Davel an der Opéra de Lausanne, Uraufführung. Besuchte dritte Vorstellung am 3.2.2023
Uraufführung

Foto: Jean-Guy Python
Fast genau 300 Jahre später bekommt diese wahre Geschichte eine neue Plattform; als Opernkomposition. Im Lausanne ist Davel omnipräsent. Sei das in Bildern im kantonalen Museum oder sei dies als Monument auf der Strasse.
Dieses Auftragswerk wurde komponiert vom Schweizer Christian Favre. Er ist durch seine Lehrtätigkeit und seine Konzerte, die er gibt, sehr bekannt. Nicht nur das; der am 23. Januar 1955 in Lausanne geborene Christian Favre ist Solopianist, Kammermusiker und Professor. Seine Musik ist eingängig und verständlich und verfügt über viel Harmonie. Man hört seinen Kompositionen gerne zu und lässt sich fesseln von der intensiven und bezaubernden Musik. René Zahnd hat das Libretto dazu geschrieben, er war lange Zeit ein Theaterkritiker, gehörte dem Direktorium des Théâtre de Vidy Lausanne an und publiziert heute Bücher.
Handlung
Patriotische Gefühle und mystische Visionen drängten Davel dazu, die Waadt von der Herrschaft Berns zu befreien. Am 31. März 1723 marschierte er in Begleitung von 500 bis 600 Soldaten, die zufällig zu einer Inspektion versammelt waren, in Lausanne ein, als der bernische Landvogt abwesend war. Dort versammelte er den Gemeinderat und legte ihm ein Manifest vor, mit dem er der bernischen Regierung zahlreiche Missbräuche vorwarf. Anschliessend veröffentlichte er seinen Plan für die Unabhängigkeit des Waadtlandes. Der Stadtrat täuschte angesichts der vorgetragenen Missstände Interesse vor, sandte aber gleichzeitig hastig einen geheimen Bericht nach Bern. Auf Befehl Berns wurde Davel am 1. April festgenommen. Er behauptete unter schwerer Folter, sein Auftrag sei ihm direkt von Gott gegeben worden und er habe keinen Komplizen. Auf Anordnung der bernischen Regierung wurde er vom Bürgergericht Lausanne zum Tode verurteil; er wurde am 24. April 1723 auf dem Richtplatz in Vidy enthauptet.

Foto: Jean-Gy Python
Inszenierung
Der Regisseur Gianni Schneider lässt sich sehr stark von den Gemälden des Jean Daniel Abraham Davel inspirieren die sich im Museum von Lausanne befinden. Seine Regiearbeit ist klassisch, eingängig und ermöglicht eine klare Personenführung. Mit einer sehr gelungenen Videoproduktion von Sébastien Dupouey werden die Gemälde des Davel vom Museum ins Theater projiziert. Das museale Gemälde der Enthauptung widerspiegelt sich in einer Symbiose eins zu eins in der lebendigen Szene auf der Bühne.
Ensemble
Regis Mengus singt und spielt sehr gekonnt den Hauptdarsteller Davel. Die Musik scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Er entfaltet viel Empathie und Freude an der Rolle, die spürbar ist.
Francois Lys als von Wattenwyl welcher ihn anklagt und die Macht Berns ausübt spielt den perfiden Machthaber mit seinem fiesen Verhalten hervorragend. Der Verräter und Ankläger Davels (De Crousaz) wird von Christophe Berry dominant und furchteinflössend gespielt und gesungen. Alexandra Dobos-Rodriguez verkörpert die (La belle inconnue) mit viel Verve und Schöngesang. Es wird nicht klar, ob diese Frauengestalt wirklich existierte, sie verkörpert seine innersten Wünsche und sie vermittelt viel Liebe und Verständnis für Davel. Seien Mutter wird von der Münchnerin Susanne Gritschneder interpretiert. Sie stellt eine stämmige und furchtlose Mutter dar die ihren Sohn bis zum Tode in Schutz nimmt. Davel war sehr karitativ und gab Geld an das dazumal eher arme Volk weiter. Gespielt wurden diese armen Leute von Anouk Molendijk, Elisabeth Montabone und Mohamed Haidar welche das hervorragende Ensemble sehr gut ergänzten.
Dirigat, Orchester und Chor
Der Dirigent dieser Uraufführung ist Daniel Kawka welcher diese moderne Musik mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne glänzend einstudiert hat. Das Orchester ist hochmotiviert und verfügt über die nötigen Klangfarben für diese neue Komposition. Der Chor der Opera de Lausanne wurde von Pascal Meyer gut vorbereitet und leistet ebenfalls grosses für diese neue Werk.
Nun bleibt nur zu hoffen, dass man dieses Werk und seine neuzeitliche Komposition nicht vergessen wird. Das wäre gänzlich Schade für die Geschichte wie auch für die Musik.
Marcel Emil Burkhardt
Jean Daniel Abraham Davel, genannt Major Davel (* 20. Oktober 1670 in Morrens; † 24. April 1723 in Vidy) war ein Schweizer Freiheitskämpfer.

