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KREMS / Kunstmeile: Ernst Ploil / Michael Goldgruber / Robin Rhode / Fix & Foxi

06.07.2020 | Ausstellungen, KRITIKEN

KREMS / Kunstmeile: Ernst Ploil / Michael Goldgruber / Robin Rhode / Fix & Foxi

Für jeden etwas

Es klang wie ein Erleichterungsseufzer – auf beiden Seiten. Endlich hat wieder eine ganze Museumslandschaft ihre Pforten geöffnet, denn ohne Publikum fühlt man sich gewissermaßen ganz verloren. Und endlich kann auch der Besucher viele divergierende Eindrücke in sich aufnehmen, wie sie von der „Kunstmeile Krems“ rund um die Großausstellung „Wachau“ angeboten werden.

Von Heiner Wesemann

KREMS / Landesgalerie Niederösterreich
SCHIELE – RAINER – KOKOSCHKA
DER Welt (M)EINE ORDNUNG GEBEN
DIE SAMMLUG ERNST PLOIL. EINE AUSWAHL
Bis 28. Februar 2021

Ernst Ploil, Jahrgang 1946, noch aktiver Wiener Anwalt, war Zeit seines Lebens aktiver Kunstfreund und Sammler. Das Interessante an ihm, und das zeigt die von Herbert Giese kuratierte Ausstellung: Von der Fin de Siècle-Jahrhundertwende bis in die Gegenwart ist ihm keine Kunstform fremd – weder im Genre (von Gemälde über Skulptur bis Plastik sammelte er „alles“), noch was die Namen betrifft. Da steht ein erlesener Schrank von Kolo Moser neben einem hochstilisierten Kopf von Joannis Avramidis, und der Sammler zeigt seine Vorliebe für Kopfskulpturen auch mit Kiki Kogelnik. Im übrigen müsste man nur die Namen aufzählen, die hier versammelt sind, um ein Kompendium des 19. und 20. Jahrhunderts von Egger-Lienz bis Arnulf Rainer zu erhalten. Und mit dem „Selbstbildnis in Pfauenweste“ besitzt Ploil eines der wichtigsten Schiele-Bilder überhaupt, das Klaus Albrecht Schröder, wie erinnerlich, lang und breit als Bild mit „Heiligenschein“ interpretiert hat.

KREMS / Landesgalerie Niederösterreich
MICHAEL GOLDGRUBER.
TRAUM, LAND
Bis 18. Oktober 2020

Michael Goldgruber, Fotograf und Videokünstler, ist gebürtiger Steirer, „und dort ist es landschaftlich auch sehr schön“, wie er bei der Pressekonferenz sagte. Dennoch zog es ihn nach Niederösterreich, um einen Blick auf die Landschaft zu werfen. Allerdings nicht, um die konventionelle Schönheit, die es so reichlich gibt, einzufangen. Seine Bilder sind grau, braun, schieferfarben, die Konturen hart. Um Übergänge geht es ihm, dort, wo Wildnis und Kulturlandschaft sich treffen. Kommt man aus der „Wachau“-Ausstellung im selben Haus, sieht man, wie unterschiedlich die Blicke sind, die Künstler auf die Welt werfen können.

KREMS / Kunsthalle:
ROBIN RHODE.
MEMORY IS THE WEAPON
Bis 1. November 2020

Robin Rhode, international erfolgreicher schwarzer Südafrikaner, der seit Jahren in Berlin lebt und arbeitet, bekommt in der KunstHalleKrems die Gelegenheit, seine großformatigen Werke effektvoll auszustellen. Ein Raum ist von einer riesigen Gestänge-Installation erfüllt, die wahrlich den Eindruck der Orientierungslosigkeit unserer Welt vermittelt. Ob Graphik , ob Collage, ob Video, die Wände füllen sich, und ob eine evidente Vorliebe für Geometrisches oder satirische Zeichnung – immer fordert er quasi spielerisch den Betrachter heraus, den Weg in seine Kunst- und Gedankenwelt zu nehmen. Interpretation: individuell.

KREMS / Karikaturmuseum:
FIX & FOXI XXL
Die Entdeckung der Schlümpfe, Spirou und Lucky Luke
Bis 21. Februar 2021

Die große Herausforderung hieß Disney – und der deutsche deutsche Kartonist Rolf Kaukas nahm sie in den fünfziger Jahren an. Am liebsten hätte er Filme gedreht wie jene um „Micky Maus“, aber dazu fehlte es an Geld.

Aber er konnte zeichnen, erfand „Fix & Foxi“, das Füchse-Brüderpaar in Latzhosen (einer blau, einer gelb gekleidet), setzte sie in ihre eigene Welt „Fixholzen“ (was ihm den Vorwurf einbrachte, er habe „Entenhausen“ plagiiert, aber was soll’s) – und kurz gesagt, in Comic-Heften waren die beiden ein Riesenerfolg. Sie erschienen zwischen 1953 und 1995 und haben im Ganzen gut 300 Millionen Hefte abgesetzt…
„Das hätten sich die beiden auch nicht träumen lassen, dass sie einmal im Museum landen werden“, meinte Kurator Gottfried Gusenbauer, aber wo, wenn nicht in dem originellen Karikaturmuseum in Krems sollte man sie erleben – und ein wenig Hintergrundsgeschichte auch, Entstehung (auch mit vielen Entwurfszeichnungen), aber auch die Folgen. Wie viel von den beiden so wunderbar schwungvoll gezeichneten kleinen deutschen Füchsen angestoßen wurde in der Comic-Welt, nicht zuletzt Lucky Luke  – es ist bemerkenswert. Und witzig.

 

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