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KLAGENFURT: CAVALLERIA RUSTICANA / PAGLIACCI. Neuinszenierung

01.11.2014 | Allgemein, Oper

KLAGENFURT:CAVALLERIA RUSTICANA/PAGLIACCI am 30.10. 2014 (Helmut Christian Mayer)

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Cavalleria rusticana. Foto: Stadttheater Klagenfurt

 Es ist immer wieder sehr schade, dass es heutzutage andauernd zu Opernaufführungen kommt, bei denen meist die Inszenierung nicht mit der höherwertigen Qualität der musikalischen Realisierung Schritt halten kann. Dies wurde wieder einmal, diesmal  am Stadttheater Klagenfurt eindeutig bewiesen. Denn hier ist es dem Besetzungsbüro gelungen, bei den untrennbaren Opernzwillingen „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und „Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo eine beachtliche Sängerriege zu engagieren.

 Allen voran ist Csaba Szegedi zu nennen. Er ist aber auch ein schicksalshafter, präsenter Puppenspieler, der alle Fäden zieht und vor dem man sich regelrecht fürchten muss.  Zudem singt er sowohl die Partie des Alfio wie jene des Tonio mit einem ungemein weichen, warmstimmigen aber auch kräftigen Bariton. Besonders der Prolog aus „Pagliacci“ gelingt ihm wunderbar. Mary Elizabeth Williams verfügt als Santuzza über eine Riesenstimme. Sie muss sich manchmal regelrecht zurückhalten, es gelingen ihr aber auch herrliche innige Piani. Ricardo Tamura singt sowohl den Turiddu wie auch den Canio schöntimbriert, mit viel Schmelz, Kraft und Höhensicherheit. Erst gegen Ende fallen bei ihm gewisse Ermüdungserscheinungen auf. Leider muss er seine Paradearie „Vesti la giubba (Ridi, Pagliaccio)“ bewegungslos, ja steif sitzend singen, in der sich Canio üblicherweise schminkend in Bajazzo verwandeln sollte. Guanqun Yu verfügt als Nedda über einen sensiblen, beweglichen Sopran. Anna Werle ist eine kokette, schönstimmige Lola, Andrea Borghini ein kleinstimmiger Silvio mit viel Ausdruck. Ohne Tadel singen auch  Ilker Arcayürek  den Peppe wie auch Eibe Möhlmann die Mamma Lucia.

 An Übereinstimmung von Bühne und Graben, die zwar nur selten fehlt, sollte Alexander Soddy noch feilen. Ansonsten gelingt es dem jungen Chefdirigenten, bei den engagiert spielenden Musikern viel Leidenschaft und packende Emotionen zu zünden: Nicht nur in den Intermezzi sondern auch in der Schlussszene lässt er schillern und funkeln.

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Pagliacci. Foto: Stadttheater Klagenfurt

 Da kann die Regie von Marco Storman bei weitem nicht mithalten. Denn er lässt die eigentlich im einfachen, oft bäuerlichen Milieu angesiedelten Geschichten über Liebe, Hass, Eifersucht in einer Art glitzernder Kunstwelt spielen, wo Illusionen vorherrschen, wo sich jeder verstellt und Realität wie auch Traum verschmelzen. Weit ab von jeglichem Verismo, wofür beide Kurzopern eigentlich Paradebeispiele sind, sieht man den Plot im Theater im Theater, einem Art Varieté, was sich zwar beim „Bajazzo“ auf Grund der Handlung von selbst ergibt, was sich jedoch bei der „Cavalleria“ überhaupt nicht erschließen lässt: Denn Santuzza muss vor dem Vorhang, auf einem Theaterstuhl ständig das Geschehen beobachten, das auf einer Theaterbühne (Dominik Steinmann) vor einem silbern glitzernden Flittervorhang und dunklen, angedeuteten  Häusern mit Lichtpunkten passiert. Den Chor des Hauses (Einstudierung: Günter Wallner), der leider musikalisch immer wieder außer Tritt gerät, lässt er statisch arrangiert, als Teil des Bildes frontal zum Publikum dastehen und entgeht so der Gefahr, ihn führen zu müssen. Ebenso meist mit Blick ins Publikum hat er den Sängern beinahe jede Geste und jedes Spiel untersagt, was leider auf Kosten der Emotionen geht und teils lähmend wirkt. So verschenkt Stormann die vielen, vitalen Momenten, etwa der Szene nach der Kirche, die in die Herausorderung zum Duell mündet, und nimmt ihnen völlig die Dramatik. Andererseits wird im „Bajazzo“ völlig umständlich mit Notenständern herumhantiert und mit Notenblättern herumgeworfen. Zu berührenden Momenten hingegen führt die Idee, alle Protagonisten zeitweise von absolut gleich bekleideten Kindern (die fantasievollen Kostüme stammen von Sara Schwartz) zu doubeln. Großer Jubel!

 Helmut Christian Mayer

 

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