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LETTLAND/ RIGA: REKORDFEIER ZU LETTLANDS 100. GEBURTSTAG

Ein Fest der Farben und Stimmen.

Lettland/Riga: Rekordfeier zu Lettlands 100. Geburtstag, ein Fest der Farben und Stimmen vom 6. – 9.Juli 2018


Riga, Blick über die Daugava auf den Dom. Copyright: Ursula Wiegand

Mit 43.000 aktiven Teilnehmern und Teilnehmerinnen wurde in Riga drei Tage lang vom Mittag bis weit nach Mitternacht Lettlands 100. Geburtstag intensiv gefeiert. Eine Rekordzahl angesichts einer Gesamtbevölkerung von knapp 2 Millionen, davon rund 62 Prozent Letten.


Daugava-Stadion, in „Maras Land“ wird getanzt. Copyright: Ursula Wiegand

18.000 Tänzerinnen und Tänzer zelebrierten ein begeisterndes Fest der Farben. 16.500 Sängerinnen und Sänger aller Altersklassen erfüllten zwei riesige Stadien, aber auch Parks und Straßen mit Wohlklang. 65 Events wurden geboten, davon 44 gratis.


Tänzerinnen posieren vor dem Daugava- Stadion. Copyright: Ursula Wiegand

Außerdem taten 8.500 Instrumentalisten, Theatergruppen und Kunsthandwerker/innen – alle  nimmermüde – das Ihre, um ihr Land zu feiern und das Publikum aus dem In- und Ausland zu erfreuen. Von Kindern bis zu Weißhaarigen sorgten alle für eine Superstimmung in diesem liebenswerten Land, das nur knapp die Fläche Bayerns erreicht.  


Jugendorchester musiziert im Park. Copyright: Ursula Wiegand

Lettland hat wirklich allen Grund zu feiern, ging doch die am 18. November 1918 errungene Selbstständigkeit durch die zwangsweise Eingliederung in die damalige Sowjetunion 51 Jahre lang weitgehend verloren. Erst durch die Unabhängigkeitserklärung vom 20.08.1991 hat Lettland seine Freiheit wiedererlangt.

Den Nachbarn Estland und Litauen erging es nicht besser. Legendär ist daher die Menschenkette durch alle drei Länder am 23.08.1989. Die mutigen Balten haben sich damals ihre Freiheit ersungen und wissen besser als die Menschen in vielen anderen Staaten um den Wert der Freiheit, die nun mit einem spektakulären Gesangs- und Tanzfestival gefeiert wird. 


Daugava-Stadion, Kampfszene aus „Maras Land“. Copyright: Ursula Wiegand

Dieses Festival geht zurück aufs Jahr 1864 und wird alle fünf Jahre begangen. Doch diesmal mit besonderer Power. Die Vorführungen von den insgesamt 18.174 Tänzern  und Tänzerinnen unter der Obhut diverser Choreographen beeindruckten durch ihr Bewegungsvokabular und perfekte Schritttechnik fern aller Volkstümelei. Bei dem an zwei Folgetagen gebotenem „Großen Tanzkonzert Maras Land“, das die Geschichte Lettlands veranschaulicht, schien das ganze Daugava Stadion mit seinen 10.460 Plätzen zu swingen.


Daugava-Stadion, Jubelszene aus „Maras Land“. Copyright: Ursula Wiegand

Dem Gesang  und Tanz war das ebenfalls wiederholte Große Schlusskonzert „Der Weg in den klaren Sternenhimmel“ gewidmet. Am „Tatort“, dem Mežapark-Openair-Stadion mit 30.550 Plätzen, engagierten sich 20.073 singende und tanzende Teilnehmer/innen für den Ausflug bis in die Milchstraße. Die Chöre hatten sich vorab bei einem Chorwettstreit am 1. Juli qualifizieren müssen. Das Ergebnis: glasklare Kinder- und Frauenstimmen, urgewaltige Männerchöre, alle mit perfekter Intonation und satter Klangfülle.  


Mezapark, Sängerin auf Video beim Schlusskonzert. Copyright: Ursula Wiegand

Nicht Bach, Beethoven und Brahms wurden geboten. Die Stücke stammten sämtlich von lettischen Komponisten, zeigen großes musikalisches Können mit deutlicher Tendenz zum Wohlklang. Zahlreiche Dirigenten und Dirigentinnen animierten die ihnen Anvertrauten.

Ein Muss bei allen Gesangs- und Tanzfestivals ist das während der Sowjetzeit verbotene Stück „Das Schloss des Lichtes“, gesungen von allen Chören gemeinsam, gewaltig, machtvoll

und immer noch tonschön. Ein Gänsehaut-Ereignis. Dem folgte am 8. Juli noch ein Singen zusammen mit dem Publikum, bis 5 Uhr in der Früh!


Mezapark, mit Tuben durch die Publikumsreihen. Copyright: Ursula Wiegand

Zu den Highlights zählte auch die ausverkaufte „Kokle Musiknacht“ im 800jährigen Dom. Die aus Holz gefertigte Kokle ist eine Art Zither mit unterschiedlicher Anzahl von Saiten. Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Instrument ist im Baltikum und bis nach Russland verbreitet. In Lettland wird das traditionelle Kokle-Spielen im Musikunterricht der Schulen gelehrt.  Im Dom gesellte sich mitunter ein Chor hinzu. Insgesamt sehr sanfte Stücke, geleitet von vier Dirigentinnen, waren zu hören. Eine sehr entspannende Musik.


Tanzgruppe im Park. Copyright: Ursula Wiegand

Von den insgesamt 65 Events, 44 davon kostenlos, fanden die Gratis-Konzerte und Tanzdarbietungen in den Parks besonderes Interesse. Auch Gast-Musiker und –Ensembles hatte man eingeladen. Viel Beifall erhielt eine Tanz- und Gesangsgruppe aus Weißrussland. Rundliche Damen mit gut gerundeten Stimmen. Den Clou lieferte jedoch ein ägyptischer Jonglier-Künstler, der etwa 20 Minuten lang bunte Tücher wie Riesen-Sonnenschirme um sich herum drehte und damit lachend sogar durchs Publikum spazierte.


 Gäste aus Weißrussland beim Konzert im Park. Copyright: Ursula Wiegand

Doch damit nicht genug. Es wird weiter gesungen und getanzt. Sogar ein traditioneller Ball im Grünen wird wiederbelebt und am 11. August im ganzen Land getanzt. Vom 17.-19. August findet dann das Riga-Festival statt. Auch in der Nationaloper gibt es dann Sehens- und Hörenswertes.

Großartig wird es noch einmal beim traditionellen Lichtfest vom 16.-19. November, in das diesmal der 100. Staatsgeburtstag hineinfällt. Mit einer Parade und einem großen Feuerwerk endet die Happy Birthday Party. – Weiteres unter www.lv100.lv/en.  

Ursula Wiegand

 

 

 

 

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