17.05.2026: HELLO DOLLY (Stadttheater Klagenfurt)
Ein wenig ist es wie aus der Zeit gefallen, wenn das Stadttheater Klagenfurt, unbeeindruckt von den an den größeren Häusern allenthalben gepflegten Umdeutungs- und Dekonstruktionstendenzen im Bereich der als solche auch fragwürdig gewordenen „heiteren Muse“ die Saison wieder mit einem Werk des klassischen Musical-Repertoires beschließt. Und dabei das Stück, das zweifellos seine dramaturgischen Unebenheiten hat, einfach so nimmt, wie es ist; eine Reihe sympathischer Menschen auf einer charmant atmosphärischen Bühne (Bühne: Anneliese Neudecker) hübsch altmodisch – vintage heißt das wohl – anzieht (Kostüme: Nicola Reichert, Bettina Breitenecker) und unbeirrt von nicht mehr ganz zeitgemäßen Klischees der Geschlechterrollen die Höhen und Tiefen ihrer Liebeswirren durchleben lässt, bis zum absehbaren, wenn auch etwas abrupten Happy End (Regie: Igor Pison).

Hello Dolly – die Hauptdarstellerin mit Ensemble © Stadttheater Klagenfurt – Helge Bauer
Das alles geht natürlich bei einem Klassiker wie Hello Dolly von Jerry Herman und Michael Stewart nur, wenn man für die wirklich tragende Titelfigur eine entsprechende Besetzung aufweisen kann, was in Klagenfurt mit der umwerfenden Wienerin Carin Filipčič uneingeschränkt der Fall ist. Gerade im richtigen Alter, um sich von den jungen Paaren mit verschmitzter Lebensweisheit abzuheben, dominant auf die sympathische Weise, im richtigen Moment auch berührend, und vor allem stimmlich bis in die exponierten Lagen souverän und ausdrucksvoll. Ein ebensolcher Glücksfall ist der Duisburger Tim Grobe als kauziger Horace, der den heiklen Part zwischen Ungustl und Sympathieträger irgendwo in der Nähe von Louis de Funes ansiedelt, mit der entsprechend komischen Wirkung. Sängerisch lässt er an den wenigen Stellen, die ihm zugedacht sind, durch markanten Chanson-Ton aufhorchen – von ihm könnte man sich diesbezüglich durchaus mehr vorstellen.
Die beiden jungen Paare – Cornelius Hackl und Irene Molloy sowie Barnady Tucker und Minnie Fay – waren bei den aufgeweckten, auch in der Bewegungskomik überzeugenden Sander van Wissen, Gloria Enchill, David Hegyi und Vivienne Dejon gut aufgehoben: ersterer berührte auch mit seinen Songs als lyrischer Liebhaber.
Das gesamte Ensemble mit Chor, Ballett und Kärntner Symphonie-Orchester erfüllte unter der Leitung von Günter Wallner schwungvoll und mit sichtlichem Vergnügen seine Aufgabe. Dass man die gesprochenen Passagen auf Deutsch, die gesungenen jedoch im originalen Englisch darbot, gewährte denen, die sich am funkelnden Sprachwitz der Song-Texte erfreuen wollten, dazu reichlich Gelegenheit.
So scheint auch das Publikum gegenüber den eingangs erwähnten Umerziehungsversuchen resistent und spendete reichlich Applaus zu über sechzig Jahre alten Ohrwürmern in klassischem Gewand, und dies – Ironie des Schicksals? – nur wenige Stunden, nachdem in Wien der ESC über die Bühne gegangen war, von dessen „Hits“ man so kurz danach vermutlich nicht einen im Gedächtnis behalten hatte.
Valentino Hribernig-Körber

