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KÖLN/ Philharmonie: DIE WALKÜRE – 1. Akt, konzertant

29.01.2014 | KRITIKEN, Oper

Köln: 28.01.2014: DIE WALKÜRE  – 1. Akt konzertant in der Philharmonie

Bestandteil des Symphoniekonzerts vom 28.01.2014 war eine Konzertante Wieder­gabe des ersten Akts von Wagners WALKÜRE. Die Philharmonie war mit rund 2.000 Besuchern restlos ausverkauft. Markus Stenz, Chef des Gürzenich-Orchesters, wusste sich mit diesem Stück optimal zu profilieren. Selten habe ich speziell den kam­mermusikalischen Teil bis zum Abgang Hundings so ausgedeutet und spannungs­reich erlebt. Dabei setzte Stenz keineswegs auf Tempo. Vielmehr zelebrierte er jeden Einsatz und jede Phrase, hatte Mut zu Generalpausen und baute gerade dadurch ei­nen faszinierenden Spannungsbogen auf. Dem kam zugute, daß das Orchester und damit jeder einzelne Musiker stets zu sehen war. So wurde die Aufmerksamkeit ins­besondere auf die zahlreichen solistischen Einsätze gelenkt, was naturgemäß nicht möglich ist, wenn das Orchester im Graben untergebracht ist. Das heißt indes nicht, daß Stenz, der den Sängern große Freiräume ließ, die leidenschaftlichen Ausbrüche der beiden Liebenden im zweiten Teil des Akts nicht mit dem Mut zum Fortissimo sei­nes tadellos musizierenden Orchesters begleitet hatte.

Die Besetzung war allerdings auch exzellent. Als Sieglinde war Anja Kampe zu hö­ren. Sie ist nach ihren grandiosen Erfolgen in Bayreuth und kürzlich in München so­zusagen zur Inkarnation dieser Figur gereift. Dabei besitzt sie nicht einmal besonders außergewöhnliches Material. Sie weiß aber mit ihren Mitteln vom Piano bis hin zum sieghaften Höhenjubel umzugehen. Ihre Körpersprache und selbst ihre Mimik weiß sie stets situationsgerecht einzusetzen. Das steht keine Sängerin auf der Bühne, die nur eine Rolle verkörpert. Im Moment ihres Auftretens wird Kampe zu Sieglinde.

Ihr Partner, der Kanadier Lance Ryan, gehört fraglos zur ersten Garnitur der Helden­tenöre, singt an allen großen Häusern und polarisiert dennoch das Publikum. Impo­nierend sind seine Souveränität im Umgang mit der Partie und seine vokale Sub­stanz. Zuweilen stört aber sein „weißes“ Timbre, das doch stark vom üblichen Klang­bild abweicht.

Dritter im Bunde war Eric Halfvarson, den der Rezensent als Hagen vor fast exakt zwanzig Jahren an gleicher Stätte erstmals gehört hatte und seinerzeit von seiner Durchschlagskraft enthusiasmiert war. Mittlerweile ist der Amerikaner in die Jahre gekommen. Sein Baß ist nach wie vor füllig und zu bedrohlichen Attacken fähig. Al­lerdings deutet sich ein beginnendes Tremolo an. Gegenüber seinen Salzburger Großinquisitor wirkte er hingegen deutlich überzeugender und stimmlich konsolidiert.

 Am Ende eines bemerkenswerten Abends gab es Ovationen für alle Beteiligten.                                                                                                       

Klaus Ulrich Groth

 

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