert, Hans Pfitzner, Max Reger, Engelbert Humperdinck, Max Schillings, Wilhelm Kienzl oder Siegfried Wagner ebenso wie auf unbekanntere Komponisten von Hans Doebber, Hermann Zumpe, Bogumil Zepler, Henning von Koss, Carl Reinecke oder Hans Sommer. Allerdings war Max Reger, der selbstverständlich davon ausgegangen war, dass sein Lied „Waldeinsamkeit“ unter den preisgekrönten sein würde, not amused, als er erfuhr, dass die Jury seinen Beitrag abgelehnt hatte. Als späte Wiedergutmachung ist das Lied jetzt auf dieser CD als Track 1 eingespielt worden.

Entstanden ist dieses hier aufgenommene erste von drei Heften auf wahrlich ungewöhnliche Art und Weise: „Die Woche“ schrieb 1903 einen Kompositionswettbewerb aus. Kurze, schlichte und leicht fassliche Kunstlieder, wie sie etwa in alter Zeit von Franz Schubert geschrieben worden waren, nur jetzt in modernem Stil, für den Gebrauch in Salon und Hausmusik. Von den eingesandten Liedern wurden 30 Lieder ausgewählt und in einem Sonderheft veröffentlicht. Bei der Erstaufführung stellte sich heraus, dass viele dieser Lieder zwar im Volkston gehalten waren, aber aufgrund ihrer Komplexität doch eher Kunstliedern ähnelten. Kurz und gut, der Verlag August Scherl hat im gleichen Jahr noch einen zweiten Wettbewerb initiiert. Diesmal wurden nicht Komponisten direkt kontaktiert, sondern es erfolgte ein öffentlicher Aufruf. Das Ergebnis waren sagenhafte 8.859 vorgelegte Lieder von Organisten, Chorleitern, Musikstudierende bis hin zu Hobbykomponisten.

Was heißt nun im Volkston? „Das Vertraute prägt sich ein, doch nur das Außergewöhnliche lässt aufhorchen. Den schmalen Grat zwischen den beiden Extremen zu treffen, ist möglicherweise ein Rezept für gelungene Lieder im Volkston“, meint Stefanie Steiner-Grage im dokumentarisch gut aufbereiteten Booklet. „Einfachheit, Fasslichkeit, Popularität, edle Simplizität“ waren schon weit zuvor im 19. Jahrhundert gefundene Beschreibungen für einen musikalischen Volkston, die nicht zuletzt dank Brahms auch auf das Kunstlied übertragen und dafür sorgten, dass sich die Grenzen zwischen den beiden Genres immer mehr verwischten.

Jedenfalls ist die musikalische Qualität der auf dem neuen Album vorgestellten, meist sehr kurzen Lieder (das längste Lied von Leo Blech „Schön Rohtraud“ dauert 3.39) überraschend hoch. Pianist Adrian Baianu begleitet die vier Solisten Regula Mühlemann (Sopran), Okka von der Damerau (Mezzo), Wolfgang Schwaiger (Bariton) und Tareq Nazmi (Bass) in den teils durchaus anspruchsvollen Schöpfungen „ungesucht“ und voller Neugier. Eine Fundgrube für alle Freunde des Liedgesangs! Der Anfang ist gemacht. Wir dürfen uns schon jetzt auf die CDs mit Liedern der Hefte zwei und drei freuen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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