Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Kontrapunkt: „Weiß man, was daraus wird?“, Gerüchte um Ersan Mondtag als Ring-Regisseur in Wien. Von Dr. Klaus Billand

Kontrapunkt: „Weiß man, was daraus wird?“, Gerüchte um Ersan Mondtag als Ring-Regisseur in Wien

Liebe Opernfreunde und die paar, die es noch werden wollen – und sollten!

Angesichts der drohenden Besetzung des neuen Ring des Nibelungen an der Wiener Staatsoper 2028 durch einen ziemlich unbegründet gehypten, aber recht Wagner-unerfahrenen Regie-Neuling im Operngeschäft, sah ich mich regelrecht gezwungen, diesen Aufsatz zu verfassen. 

Ich hoffe sehr, dass diese Veröffentlichung im OPERNFREUND und eine erste als Exkurs der meiner Kritik der weitgehend verfehlten Inszenierung der Perlenfischer von Georges Bizet an der Staatsoper im online merker erschienenen Arbeit auch den Verantwortlichen im Theaterbetrieb und in der relevanten Politik-Sparte zu denken gibt.

Unterhalb habe ich auch eine Wortmeldung des langjährigen und vollkommen verständigen ex-Staatsoperndirektors in Wien, Ioan Holender, gepostet. Sie geht in die gleiche Richtung, natürlich von einem viel Kompetenteren formuliert. Und Holender wagt gar einen möglichen Tod der Oper anzudeuten, wenn es so weiter geht… Nach immerhin 430 Jahren ihrer Entstehung in Venedig!

staaa

Auszug aus „Der Opernfreund: 

Angesichts der zwar noch nicht bestätigten, aber scheinbar ernsthaft im Gespräch befindlichen Ernennung des jungen und bei Richard Wagner noch weitgehend unerfahrenen Regisseurs Ersan Mondtag zum Regisseur des neuen Wiener Ring des Nibelungen im Jahr 2028, erscheinen einige Überlegungen weiterreichender Art angebracht.

Was sich hier als allbekannte und -altbackene Regisseurstheater-Plattitüden zeigte, wie Polizeiuniformen und Putzkolonnen, lassen nichts Gutes erhoffen. Im Vorfeld der Neuinszenierung der Perlenfischer von Georges Bizet konnte man in der Wiener „Bühne“ ein Titel-Interview (mit Cover-Bild) und auch in anderen einschlägigen Publikationen bereits ein Hype-artiges Hochloben von Ersan Mondtag beobachten. Ähnliches war vor längerer Zeit bei der Sopranistin Ausrine Stundyte mit ebenfalls einem groß aufgemachten Titel-Interview in der Zeitschrift „Opera!“ zu erleben, dem dann sängerisch doch eine gewisse Ernüchterung folgte/folgen musste. Es ist nie gut, wenn potentielle Aspiranten auf eine große Karriere schon im Vorfeld allzu sehr hochgepriesen werden, oder um es im journalistischen Jargon zu sagen, „hochgeschrieben“. Es geht dann oft nach hinten los und schadet am Ende den Betroffenen angesichts dann enttäuschter Erwartungen mehr als es ihnen nutzt.

Manuel Brug kommentierte in der WELT „Ersan Mondtag ist jetzt in der Champions League – und erlebt ein Desaster“, womit er wohl dessen Perlenfischer-Inszenierung in Wien meinte. Die Wiener „Bühne“ bezeichnet Mondtag gar als „Regie-Rockstar“, was immer das in musiktheatralisch qualitativen Dimensionen heißen soll. Mit der Champions League wird die Wiener Staatsoper also offenbar mit der höchsten Fußball-Spielklasse assoziiert, was sie, nach – nicht nur in Wiener Opern-Kreisen – weitgehend unumstrittener Beurteilung der Regiearbeiten der letzten Jahre – zumindest im Wagner-Fach – längst nicht mehr ist.

 

Kontrapunkt: „Weiß man, was daraus wird?“, Gerüchte um Ersan Mondtag als Ring-Regisseur in Wien – Der Opernfreund

 

Diese Seite drucken