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KITTSEE / Schloss Kittsee: Operettengala eröffnet Festspielreigen

Eine heiße Operetten-Sommernacht - trotz des kühlen Wetters

02.07.2021 | KRITIKEN, Operette/Musical
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Roman Pichler, Nathalie Peña-Comas, Raimund Stangl und Kerstin Grotrian. Alle Fotos: Richard Schuster

KITTSEE / Schloss Kittsee:  Open Air Operettengala eröffnet sommerlichen Festspielreigen

1. Juli 2021 Premiere

Von Manfred A. Schmid

Nach Wiener Blut im Vorjahr haben sich Sommer Festival Kittsee Intendant Christian Buchmann und sein Chefdirigent Joji Hattori für heuer etwas Besonderes einfallen lassen: Eine hochkarätig besetzte Operettengala mit einem Querschnitt aus Werken von Johann und Eduard Strauß, Franz Lehár, Emmerich Kálmán, Paul Abraham, Jacques Offenbach und Robert Stolz. Es werden aber nicht nur die zu erwartenden Standards dargeboten, dazu kommen noch zwei aus der Feder von Überraschungsgästen stammende Gustostückerl, die – gerade weil sie etwas aus der Reihe tanzen – der Sopranistin Juliette Kalil ideale Gelegenheit bieten, ihr umwerfendes komödiantisches Talent und ihr gesangliches Können unter Beweis zu stellen. In „Die Männer sind alle Verbrecher“ von Walter Kollo, vor allem aber in der virtuose Pasticcio-Arie „Girl in 14 G“, ein Stil-Mix aus Song, klassischer Koloratur und Jazz, des hierzulande weniger bekannten US-Musicalduos Jeanine Tesori & Dan Scanlan, kann sie zeigen, warum sie an ihrem Stammhaus, der Wiener Volksoper, in allen drei Sparten – Oper, Operette & Musical – so erfolgreich ist.

Als man an die Planung des Programms ging, das traditionell die sommerliche Festspielszene in Österreich eröffnet, konnten die Veranstalter noch nicht ahnen, dass die Premiere gewissermaßen am Tag der Wiederkehr eine gewissen Normalität in der Kulturwelt stattfinden würde. Tatsächlich ist die Kittseer Operettengala das erste große Open Air Ereignis in Österreich, das wieder ohne FFP2-Maske stattfindet. Auch die traditionelle Gastroszene im angrenzenden Schlosspark ist frei zugänglich. Penibel kontrolliert wird nur die Einhaltung der 3-G-Regel. Möge das möglichst lange so bleiben.

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Nathalie Peña-Comas und Roman Pichler

Nicht gerechnet hat man wohl auch damit, dass nach der großen Hitze der letzten Wochen ausgerechnet am 1. Juli eine merkliche abendliche Kühle herrscht. Von einer lauen Sommernacht kann meteorologisch keine Rede sein. Aber die zündenden Rhythmen der vom Festivalorchester unter der Leitung von Josh Hattori dargebotenen Instrumentalnummern wie der Zigeunerbaron-Ouvertüre, der „Carmen Quadrille“ von Eduard Strauß und natürlich des mit „Galopp infernal“ untertitelten „Cancan“ aus Offenbachs Orpheus in der Unterwelt heizen die Stimmung an, wozu auch die von Jessica Wurzer choreographierten Balletteinlagen von Daniela Harbauer, Magnus Jahr, Valentina Seidl und Fabian Koller beitragen.

Ganz warm ums Herz wird dem Publikum gewiss auch, wenn in bester Operetten-Manier die Liebe besungen wird. Der österreichische Tenor Roman Pichler schmettert Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“, die hinreißend singende Mezzosopranistin Nathalie Peña-Comas, eine temperamentvolle und anmutige Latina, verspricht „Meine Lippen, sie küssen so heiß“, und der aus der Schweiz stammende Alexandre Beuchat, mit einem eleganten, betörenden Bariton ausgestattet, begeistert u.a. als Danilo in Lehárs „Da geh ich zu Maxim“. Selbstverständlich mangelt es in dieser Sommernacht in der Regie von Dominik Am Zehnhoff-Söns auch nicht an glanzvollen Ensemblenummern, wie etwa dem Quartett „Liebchen, mich reißt es“ aus Kálmáns Csárdásfürstin, oder dem Duett „Lippen schweigen“ aus Lehárs Die lustige Witwe, innig dargeboten von Nathalie Peña-Comas (Hanna) und Roman Pichler (Danilo)

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Kerstin Grotrian und Raimund Stangl

Auch der Humor darf bei einer Operettengala natürlich nicht zu kurz kommen. Dafür sorgen nicht nur Juliette Khalil und Roman Pichler mit „Wünsch guten Morgen, Herr von Pepi“ aus Wiener Blut, vor allem aber obliegt das dem sympathischen und vor Witz sprühenden Duo Kerstin Grotrian und Raimund Stangl, das launig und von Raffaela Pegani z.T. zwerchfellerschütternd kostümiert durch den Abend führt, aber auch singend in Erscheinung tritt. Wenn in der Schlussnummer „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ von Robert Stolz alle Mitwirkenden auf der von Manfred Waba ausgestatteten Bühne vor dem Schloss Kittsee agieren, klingt ein Abend aus, der seinem Anspruch, eine Operngala zu sein, voll erfüllt hat. Weitere Vorstellungen immer freitags und samstags, bis einschließlich 17. Juli.

 

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