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KREMS / Landesgalerie Niederösterreich: WACHAU

05.07.2020 | Ausstellungen, KRITIKEN

KREMS / Landesgalerie Niederösterreich:
WACHAU
Die Entdeckung eines Welterbes
Vom 1. Juli 2020 bis zum 6. März 2022

Ikonen der Malerei

Seit dem Jahr 2000 zählt die Wachau zum „Weltkulturerbe“ der UNESCO, was einen schützenden Effekt hat. Dieser besondere Abschnitt der Donau zwischen Melk und Krems, der dem Land Niederösterreich immer besonders teuer war, ist nun sicher vor den verheerenden Folgen eines heutzutage verbreiteten Tourismus. Keine Hotel-Bettenburgen, keine Fastfood-Angebote, keine Billig-Souvenir-Läden. Man erhält Natur und Baubestand. Kommt Neues hinzu, geschieht es so behutsam wie mit der Landesgalerie Niederösterreich, die vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet wurde: ein modernes Gebäude, das aber keinesfalls das Stadtbild von Krems stört. Vielmehr fügt es sich perfekt in die „Kunstmeile Krems“. Und dort wird auch gezeigt, wie das heutige „Welterbe“ Wachau einst „entdeckt“ wurde.

Von Heiner Wesemann


Thomas Ender: Blick auf Stift Melk. Foto: Landesgalerie NÖ

Knapp zwei Jahrhunderte zurück   Die Wachau war ein eher verborgener Abschnitt der Donau, bis 1837 die Dampfschifffahrt zwischen Wien und Linz aufgenommen wurde. Dann konnte man auch als Reisender (nicht nur als Berufs-Schiffer) vom Wasser her bewundern, wie majestätisch Stift Melk hoch über der Donau aufragte, wie die Ruine Dürnstein das beschwor, was man unter „Romantik“ versteht. Und es gab „Stationen“ in Stein und in Melk, die zum Aussteigen und Verweilen einluden. Es war eine Welt, wie geschaffen für Maler – und sie kamen. Zuerst bis 1848, dann legten die Künstler in unruhigen Zeiten eine Pause ein. Auch die Westbahn, die den Reisenden andere Möglichkeiten boten als das Schiff, ließ es um die Region stiller werden. Bis in den 1870er Jahren ein wahrer Boom der „Künstler in der Wachau“ einsetzte.

Alle großen Namen     Die Ausstellung in der Landesgalerie konnte auf Hunderte von Werken zurück greifen, da man sich in Niederösterreich immer der Bedeutung gerade dieser Landschaft, der Künstler und der Werke bewusst war. Folglich wurde „Wachau-Malerei“ in hohem Maße gekauft und gesammelt, also kann die Ausstellung nun, wie Kurator Wolfgang Krug mit Stolz feststellte, die „Ikonen“ bieten. Es ist eine Gemäldeausstellung, die von Zeichnungen flankiert wird. Die großen Namen reichen von Thomas Ender bis Rudolf von Alt, von Tina Blau bis Emil Jakob Schindler. Wer immer in Österreich (und auch in Deutschland, das viele Maler hierher sandte…) „Landschaft“ in das Zentrum seiner Arbeit stellte, kam hierher.

Die Variationen der Natur     An der Ausstellung besticht nicht nur die Qualität, sondern auch die Vielfalt des Gezeigten. Die Natur wird vom Fluß bestimmt, aber auch von der Schönheit etwa der Marillenblüte. Die Künstler waren unermüdlich darin, neue Blickpunkte zu finden – man könnte sich allein lange Zeit damit beschäftigen, auf welch verschiedene Art etwa Stift Melk (frontal oder im Hintergrund) „in Szene“ gesetzt wurde.

Die Leistungen von Menschenhand   Darüber hinaus sind es die vielen kleinen Orte zwischen Melk und Krems, die mit ihren unendlichen Blickwinkeln auf Häuser, in Höfe und Ecken, die Künstler fasziniert hat. Ob Spitz oder Weissenkirchen, Dürnstein oder Stein, jeder Ort fand „seinen“ Maler und Fan. Dass Akademieprofessor Eduard Peithner von Lichtenfels jahrelang mit seinen Schülern im Sommer in die Wachau kam, hat eine Generation großartiger Maler geformt. Sein „Meisterschüler“, Maximilian Suppantschitsch, von dem das Land viele Werke gekauft hat, wurde berühmt dafür, in Graphiken unermüdlich die architektonischen Kostbarkeiten der Region fest zu halten.

Die Fülle der Stile     Es ist ein langer Zeitraum von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Entsprechend ist die stilistische Vielfalt, von der Romantik zum Realismus, vom Stimmungs-Impressionismus bis zur kraftvollen Stilisierung. Ein Thema – und hunderte von Variationen.

Landesgalerie Niederösterreich,
Museumsplatz 1, 3500 Krems an der Donau
Wachau. Die Entdeckung eines Welterbes
Bis 6. März 2022.
Öffnungszeiten:
Sommer (März–Okt.) DI–SO 10.00–18.00 Uhr, MO, wenn Feiertag
Winter (Nov.–Feb.)DI–SO 10.00–17.00 Uhr, MO, wenn Feiertag‘
Schließtage 24.12., 31.12. und 01.01.

 

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